Kristallhöhlen-Mord

05. Dezember 2017 05:52; Akt: 05.12.2017 05:52 Print

«Skrupelloser Täter lacht sich ins Fäustchen»

1982 wurden bei der Kristallhöhle bei Oberriet SG zwei Mädchen ermordet. Der Fall ist bis heute ungeklärt. Wie schafft es ein Täter, so lange zu schweigen? Ein Psychiater gibt Antworten.

Aktzenzeichen XY hat am 8.7.1983 über den Fall berichtet.
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Dass ein Täter so lange schweigen kann, hat für den Forensischen Psychiater Thomas Knecht mit den sogenannten Gewissensfunktionen zu tun, die nicht bei jedem Menschen gleich stark ausgeprägt sind. «Wenn man an eine Tat denkt oder auch noch während der Tat, entwickeln sich Gefühle, die einen davon abbringen oder zum Aufhören bewegen», so Knecht. Nach einer Tat setze ein Gefühl ein, das verhindert, dass man es wieder tut. «Wer diese Gefühle vor einer Tat nicht hat, hat sie auch danach nicht und hat so auch keine Mühe, später darüber zu schweigen», so Knecht.

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Wurden die Opfer nach einem Unfall beseitigt?

Selbst wenn etwa ein Täter kurz nach einer Tötung Mühe habe, etwa wenn die Tat nicht geplant war, sondern im Affekt geschah, verblassen diese Gefühle und Erinnerungen mit der Zeit. «Kriminelle sind grundsätzlich nicht geständnisfreudig und der Antrieb für ein Geständnis wird mit der Zeit immer schwächer», so Knecht. Irgendwann gewöhne man sich daran, die Tat wird zum Teil der eigenen Lebensgeschichte. Dass etwa Familienmitglieder oder andere Mitwisser auch so lange schweigen, ist laut Knecht eher ungewöhnlich. «Es sei denn, diese tragen etwa eine Mitschuld oder sind dem Täter verpflichtet oder in irgendeiner Form ausgeliefert.» Könnte das Schützen der eigenen Familienehre oder eine sehr starke Familienloyalität ein Grund sein, um so lange zu schweigen? Das ist laut dem Fachmann denkbar.

Sich zur Tat bekennen ist schwierig

Dass sich der Täter heute noch schwer tut mit seiner Tat, egal ob skrupellos oder Unfall, glaubt Knecht indes nicht. «Sich zu outen und zur Tat zu stehen, das erfordert Selbstüberwindung, das ist eine Leistung.» So übernehme man Verantwortung, nicht aber indem man schweigt. Und die Tatsache, dass sich jemand nicht stellt, zeugt für Knecht von einer Skrupellosigkeit. «Auch Reue empfindet der Täter wohl nicht. Er ist mit sich im Reinen. Er tut ja nichts, um sein Fehlverhalten zu korrigieren. Er reagiert nicht, sondern schweigt nur.»

20 Minuten berichtete in der Vergangenheit regelmässig über den Kristallhöhlenmord. Dies kann laut Knecht dafür sorgen, dass der Täter Angst hat, doch noch erwischt zu werden. Es führe aber aus Sicht des Experten eher nicht dazu, dass er schmerzlich daran denke und es ihm leid tue. «Möglich wäre auch, dass er die Berichte mit einem gewissen Gefühl von Triumph liest, dass er Behörden und Polizei so lange hinters Licht führen konnte, und sich heimlich ins Fäustchen lacht.» Dass der Täter sich irgendwann noch offenbart, etwa auf dem Sterbebett, bezweifelt Knecht. «Der Täter ist derart skrupellos, dass er das wohl mit ins Grab nimmt.» Obwohl es wohl auch heute noch eine Art Erleichterung für den Täter wäre.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau am 05.12.2017 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volksinitiative

    Es sollte eine Volksinitiative geben. Wenn ich Ahnung davon hätte, wie msn sowas lanciert, würde ich es machen. Mord darf doch nicht verjähren! Manchmal sind wir Schweizer schon rückständig!

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  • Robert Rechsteiner am 05.12.2017 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zwingend noch am Leben

    Es kann auch sein, dass der Täter inzwischen verstorben ist.

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  • Re/Su am 05.12.2017 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das kann ich alles nachvollziehen,

    aber was ist, wenn der Täter mittlerweile bereits gestorben ist? Vielleicht ist er auch ausgewandert und kriegt nichts von diesen Artikeln mit. Eventuell hat er sich auch clevererweise niemanden anvertraut. Sie sehen, es gibt noch viele andere Möglichkeiten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sabine brünisholz am 05.12.2017 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    unglaublich, ich finde Mord sollte nicht verjähren. und vorallem sollten die Beweise aufbewahrt werden und nicht vernichtet.

  • namib am 05.12.2017 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Täter

    Der Täter ist in der Zwischenzeit sicher auch verstorben

  • samuel am 05.12.2017 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu lang her

    Ich glaube mehr das der Täter schon längst verstorben bzw. weit weg von der Schweiz ist.

  • giorgio1954 am 05.12.2017 14:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefängnis

    Der Grund ist viel einfacher. Angst vor dem Gefängnis.

  • Rheintaler am 05.12.2017 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Indizien

    Wenn der Stützstrumpf wirklich vom Täter stammt ist die Chance recht hoch das dieser nicht mehr lebt. Stützstrümpfe werden bei u.a bei Krampfadern eingesetzt. So stark ausgebildet das ein Stützstrumpf von nöten ist denke ich das die Person mindestens über 50 Jahre alt war und wahrscheinlich Heute über 80 Jahre alt sein müsste. Der Strumpf wurde mehrere male geflickt und war so alt, dass er schon gar nicht mehr produziert wurde, was darauf schliessen lässt, das die Person entweder mühe hat sich von Sachen zu trennen oder finanziell sehr schwach aufgestellt war.