Bevölkerungsstatistik

09. Januar 2017 17:40; Akt: 09.01.2017 17:47 Print

Deutsche zeigen St. Gallen die kalte Schulter

In der Stadt St. Gallen lebten Ende 2016 genau 79'331 Einwohner – 79 weniger als im Vorjahr. Der Grund: Verminderte Zuwanderung.

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Seit 2005 verzeichnet die Stadt erstmals einen Bevölkerungsrückgang – obwohl in der Schweiz die Population wächst. Sogar die Zahl der Geburten der ständigen Wohnbevölkerung ist um fast zwei Prozent zurückgegangen, trotz der Tatsache, dass bei den Geburten in vielen Teilen der Schweiz neue Rekorde gemeldet werden.

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Wichtigster Grund für den Rückgang der Stadtbevölkerung ist die verminderte Zuwanderung von Ausländerinnen und Ausländern. Insbesondere bei der zahlenmässig grössten Ausländergruppe – den Deutschen – wird ein Bevölkerungsrückgang verzeichnet. So wohnten 2016 insgesamt 122 Deutsche weniger in St. Gallen als im Jahr davor.

«Ob diese zurück nach Deutschland oder in eine andere Stadt in der Schweiz oder einfach ins Grüne nach Mörschwil gezogen sind, bedürfte einer gesonderten Analyse», sagt Esther Gerber, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Fachstelle für Statistik beim Kanton St.Gallen.

Fehlender urbaner Wohnraum

Doch weshalb verliert St.Gallen Einwohner? Ist die Stadt zu wenig attraktiv? Isabel Schorer, Leiterin Standortförderung, verneint: «St. Gallen ist eine attraktive Stadt mit vielen Arbeitsplätzen», sagt sie. «Was hier noch fehlt, ist mehr urbaner und pulsierender Wohnraum.» In St.Gallen könnte man etwa noch mehr in die Höhe bauen und stärker verdichten. «Wir hätten gerne mehr moderne Wohnungen im urbanen Umfeld», sagt Schorer. Für Menschen, die gerne im städtischen Umfeld wohnten, fehle teilweise das gewünschte Angebot. Deshalb sei die Stadt regelmässig im Gespräch mit privaten Investoren und achte auch bei der städtischen Bodenpolitik darauf, dieses fehlende Angebot zu kompensieren.

Im Stadtrat ist man sich des fehlenden Angebots bewusst und hat schon eine Lösung in Sicht. «Wir möchten auf den Arealen Bahnhof St. Fiden und Hauptbahnhof Nord Räume für urbanes Wohnen schaffen» sagt Stadtpräsident Thomas Scheitlin (FDP). «Bei zentrumsnahen Wohnungen mit guten Verkehrsanschlüssen für junge Familien und Dopperverdiener haben wir in St. Gallen noch Luft nach oben.» Ansonsten sei St. Gallen eine attraktive Stadt. «Wir haben herausfordende Arbeitsplätze, vielfältige Freizeitmöglichkeiten, bezahlbare Mieten und eine gutes Bildungsangebot», so Scheitlin.

Pendler bleiben in Agglo

«Ein weiterer wichtiger Faktor sind die gestiegenen Angebote bei der Mobilität», führt Schorer aus. Dabei könne das Pendel auf beide Seiten ausschlagen. «Durch die erhöhten Frequenzen im öffentlichen Verkehr und die bessere Anbindung an die Stadt pendeln auch viele Arbeitnehmer nach St. Gallen und wohnen nicht in der Stadt. Die Agglomeration wurde besser erschlossen und angebunden an die Stadt.»

Dass die Stadt Einwohner verliert, obwohl in der Schweiz die Bevölkerung wächst, ist für Schorer keine Tragödie. «Der Rückgang ist im Promillebereich und sorgt deshalb noch nicht für Kopfzerbrechen. Dennoch müssen wir analysieren, weshalb Bewohner abwandern.» Abhängig vom Analyseresultat werde man entsprechende Massnahmen ergreifen.

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Okay am 09.01.2017 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich ok

    Das nenn aber mal eine gute Nachricht. Meine Meinung hat aber nichts mit den Deutschen zu tun! Einfach allgemein. Weniger Menschen = weniger Gedränge, weniger Autos = mehr Platz.

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  • jan_kr_ am 09.01.2017 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut...

    ...muss ja nicht immer nur eine Zuwanderung sein. Sonst ist die Schweiz bald eine grosse Stadt.

  • w.ott am 09.01.2017 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schönes St. Gallen

    Sehr attraktive Stadt mit einem großen Kultur- und Bildungsangebot. Naherholung wie Drei Weihern, Bodensee und Appenzellerland.

Die neusten Leser-Kommentare

  • dj schlauch am 11.01.2017 08:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachtleben ist tot

    wäre schön wenn der stadtrat mal das problem mit lockert.. etwas längere öffnungszeiten in der brühlgasse wäre toll.

  • Fraz am 11.01.2017 05:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung

    Das macht doch nichts. Allerdings sind die Deutschen unser kleinstes Problem. Hoffen wir das andere Volksgruppen dem Beispiel folgen. Nicht nur in St. Gallen.

  • Christian Lippuner am 11.01.2017 04:49 Report Diesen Beitrag melden

    Studenten

    Kann ich nicht bestätigen, wenn ich die Zunahme von jungen Deutschen sehe die hier Wirtschaft usw. studieren mit Wohnsitz Stadt St.Gallen.

  • Santjörgler am 10.01.2017 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sanggallä gfallt allä.....

    oder zumindest denen, welche die geographisch ungemein vorteilhafte Lage von SG zu schätzen gelernt haben. Eingebettet im Hochtal der Steinach liegt die "Stadt im grünen Ring" zwischen den lieblichen Hügeln des Appenzellerlandes im Schutz des immer wieder aufs Neue grandiosen Alpsteinmassivs und den fruchtbaren Wiesen des Thurgaus und den einladend plätschernden Gestaden des Bodensees. Kultur in allen Facetten, Bildungsangebote jeglicher Art und spannende Arbeitsplätze auch in international bekannten Unternehmungen machen den Standort SG zusätzlich lebenswert. Andere würden Kurtaxe erheben...

    • Ein Leser am 10.01.2017 22:22 Report Diesen Beitrag melden

      Kommt drauf an was man will

      Santjörgler Das ist so, nur man muss etwas wissen wenn man in einem internationalen Unternehmen in St.Gallen arbeitet hat man spannende Herausforderungen muss aber auf einen fairen Lohn verzichten. Kommt jetzt immer drauf an was will man gut verdienen und weiterbilden oder wenig verdienen dafür aber spannende Herausforderungen meistern. Für mich persönlich war der gut verdienen und weiterbilden der richtige Weg darum bin ich weggezogen.

    • Santjörgler am 10.01.2017 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ein Leser

      ..... und ich habe die internationale Unternehmung in SG aufgebaut, war auch mit meinem Lohn zufrieden und durfte daher einerseits beruflich viel von der Welt sehen und bin andererseits immer wieder gerne zurückgekommen. Ich weiss dieses Privileg zu schätzen und pendle auch heute glücklich zwischen "meiner" Stadt und "meinem" Inselexil, wo ich auch in 15 Minuten am Meer bin und in 15 Minuten in Alpsteinhöhen......

    • Markus am 12.01.2017 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      Offensichtlich spiegelt sich Ihre Sicht von St. Gallen nicht in den Migrationszahlen wider.

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  • Silvano am 10.01.2017 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Provinzkaff

    Um 01.00 Uhr macht alles zu ausser den Clubs. Und die sind verglichen mit denen in Zürich oder enet der Grenze ein Witz. Für den Ausgang ist St. Gallen ziemlich ungeeignet.

    • Alumdria841 am 11.01.2017 00:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Silvano

      In den Ausgang gehen die meisten auch nach Zürich. Mit dem ICN ist man in einer Stunde dort.

    • Markus Eggenberger am 11.01.2017 04:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Silvano

      Irgendwann ist auch der Zeitpunkt erreicht, wo man nicht mehr das Bedürfnis nach Party, Jubel, Trubel und Heiterkeit verspürt. Sich Zeit nimmt, für die Familie und sicht aber dann auch freut, wenn wieder OLMA ist.

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