Von Platte verletzt

08. Februar 2018 18:51; Akt: 08.02.2018 20:55 Print

10-Jähriger fliegt von Hüpfburg an die Decke

Im Indoorspielplatz Appenzellerpark ereignete sich ein Unfall. Ein Junge (10) spickte von einer Hüpfburg an die Decke, sein Gesicht musste genäht werden. Die Parkbetreiber wurden angezeigt.

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Die lose Platte löste sich von der Decke und traf den Jungen am Kopf.

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«Mein Mann zog das T-Shirt aus und wischte dem Kleinen das Blut aus den Augen», sagt A. H.* gegenüber der «Appenzeller Zeitung». Sie ist die Mutter des 10-jährigen Jungen.

Der 10-Jährige kletterte im Indoorspielplatz Appenzellerpark in Herisau am 20. Januar auf den höchsten Punkt einer Hüpfburg und sprang runter. Dann nahm das Unglück seinen Lauf: Als der Bub wieder nach oben sprang, stiess er mit dem Kopf an die Decke, wodurch sich eine Deckenplatte löste und ihm auf den Kopf fiel. Sie traf ihn über dem Gesicht und verursachte eine Rissquetschwunde. Seither ziert eine grosse Narbe seine Stirn.

Anzeige wegen Körperverletzung

Ein Freund des 10-Jährigen holte die Eltern zu Hilfe, die in der Folge versuchten, den blutenden Jungen zu beruhigen und die anderen Kinder vom Hüpfen abzuhalten. «Er blutete und weinte – ich wusste nicht, wie schlimm die Verletzung war», sagt die Mutter. Es sei äusserst chaotisch gewesen.

Der Junge wurde ins Spital gebracht, wo seine Wunde genäht werden musste. Auch rund zwei Wochen nach dem Vorfall hat er noch Schmerzen: «Er kann keinen Helm anziehen, weil er auf die Narbe drücken würde», sagt H. der «Appenzeller Zeitung», «Fahrrad fahren darf er darum noch nicht und auch die Skiferien sind ins Wasser gefallen.» Die Mutter hat nun Anzeige wegen Körperverletzung bei den Betreibern des Herisauer Indoorspielplatzes eingereicht. Für sie sei es unverständlich, dass oberhalb der Hüpfburg lose Platten montiert wurden.

«Eltern haben Aufsichtspflicht»

Die Anzeige stösst bei Peter Kern, Betreiber des Appenzellerparks, auf Unverständnis: «Die Eltern haben die Aufsichtspflicht nicht erfüllt.» Der Junge habe die Regeln, die auf der Hüpfburg gelten, nicht eingehalten. «Vor allem wenn ein Kind mehrmals gegen die Decke springt, ist die Begleitperson verpflichtet einzugreifen», so Kern.

Wie der Knabe überhaupt so hoch hinauf kommen konnte, ist für den Betreiber ein Rätsel: «Der Bub muss ein ausgewiesener Sprungexperte gewesen sein.» An der Anlage könne es jedenfalls nicht liegen, da man sogar mehr Sicherheitsaspekte berücksichtigt habe als vorgeschrieben. Trotz allem wolle er nun ein positives Zeichen setzen und die Spitalkosten übernehmen, falls die Versicherung nicht bezahle. «Das Wohl des Kindes steht immer im Vordergrund», so Kern.

Auch beim Rorschacher Indoorspielplatz «Fägnäscht» ist es schon zu Unfällen gekommen: «Es stürzen immer wieder Kinder unglücklich - ein Griff zum Kühlbeutel reichte aber glücklicherweise meistens aus», so Reto Schirmer, Inhaber des Parks.

* Name der Redaktion bekannt

(viv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mirca am 08.02.2018 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finds gemein

    Sorry aber da ist wohl ganz sicher nicht der Indoorspielplatz schuld. Habe selber zwei oberwilde Jungs, aber wenn die Regeln nicht eingehalten werden tragen die Konsequenzen wir Eltern oder leider in diesem Fall ein 10 Jähriger, der sicher lesen kann.

  • zipa am 08.02.2018 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufsichtspflicht verletzt

    wieso wird die Mutter nicht wegen unterlassen der Aufsichtspflicht angezeigt?

  • Böse Zunge am 08.02.2018 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    denken

    Der Schilderung nach ist der Junge von der gelben Palme oder dem luftschlauch der sich über dem Sicherheitsnetz befindet nach unten gesprungen. Gegen diese (ich sage es eimal nett) Naivität ist nun mal kein Kraut gewachsen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • S. E. am 09.02.2018 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vögeliwohl

    Er übernimmt die Spitalrechnung - das Wohl des Kindes steht immer im Vordergrund! Da wird also allerhöchstens dem Spital wohler, aber def. hat das Kind selbst nichts davon, sein Schaden bleibt für immer.

  • m.Kr am 09.02.2018 04:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Verständnis

    Wäre es der Mutter lieber eine Beton Decke gewesen? Solche Platten sind heutzutage Üblich, und trifft man meist in Büros an. Und wenn man sein Kind so hoch auf die Hüpfburg gehen lässt und nicht eingreift hat man die eigene Verantwortung. Und dass man kein Helm tragen kann wenn man eine Wunde hat ist normal, vor allem wenn sie noch sehr frisch ist. Der Betreiber würde sogar die Kosten für die Heilung und Spital übernehmen, aber gleich eine Anzeige?

  • Trübeli am 09.02.2018 04:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Und einmal mehr sind schon wieder nicht die Eltern (Sorgfaltspflicht) sondern die Betreiber der Hüpfburg schuld!

  • Rotzbueb am 09.02.2018 04:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne neue Welt

    Ach waren das noch Zeiten als nicht gleich jeder eine Anzeige gemacht hat... Irgendwie sind wir trotzdem Gross geworden. Langsam haben wir hier amerikanische Zustände...

  • Andy Honegger am 09.02.2018 01:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich Glück gehabt 

    Das abgehängte Element sprang beim Anprall aus der Halterung, somit muss der heftig gewesen sein. Wäre das direkt die Betondecke gewesen hätte der Junge jetzt wesentlich üblere Verletzungen. Eigenverantwortung und Aufsichtspflicht der Eltern sind aber nicht wegzudiskutieren. Die Decke war ja sichtbar, die Sprünge muss man eben anpassen. Vorher sprang offenbar keiner so hoch, die Raumhöhe ist wohl nicht zu gering. Als Vergleich: jeder der ins Schwimmbecken springt muss die Wassertiefe beachten.