Aadorf TG

13. Oktober 2017 05:49; Akt: 13.10.2017 08:18 Print

«Man hat die Eröffnung mit zu viel Salz sabotiert»

Die Eröffnung eines Restaurants in Aadorf endete in einem Debakel. Nun erhebt die Wirtin schwere Vorwürfe. Die Chronik einer bizarren Schlammschlacht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Erwartungen waren gross, als Anfang Oktober das renommierte Restaurant Glenseven in Aadorf seine Tore wieder öffnete. Doch noch grösser ist der Schlamassel, in dem die Eröffnung endete.

Die 47-jährige Wirtin B. A.* hatte das Lokal wenige Wochen zuvor übernommen und war dafür aus dem Bündnerland in den Thurgau gezogen. Am Eröffnungstag – da sind sich alle Beteiligten einig – lief dann so ziemlich alles aus dem Ruder. Als das Rehragout serviert wurde, war bald klar, dass es versalzen war. Es habe geschmeckt, «als ob jemand absichtlich ein Kilo Salz über das Essen gestreut hätte», sagt die Wirtin. Andere Gäste sehen es weniger dramatisch.

Verwalter fiel aus allen Wolken

Von nun an klaffen die Darstellungen noch weiter auseinander: Wirtin B. A. sagt, sie sei in der Folge in die Küche geeilt, wo sich ihr ein Bild des Grauens geboten habe. Es habe ausgesehen, als hätten «ein Jahr lang 20 Personen darin gewohnt», gab sie den «Wiler Nachrichten» zu Protokoll. Von den beiden Angestellten habe jede Spur gefehlt. Nur die Kochschürzen hätten noch da gelegen. Sie habe dann Freunde aufgeboten, die ihr geholfen hätten, «zu retten, was noch zu retten war».

Gegenüber 20 Minuten gibt sie sich überzeugt, dass die beiden Küchenmitarbeiter bewusste Sabotage betrieben hätten, wobei deren Wut wohl nicht ihr, sondern dem Verwalter der Liegenschaft gegolten habe: Dieser geniesse einen schlechten Ruf in der Gegend.

Der Verwalter fiel ob der Vorwürfe aus allen Wolken. Er habe der Wirtin an jenem Tag noch helfen wollen und mitbekommen, wie sie in der Küche den Koch angeschrien und ihm mit gerichtlicher Verfolgung gedroht habe. Den Tränen nahe habe der junge Mann seine Sachen gepackt und sei gegangen. Später habe die Wirtin auch noch eine Serviceangestellte fristlos entlassen. Offensichtlich sei die Wirtin überfordert gewesen, so der Verwalter. Statt sich um ihre Gäste zu kümmern, habe sie sich zurückgezogen und sei mit sich selbst beschäftigt gewesen.

Zwei Konkurse

Der Verwalter betont zudem, man habe der Wirtin die nötige Hilfe für einen erfolgreichen Start geboten. Ihren Vorwurf, sie habe sich noch mit finanziellen Altlasten vom Vorgänger herumschlagen müssen, dementiert er entschieden: «Wir haben alles übernommen.» Seit der verpatzten Eröffnung ist das Lokal geschlossen. Nächste Woche soll eine Aussprache Klarheit bringen.

Am ehemaligen Wohnort der Wirtin zeigt man sich wenig erstaunt über die Entwicklung in Aadorf. Auftreten und Wirklichkeit hätten bei der Frau nicht immer übereingestimmt, heisst es etwa. Tatsächlich hatte die Frau mit ihren Geschäften in der Vergangenheit nicht immer eine glückliche Hand. Mit zwei Unternehmen ging sie Konkurs, zuletzt 2014 mit einer Kosmetikfirma.

Die 47-Jährige gibt sich dennoch kämpferisch: Sie habe schon zu viel in das Restaurant investiert, als dass sie jetzt die Koffer packen würde.

* Name der Redaktion bekannt

(eli)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Denker am 13.10.2017 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn nichts funktioniert eröffnet man eine Beiz ?

    Auch eine Beiz, ein Restaurant zu führen muss gelernt sein und bedarf Übersicht. Viele versuchen sich mit einem Gastrobetrieb und straucheln erbarmungslos. Kosmetikfirma, Restaurant da frage ich mich wo ist die Kernkompetenz ? Vielleicht wäre es klug nicht jedem eine Beiz zu überlassen.

    einklappen einklappen
  • RT am 13.10.2017 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja ohne Wirteprüfung jeder Ein Gastronom

    Standart Heute weil man keine Wirteprüfung mehr machen muss denken viele sie sind Koch, Wirt, Geschätsmann-Frau alles in einem ohne jegliche Ausbildung dafür also wen wunderts dass so viele "Gastronomen" scheitern.

    einklappen einklappen
  • Paul Boküss am 13.10.2017 06:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nich für jeden....

    Vom kosmetikstudio zum eigenen Restaurant? Das ist schon ein Quantensprung. Aber eben' es gibt Menschen die können das, andere überschätzen sich maßlos. Die Zukunft wird es zeigen zu welcher Kategorie die " Wirtin" gehört.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Master Finewood am 13.10.2017 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Aadorferinnen und Aadorfer!

    Jetzt ist aber genug geschwaffelt. Gehen wird doch ins Heidelberg zu den Roths und trinken einen Lenz Panorama oder gehen in die Linde zur Ursi und geniessen ein Fondue vom Emmentaler Weltmeister Beni Näf Guntershausen.

  • Ernesto am 13.10.2017 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pauschalbeträge

    Ja da habe ich meine Zweifel.. Will man der Wirtin mit den einseitigen Kommentaren den Garaus machen??? Alles was sie zu tun scheint wird als schlecht beurteilt... wervon all diesend Kritiken kennt das Lokal??? o.k.ich kenne es auch nicht, aber ein bisschen Toleranz wäre angebracht und nicht einfach auf Pauschalbeträge zurückgreifen¡!!!!!!!!!!!!!!

  • Liberty am 13.10.2017 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruf bereits zerstört

    In dem Falle gilt: wer nichts wird, wird Wirt. In der Schweiz kann echt jeder "Schlufi" ein Restaurant eröffnen. Um bestehen zu können, muss man sich aus der Masse hervorheben, sonst wird das nichts. Ich denke nicht, dass man bei einem misslungenen Menü gleich zur Presse rennen muss. Der Ruf ist jetzt definitiv zerstört. Solche Probleme löst man anders.

  • TG/GR am 13.10.2017 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schissihäfeli - Schissideckeli

    Ich kenne weder das Restaurant noch die Wirtin. Aber ich weiss das im TG Fremde nicht gern gesehen werden. Vielerorts bleibt man hier lieber unter sich. Zugezogene haben es nicht einfach. Und Erfolg gönnt man ihnen erst recht nicht.

  • Gixigaxigolome am 13.10.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Vorgänger?

    Wer weiss was mit dem vorgängigem Wirtepaar geschehen ist? Es war eine ganz nette Familie. Das G7 war immer eine gute Adresse.

    • Stammgast am 13.10.2017 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gixigaxigolome

      Er hat einen neuen Job in Aadorf begonnen und es geht ihm super!Er hatte keine Energie mehr und jetzt geht es ihm viel besser.Wir waren auch oft da und schätzten die Familie sehr,ganz ganz liebe Leute!

    einklappen einklappen