Kanton St. Gallen

13. August 2015 21:44; Akt: 13.08.2015 21:44 Print

Geschäftsstreit wird über die Kesb ausgetragen

Eine Baufirma streitet mit Gipser Ansgar Vontobel um Geld. Der Konflikt wird mit ungewöhnlichen Mitteln ausgetragen: Die Firma habe ihn bei der Kesb angeschwärzt, sagt Vontobel.

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Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kebs) Linth. (Bild: Kesb.sg.ch)

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Ansgar Vontobel (35) aus Benken SG, Betreiber eines Gipsergeschäfts mit 85 Mitarbeitern, wurde kürzlich von der Kesb vorgeladen. Grund dafür: Eine Gefährdungsmeldung, die die Anwälte der Generalunternehmung HRS eingereicht hatten. Über Vontobel hatte der Baukonzern gar ein psychiatrisches Kurzgutachten erstellen lassen, das er der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) zukommen liess, wie die «Obersee Nachrichten» berichten. Es attestiert dem Gipser eine «dissoziale und infantile Störung» und eine «Suchtproblematik».

Das Gutachten sei entstanden, ohne dass der Psychiater je mit ihm Kontakt gehabt habe, sagt Vontobel zu 20 Minuten. «Die Meldung an die Kesb machte HRS nur aus taktischen Gründen, weil sie aus dem Vertrag herauskommen will.» Die Grossfirma hatte Vontobels Unternehmen mit Gipserarbeiten in einem Luxushotel beauftragt – für 1,3 Millionen Franken, was vertraglich festgehalten wurde. 300'000 Franken fordert HRS nun von Vontobel zurück.

Kesb: «Wir müssen jede Meldung ernst nehmen»

Vontobel ist empört darüber, dass die Kesb Linth sich von der HRS habe einspannen lassen. «Das ist eine Frechheit – ich kann nicht glauben, dass die Kesb eine solche Meldung ernst nimmt.» Walter Grob, Präsident der Kesb Linth, sagt dazu auf Anfrage: «Wir sind verpflichtet, sämtliche Gefährdungsmeldungen ernst zu nehmen, sogar anonym eingereichte. Wenn der geschilderte Sachverhalt nicht offensichtlich unglaubhaft ist, laden wir den Betroffenen zu einem Gespräch ein.»

Erst nach einem solchen Gespräch entscheide man über das weitere Vorgehen, sagt Grob: «Sollte sich zeigen, dass es einzig um eine geschäftliche Auseinandersetzung handelt, die mit den dafür vorgesehenen Mitteln ausgetragen wird, werden wir das Verfahren einstellen.» Wenn von Vontobel aber aufgrund einer psychischen Störung eine Selbst- oder Fremdgefährdung ausgehe, müsse die Kesb geeignete Massnahmen ergreifen. Bei HRS wollte man zum Fall auf Anfrage keine Stellung nehmen, da es sich um ein «laufendes Verfahren» handle.

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pierre Kramer am 13.08.2015 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Aber hallo?

    Das grosse Problem ist, dass man in der Schweiz Leute ohne Beweise anklagen kann. Egal ob bei der KESB oder Polizei, Richter glauben dem Anklager ausser der Angeklagte kann seine Unschuld beweisen (z.T. sehr schwierig). Die meisten Anklagen können anonym gemacht werden und für Falschaussagen riskiert man fast nichts.

  • etwas am 13.08.2015 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    KESB muss weg...

    brandgefärliche Entwicklung... für etwas gibt es ein funktionierendes Rechssystem! 1 Person die nicht mal gewählt ist soll sich über alles hinwegsetzen können. Ohne mich, kein Wunder wehren sich die Opfer mit illegalen mittel! Das muss nicht sein. Nicht besser als damals die Verdingkinder!!!

  • Claude am 13.08.2015 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösungsansatz

    Ganz einfache Lösung: Wenn jemand eine Anzeige bei der Kesb macht, kann dies nicht Anonym geschehen. Anzeigen die zu Unrecht erstellt wurden werden mit Bussen oder Haft bestraft. Somit ist dem Missbrauch dieses Mittel verhindert. Denn die Kesb soll ihre Arbeit machen. Aber damit nicht Beamtenwillkür herscht muss die Kesb jeden Fall einer Unabhängigen Instanz zur Prüfung vorgelegt werden. Somit könnte die Praxis, Geschäfte oder Geldverschwendung auf Kosten des Bürgers verhindert werden. Gleichzeitig müsste sich die Kesb auch jederzeit der Haftung stellen. Missbrauch der Macht = Gefängnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Elodie am 13.08.2015 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es geht um die HRS

    ich möchte die kesb nicht in schutz nehmen, aber in diesem fall finde ich die HRS total daneben. was sind denn das für komische leute, die auf solche ideen kommen?!?

  • Mammut am 13.08.2015 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    e voilà

    Ein Perfektes Beispiel, wie man aus null ein Problem mit der KESB kriegen kann. Und jetzt stellen sie vor, hat er jetzt Kinder, wird ihn jetzt die KESB nicht so leicht loslassen

  • Adrian Burkhardt am 13.08.2015 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Delegieren

    es gibt Dinge die laufen in der Schweiz gewaltig falsch. Nicht nur auf Behördenseite, auch immer öfters sind Private mit fehlendem Menschenverstand unterwegs.

  • Mike am 13.08.2015 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Mike

    Sowohl Vontobel, wie auch die KESB sollten Strafanzeige gegen die HRS einreichen. Die Richter sollten derart hohe Strafen sprechen, dass keine Firma, auch nur ansatzweise, wieder mal auf so eine Idee kommt. Und an die KESB einfach ein weiteres mal ein GROOOSSES Pfui

  • Alegna knaus am 13.08.2015 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na toll

    Danke liebe Streitenden, für die wichtige Fälle fehlt der KESB dann die Zeit und anschliessend wird wieder auf ihr rumgehackt. Das ist doch Ausnutzerei!