Fastenzeit

14. Februar 2018 05:40; Akt: 14.02.2018 07:47 Print

«Ich kann auch ohne Supermarkt leben»

Überraschend viele junge Ostschweizer fasten. Die einen verzichten auf den Supermarkt, die anderen aufs Lügen.

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Yuri Forster aus Appenzell verzichtet 30 Tage auf Produkte aus dem Supermarkt. Ab Mittwoch will der 26-Jährige seine Einkäufe nur noch beim Bauern, beim Metzger oder auf dem Markt erledigen statt bei Migros oder Coop. Forster macht bei «Join My Challenge» mit, einer Aktion von «Brot für alle» und «Fastenopfer».

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Die Teilnehmer stellen auf der Webseite ihre persönliche Challenge für die Fastenzeit vor. «Für die Herausforderungen kann dann gespendet werden», sagt Lorenz Kummer, Mediensprecher von «Brot für alle», gegenüber 20 Minuten. Die Spende komme den Organisationen zugute.

Zu viel Müll

«Wegen des übermässigen Angebots der Supermärkte sterben die kleinen Märkte und Lädeli aus», begründet Forster sein Vorhaben. Auf die Idee kam Forster, als er einen Monat lang mit seiner Freundin vegan lebte. Damals habe er das erste Mal darauf geachtet, was er überhaupt einkaufe. «Ich bemerkte, dass ich das riesige Angebot der grossen Supermärkte gar nicht brauche», so der junge Ostschweizer. Zudem sei sein Abfallsack, obwohl er alleine lebe, immer so schnell voll: «Wenn ich im Supermarkt einkaufe, gibt es einfach zu viel Plastik-Abfall. Das nervt mich regelmässig», sagt Forster.

Seinen Alltag wird der Appenzeller radikal umstellen müssen, wie er sagt: «Ich kann nicht mehr einfach schnell um 18 Uhr in den Coop rennen.» Dennoch ist er überzeugt, es zu schaffen: «Ich werde allen zeigen, dass es ohne die grossen Supermärkte geht.» Auf seinem Profil bei Join My Challenge will Forster regelmässig über seine Erfahrungen berichten. Gemäss Lorenz Kummer kommt «Join My Challenge» vor allem bei Jungen gut an. Die Religiöse Tradition trete als Motivation in den Hintergrund, oft gehe es um politische und gesundheitliche Aspekte.

Auf Verhaltensgewohnheiten achten

Dem kann auch Natascha Dedy vom Organisations-Team der Aktion «40 Tage ohne» zustimmen. «Es geht den Jugendlichen nicht primär um das Religiöse sondern um den Erfahrungswert. Sie machen vor allem mit, weil sie aus ihren Routinen ausbrechen wollen», so Dedy. Für das gemeinsame Projekt der evangelischen und der katholischen Jugendarbeit gibt es bereits über 120 Anmeldungen.


Natascha Dedy vom Organisationsteam erklärt die Aktion «40 Tage ohne» und auf was die Jugendlichen dieses Jahr verzichten. (Video: lad)

Ein besonderer Trend sei, dass die Jungen auf gewisse Verhaltensweisen verzichten. Beispielsweise würden die Teilnehmer versuchen, auf Notlügen gegenüber Kollegen zu verzichten. «Es macht auch jemand mit, der das Wort müssen nicht mehr benutzen will», sagt Dedy. Ob die Jugendlichen durchhalten, was sie sich vornehmen? «Das hoffen wir. Aber wir können natürlich nicht hinter die Fassade schauen.»

Übrigens: bei «Join My Challenge» und bei «40 Tage ohne» kann man noch mitmachen.

(lad)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CookingSamurai am 14.02.2018 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echter Verzicht

    Geht mal in ein Entwicklungsland, darüber sollte nan wirklich diskutieren!

Die neusten Leser-Kommentare

  • CookingSamurai am 14.02.2018 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echter Verzicht

    Geht mal in ein Entwicklungsland, darüber sollte nan wirklich diskutieren!