Frau von Kuh getötet

04. August 2015 05:44; Akt: 04.08.2015 05:44 Print

Wanderer fordern mehr Sicherheit auf Alpen

Nachdem eine Frau von Kühen angegriffen und getötet worden ist, fordern Wanderer Massnahmen: Mutterkühe sollen ausgezäunt werden. Bauern widersprechen.

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Kühe auf Alpweiden können für Wanderer gefährlich werden. (Bild: Keystone)

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«Wir fordern, dass Weiden, wo Mutterkühe gehalten werden, womöglich ausgezäunt werden», sagt Walter Grass gegenüber dem Regionaljournal von SRF. Grass ist Präsident des Vereins Bündner Wanderwege (BWA) und selber Bauer. Mit seiner Forderung nach mehr Sicherheit reagiert er auf die Attacke von mehreren Mutterkühe auf eine 77-jährige Wanderin vom Freitag.

Die Deutsche war beim Überqueren einer Alpweide zwischen den Mutterkühen hindurchgegangen, worauf die Tiere angriffen. Die Frau erlag noch auf der Weide ihren schweren Verletzungen.

Wanderwege verlegen

Grass' Forderung kommt bei Wanderern gut an.«Wir unterstützen die Forderung der Bündner Kollegen», sagt Bernhard Schmidt von den Berner Wanderwegen. Das Problem habe sich in den letzten Jahren verstärkt. Grund: Die Mutterkuhhaltung habe zugenommen und die Kühe seien nicht mehr an Menschen gewöhnt.

Und auch Viktor Styger, Geschäftsführer des Vereins St.Galler Wanderwege, würde Massnahmen zur Steigerung der Sicherheit auf den Alpen begrüssen. Allerdings seien Auszäunungen, wie sie Grass vorschlägt, nicht immer so einfach realisierbar. «Schliesslich müssen die Tiere mit Wasser versorgt werden und das ist auf den Alpen nicht überall möglich», so Styger. Manchmal sei es einfacher, einen Wanderweg temporär zu verlegen. Styger: «Dazu bieten wir gerne Hand.»

Styger ortet zudem einen beträchtlichen Informationsbedarf, sowohl bei den Wanderern als auch bei den Bauern. Die Wanderer müssten sich mit den elementarsten Sichherheitsregeln auf Alpen vertraut machen und die Bauern müssten zur Kenntnis nehmen, «dass die Menschen in der Schweiz immer städtischer werden und nicht mehr jeder einen Onkel mit einem Bauernhof hat».

«Völlig überrissen»

Dem pflichtet Daniel Flückiger, Sprecher des Vereins Mutterkuh Schweiz, bei. Er verweist auf die Warnschilder, die die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) den Bauern für ihre Weiden anbietet: «Mutterkühe schützen ihre Kälber – halten Sie Distanz», heisst es darauf. Weitere Regeln lauten: Hunde an die Leine nehmen, Herden nicht durchqueren.

«Das Auszäunen aller Mutterkuh-Herden in der Nähe der Wanderwege ist eine völlig überrissene Massnahme», sagt Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen und Bauernverbandes (LBV). Auszäunungen seien nicht nur teuer, sie würden auch die Wiesenparzellen und somit den Lebensraum der Tiere verkleinern, so Heller. Zudem das Bewirtschaften, etwa beispielsweise das Tränken der Landflächen, schwieriger. Das vorhandene Infomaterial für Wanderer reiche aus, findet Heller.

So muss man sich gegenüber Mutterkühen verhalten:

(eli)