Bluttat in Thal SG

17. Mai 2018 05:50; Akt: 17.05.2018 05:50 Print

Hielt Ralf M. seine Freundin für Satan?

Eine 44-Jährige wurde am Mittwoch in Thal bei einem Beziehungsdelikt getötet. Der Täter hatte im Vorfeld das Gefühl, Satan verfolge ihn. Ein Experte erklärt.

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«Satansfantasien sind noch nicht Alarmstufe Dunkelrot», sagt der forensische Psychiater Thomas Knecht zum Gewaltverbrechen von Thal SG. Am Mittwochmorgen war die Kapo St. Gallen zu einem Mehrfamilienhaus an die Rebenstrasse in Thal ausgerückt. Als die Polizei vor Ort eintraf, fand sie einen schwer verletzten Mann (50) und eine Frau (44) vor, die schliesslich noch am Tatort verstarb. Der Mann, der 50-jährige Ralf M.*, wurde mit schweren Schnittverletzungen ins Spital gebracht. Nachbarn berichten, er habe sich von Satan verfolgt gefühlt, Geister gesehen und Wahnvorstellungen gehabt.

Wahnhafte Störungen als Grundrisiko

Laut Knecht handelt es sich um eine psychotisch und pathologisch, also krankhaft, motivierte Tat. Solche Taten richteten sich meist gegen eine nahestehende Person. Wahnhafte Störungen seien dabei ein Grundrisiko und könnten die Wahrscheinlichkeit für solch eine Tat erhöhen. Sie seien aber nicht per se ein sicherer Vorbote für ein schweres Verbrechen. «Viele Menschen schlagen sich mit Wahnideen herum. Diese beschäftigen sie zwar, die Hemmung zum Töten wird aber in der Regel nicht überschritten», so Knecht. Eine geschlossene Massnahme, nur weil jemand Wahnvorstellungen habe, sei also nicht angebracht.

Oft würden Wahnvorstellungen sehr unkonkret beginnen.«Heikel wird es dann, wenn sich der Wahn auf eine ganz bestimmte Person im sozialen Nahraum konzentriert.» Dann seien Sicherheitsmassnahmen für die betroffene Person oder allenfalls eine fürsorgerische Unterbringung für denjenigen erforderlich, der die konkreten Wahnvorstellungen hat.

Sah er Freundin plötzlich als Satan?

Im vorliegenden Fall ist es gemäss Knecht durchaus denkbar, dass der Täter in seinem Opfer plötzlich die Verkörperung Satans vermutete und es deshalb zu Tat kam. «Der Wahn könnte sich fokussiert haben», so Knecht.

Gut möglich, dass der Täter nie zuvor gewalttätig war. «Es kann durchaus eine Ersttat gewesen sein.» Die Entwicklung könne im Stillen abgelaufen sein. Laut dem Experten ist in Fällen, bei denen Wahnvorstellungen ein Grund für die Tat sind, eine gründliche Begutachtung und Diagnose wichtig. «Wird der Wahn behandelt beziehungsweise beseitigt, kann auch das Risiko für eine Wiederholungstat drastisch verringert werden», sagt Knecht.

* Name der Redaktion bekannt

(taw)