St. Gallen

06. Februar 2018 05:46; Akt: 06.02.2018 05:46 Print

«Betrunkenen mussten wir schon Windeln anlegen»

Mit der Fasnacht beginnen auch die vermehrten Alkoholexzesse. Ein Arzt erzählt, was er in der Notaufnahme des Kantonsspitals St. Gallen erlebt.

Die Erfahrungen von Dr. Dieter von Ow, stv. Chefarzt der zentralen Notaufnahme am Kantonsspital SG. (Video: viv/tso)
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Fasnacht ausser Rand und Band: Der übermässige Alkoholkonsum an Fasnachtsfeiern führte in Eschenbach SG jüngst zu Schlägereien und Randale, wie die St. Galler Kantonspolizei in einer Mitteilung schrieb. Das Kantonsspital St. Gallen behandelt jährlich rund 260 Alkoholvergiftungen, die Fälle häufen sich besonders zu Festzeiten und am Wochenende. Gemäss Dieter von Ow, stellvertretender Chefarzt der zentralen Notfallaufnahme, dürfte die Zahl noch höher sein: «Wenn jemand zudem noch Verletzungen aufweist, was oft der Fall ist, wird er in der Notfallaufnahme unter Umständen mit einer anderen Diagnose erfasst.»

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Besonders stark vertreten ist die Gruppe der 21- bis 30-Jährigen, sagt von Ow. «Allzu oft sind die Patienten auch Jugendliche.» Jeder Patient wird grundsätzlich erst auf Verletzungen untersucht und mit Flüssigkeit versorgt. Jugendliche sorgen öfters für zusätzlichen Aufwand: «Gerade bei Jugendlichen kommt oft ein ganze Clique mit, die dann ein Rambazamba in der Notfallaufnahme veranstaltet.» Da die Mitglieder dieser Cliquen oft selbst schon betrunken seien, komme es regelmässig zu Aggressionen, Beleidigungen und offener Randale. «In manchen Fällen muss die Polizei für Ordnung sorgen.» Seit an Wochenenden und zu Festzeiten ein Securitas mit Hund anwesend sei, habe sich die Situation etwas beruhigt. «Nur wenn die Patienten dann allein mit Ärzten und Pflegern sind, scheren sie gern wieder aus, sofern dazu überhaupt in der Lage sind.»

Kontrolle über Körperfunktionen total verloren

Die Bandbreite des Verhaltens reiche von sturzbetrunken aber ansprechbar bis zur Bewusstlosigkeit. Doch ab wann kann man von einer Alkoholvergiftung sprechen? «Streng genommen schon dann, wenn man dem Patienten den Alkoholkonsum von aussen anmerkt», erklärt von Ow. «Die meisten Menschen dürften also schon eine Alkoholvergiftung erlebt haben.» Gefährlich werde es, wenn der Patient nicht mehr alleine gehen könne: «Dann sollte Hilfestellung geleistet werden, weil die Verletzungsgefahr gross ist.» Todesfälle infolge Verletzungen im Rausch kämen immer wieder vor. Dass die Alkoholmenge allein tödlich sei, sei eher selten.

«Betrunkenen mussten wir schon Windeln anlegen»

Dass Patienten der Magen ausgepumpt wird, ist heute kein Thema mehr: «Heute weiss man, dass der Verlauf der Vergiftung dadurch nicht gross beeinflusst wird.» Die damit verbundenen Risiken seien grösser als der Nutzen. «Windeln hingegen kamen in Einzelfällen schon zum Einsatz», so von Ow. Diese würden dann benötigt, wenn Patienten die Kontrolle über ihre Körperfunktionen verloren haben. «Der Patient wird dann überwacht, bis wir sagen können, dass sich sein Zustand nicht verschlimmert.» Infusionen hälfen, den Alkohol schneller auszuscheiden und den Körper zu hydrieren.

Jugendlichen rät der Arzt, sich eine Clique zu suchen, die auch Nicht-Trinker akzeptiert. Oder zumindest eine, die Trinken nicht als eine Art Sport ansehe. Er habe Jugendliche kennengelernt, die fast jedes Wochenende schwer betrunken sind. «Da werden Präventionsmassnahmen schwierig, denn eigentlich müssten sie beginnen, bevor es so weit ist.»

(tso)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BMW-Sepp am 06.02.2018 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir egal...

    ... ob die sich total besaufen, ich möchte aber, dass die ihre Spitalrechnung selbst bezahlen. Nicht auf Kosten der Allgemeinheit!

    einklappen einklappen
  • Yara am 06.02.2018 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Krankenkasse

    Ein herzliches Dankeschön an alle Notfallmitarbeiter, dies ist ein harter Job. An alle Fastnächtler: trinkt nur die Hälfte; Ihr könnt es besser geniessen. Bezahlen sollte es jeder selber müssen!

  • SonjaA am 06.02.2018 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Fasnacht euch allen!

    Besten Dank allen Mitarbeitern in den Notaufnahmen und wünsche allen ernsthaft Erkrankten eine kurze Wartezeit! Wertvolle Minuten könnten verstreichen, weil betrunkene Gäste die Arbeit des Personals in Anspruch nehmen! Schöni Fasnacht euch aune!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 06.02.2018 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erziehung

    Was wäre denn, wenn es in nur einer Saison keinerlei Hilfe geben würde? Das Saufen hat man ja auch alleine geschafft. Einfach wegsehen und um die Herzinfarkte kümmern.

  • Jenn am 06.02.2018 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Windeln?

    Naja... bei Erwachsenen nennt man es Einlagen und nicht Windeln. Windeln tragen nur Kleinkinder und Babys.

  • Saint City am 06.02.2018 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    nur mal so,

    ich behaupte jetzt einmal das sich die Sauferei in St. Gallen für das Spital lohnt, Fasnacht, OFFA, St. Gallerfest, Fussballspiele und selbstverständlich die OLMA die von der Politik als wichtiger Wirtschaftsfaktor gepriessen und beworben werden, ausserdem es sind keineswegs nur jugendliche die zuviel trinken und sich daneben benehmen und der Allgemeinheit kosten aufhalsen.

  • Sir Johny Scotch of Lucerne am 06.02.2018 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Vorbereitung

    ...ist alles ;-). Ich und meine Freunde ziehen uns jedes Jahr zu Beginn der Fasnacht eine Windel an, am Aschermittwoch ziehen wir sie wieder aus. Wir haben also jederzeit alles im Griff, und dass es mal etwas mieft, gehört dazu ;-))

  • Simi am 06.02.2018 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol = Volksdroge Nr. 1

    Wenn es an der Fasnacht keinen Alkohol gäbe, wären wohl nur wenige an diesem Anlass, da bin ich mir sicher :)