Sexuelle Übergriffe

18. Mai 2017 17:45; Akt: 18.05.2017 17:45 Print

«Opfer sollte sich sofort wehren und schreien»

Am vergangenen Freitag kam es in einem Bus in St. Gallen zu einem sexuellen Übergriff. Wichtig ist zu wissen, wie sich Betroffene verhalten sollen.

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Am Freitagabend stieg eine Gruppe angetrunkener junger Menschen am Marktplatz in St. Gallen in einen Bus ein. Ein Mann aus der Gruppe begann dann, ein Mädchen (17) sexuell zu belästigen. Ein männlicher Fahrgast (62) wollte dazwischengehen und kassierte zwei Schläge ins Gesicht. Einige Haltestellen weiter stieg die Gruppe wieder aus. Das Mädchen sei während der Tat wie erstarrt stehen geblieben.

Gegenwehr hat grossen Einfluss

«Wenn es möglich ist, ist es wichtig der belästigenden Person eindeutig zu signalisieren, dass ihr Verhalten nicht toleriert wird», sagt Brigitte Huber, Geschäftsleiterin der Opferhilfe St. Gallen. Wenn es festgehalten wird, soll es allenfalls auch schreien. Dies sei jedoch nicht einfach und nicht immer möglich. «Daher kann es auch wichtig sein, dass die Unterstützung von Drittpersonen gesucht wird», so Huber. Nach der Tat sei es wichtig, sich jemandem anzuvertrauen und Strafanzeige zu erstatten. «Es ist auch wichtig, dass die Gesellschaft solches Verhalten nicht akzeptiert», sagt Huber.

Ausrufen wirkt

Auch für Silvia Vetsch, Geschäftsleiterin des Frauenhauses St. Gallen, ist das wichtigste: «Das Opfer sollte sofort ausrufen, so dass auch das Umfeld bemerkt, was los ist.» Beim Fall im Guggeien-Bus sei es eher Zufall gewesen, dass der 62-jährige Mann aufmerksam wurde. «Das heisst auf keinen Fall, dass sich das Opfer falsch verhalten hätte. In den meisten Fällen erstarren die Opfer und können aus Schock nicht mehr reagieren», so Vetsch.

Vetsch unterrichtet Wen-Do, eine Selbstverteidigungssportart, die ihren Ursprung in den 60er-Jahren in Kanada hat und den Kampfsportarten Karate oder Judo ähnelt. «In unseren Kursen besprechen wir oft, dass man durch das Ausrufen enorm an Boden gewinnt», sagt Vetsch.

Studie zeigt: Wehren wirkt

Tatsächlich hat es eine enorme Wirkung, wenn sich das Opfer zur Wehr setzt. Das zeigen auch Zahlen: Die Polizeidirektion Hannover führte diesbezüiglich in den 90er-Jahren eine Studie durch.

Untersucht wurden 522 Fälle von sexuellen Übergriffen. Bei Frauen, die keine Gegenwehr leisteten, kam es in rund drei Viertel der Fälle zu einem Übergriff. Bei leichter Gegenwehr kam es nur noch bei jedem dritten Fall zur Durchführung der Tat. Leistete das Opfer massive Gegenwehr, kam es gerade noch bei 15 Prozent zu einem Übergriff. In 17 von 20 Fällen hat sich die Gegenwehr für die Angegriffenen also positiv ausgewirkt.

Tat auf Überwachungskamera gefilmt

Die Chancen, den Grapscher vom 4er-Bus Richtung Guggeien zu fassen, stehen gut. Im Bus gibt es eine Überwachungskamera, die den Vorfall filmte. Anhand der Fotos konnte sich die Kantonspolizei nun ein konkretes Bild vom Täter machen. Die Ermittlungen seien allerdings noch nicht beendet, sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kapo St. Gallen.

Der 62-jährige Mann hat mittlerweile Anzeige eingereicht. «Er hat Zivilcourage bewiesen und seine Sache gut gemacht», so Rezzoli, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Auch der Buschauffeur habe richtig und toll gehandelt.

Dass ein Täter in der Öffentlichkeit vor zahlreichen Leuten zuschlage, sei keine Seltenheit. Auch in Zügen komme es zu Übergriffen. «Generell wirken Leute unter Alkoholeinfluss enthemmter», so Rezzoli. Daher würden sie auch oft nicht vor vielen Leuten zurückschrecken. Laut der Kriminalstatistik der Kantonspolizei St. Gallen gab es im vergangenen Jahr insgesamt 56 sexuelle Übergriffe.

(air)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jamaika Jamal am 18.05.2017 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zivilcourage

    Die Tipps sind ja gut und Recht. Aber die Mitmenschen müssen auch helfen. Sonst bringt alles schreien nix.

  • Fi tsche am 18.05.2017 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arm selig

    einfach nur armselig und krank, so ein verhalten. ich hoffe, die polizei findet den täter. sowas geht nämlich gar nicht!! erst recht nicht in meiner stadt!

  • Splishsplash am 18.05.2017 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idiotische Besserwisserei

    Das beschriebene "Erstarren" ist typisch in solchen Situationen, das weiss man schon lange. Und doch kommt immer wieder der Ratschlag oder gar Vorwurf, man hätte schreien sollen. Somit wird wieder dem Opfer die Schuld gegeben. Übrigens - war schon mehrfach in so Situationen und habe (weil ich eben nicht mehr erstarre) lauthals mein Missfallen kundgetan. Hilfe habe ich noch nie erhalten, die Leute entfernen sich, schauen einen vorwurfsvoll an oder finden, man soll nicht so einen Aufstand machen. Zivilcourage? Fehlanzeige?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gesehen am 18.05.2017 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    Statt das solche Täter von der Justiz hart genug angefasst werden, dass es sie abschreckt, statt dessen sollen tatsächlich Frauen anhand von Zeitungsberichten lernen, wie sie sich im öffentlichen Raum inmitten von anderen Leuten verhalten sollen.

  • Mark am 18.05.2017 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    realistische Grundausbildung

    Wenn man so boxt wie die Frau auf dem 1. Bild, bricht man sich die Hand. Besser bei kompetentem und seriösem Trainer lernen, als irgendwelche Schnellbleiche-Kurse, welche die Verteidigungsfähigkeit nicht realistisch erhöhen und eine falsche Sicherheit vorspiegeln.

  • Karin B. am 18.05.2017 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Videoüberwachung

    Zum Glück sind diverse Busse Videoüberwacht! Ich hoffe auch im diesem Fall...

  • Marko0912 am 18.05.2017 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oh würklich

    ah nein auf das würde ich niii kommen schreien wen man angegriffen wird dafür haben sicher Studien stattgefunden und 10 Jahre Forschung was würden wir blos ohne euch tun ;)

  • shotokan-karate-senpai am 18.05.2017 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverteidigungskurse nehmen zu

    In unserem Karate-Verein verspüren wir seit der Silvesternacht in DE einen starken Zuwachs von Frauen. Wir haben seither separate SV-Kurse arrangiert und haben auch hier sehr viele junge Frauen. Traurig, dass man sich nachts nicht sicher fühlen kann...