Steinach SG

21. März 2017 18:01; Akt: 29.03.2017 09:45 Print

Mann lässt illegal Bäume der Gemeinde fällen

Ein Mann aus Steinach SG hat sich an drei Bäumen der Gemeinde gestört. Kurzerhand liess er sie fällen – zum Ärger der Behörden und der Nachbarn.

Ein Anwohner engagierte eine Firma, um Bäume zu fällen. Video: 20 Minuten / GTS
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«Seit drei Jahren suche ich das Gespräch mit der Gemeinde», erzählt der Bewohner des Quartiers Böllentretter in Steinach SG. Drei grosse Bäume auf Gemeindeboden hätten die gesetzlichen Maximalhöhe massiv überschritten. Dies habe zur Folge gehabt, dass er ständig Schatten auf seinem Sitzplatz gehabt habe. Zudem habe sich im Herbst auch niemand für das Laub verantwortlich gefühlt. «Schliesslich blieb die Arbeit immer an mir hängen», so der Mann.

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Mann aus Steinach SG fällt Bäume ohne Bewilligung

Sein Anliegen sei seit Jahren das gleiche: «Die Bäume sollten ein wenig gestutzt werden.» Bei der Gemeinde aber sei er andauernd auf taube Ohren gestossen – man habe ihn immer wieder vertröstet. Anfang März habe er sich dann eine Woche lang täglich bei der Gemeinde gemeldet. Aber: «Man hat mich einfach ignoriert.» Als er letzte Woche erneut erfolglos versucht habe, einen Zuständigen zu erreichen, sei die Gemeindeverwaltung weiterhin stumm geblieben. Am Telefon habe er der Sekretärin des Gemeindepräsidenten Roland Brändli dann eine Nachricht für ihren Chef hinterlassen: «Wenn ihr nichts unternehmt, werde ich die Bäume selbst fällen.»

Als auch darauf keine Reaktion gekommen sei, habe er seine Vorankündigung am letzten Samstag wahr gemacht: Er engagierte am Samstag eine Firma, um die Bäume zu fällen, die ihn jahrelang im Schatten sitzen liessen. Und das, ohne dass die Gemeinde davon wusste – oder eine Bewilligung dafür erteilte.

Bereits zu spät

Als er von der «Baumfäller-Aktion» gehört habe, sei er sofort ins Quartier gefahren, sagt Roland Brändli im Interview mit TVO.

Und tatsächlich: Die Arbeiter hatten bereits angefangen, die Bäume zu zersägen. Als Brändli gefragt habe, wer dies in Auftrag gegeben habe, hätten diese bloss geantwortet: «Die Gemeinde». Und sie hätten sich auch nicht beeindrucken lassen, als Brändli erwidert habe, dass das nicht sein könne, weil er selbst von der Gemeinde sei. Stattdessen hätten ihn die Arbeiter an den Auftraggeber verwiesen und weitergesägt – obwohl er mit der Polizei gedroht habe.

Es sei richtig, dass sich der Mann schon öfters über die Bäume beschwert habe, sagt Gemeindepräsident Roland Brändli auf Anfrage von 20 Minuten. «Dass sich dahinter aber soviel Emotionen verbergen, war mir wirklich nicht bewusst.» Trotzdem könne die Gemeinde nicht einfach Bäume fällen, bloss weil sie jemandem nicht passten. Bei den übrigen Anwohnern seien die Bäume zudem äusserst beliebt gewesen.

Welche Konsequenzen den Mann erwarten, will der Gemeinderat bis spätestens Montag entscheiden, sagt der Gemeindepräsident weiter. Wahrscheinlich müsse er mit einer Anzeige rechnen. Und: «Ich denke, wir werden wieder neue Bäume pflanzen», so Brändli.

(nab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 21.03.2017 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Recht so

    Schade um die Bäume aber zum Teil kann ich den Mann verstehen. Wenn die Gemeinde etwas will muss es sofort sein, ansonsten gibt es Konsequenzen aber wenn der Bürger etwas will, dann ist es der Gemeinde egal. Gilt auch für das Militär. Herr Brändli hat seinen Job nicht gemacht, denn er ist für die Bürger da und hatte 3 Jahre Zeit. Eine Antwort auch wenn negative hätte evtl. die Situation beruhigt.

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  • Paesi am 21.03.2017 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Was solls

    Vielleicht hat der Auftraggeber auch nicht gewusst, dass so viel Emotionen von Brändle kommen. So spielt das Leben wenn man nicht für die Bürger da ist.

  • A.W. am 21.03.2017 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Tja das ist halt schon so, dass man auf der Gemeinde nicht ernst genommen oder ignoriert wird. Und wenn man jemanden so konsequent ignoriert muss man sich nicht wundern wenn er dann Eigeninitiative entwickelt. Das wird wohl je länger je häufiger vorkommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto am 28.03.2017 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wie weiter ?

    Und wie geht es jetzt weiter ? Wird die Gemeinde verurteilt - oder der Baumfäller ?

  • Reto Kieser am 23.03.2017 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange dauerte der Schattenwurf ?

    Was im Bericht fehlt: Wie lange dauerte der Schattenwurf im Durchschnitt ? So wie es eine Vorschrift bezgl Heckenhöhe an der Strasse gibt - genauso braucht es eine Vorschrift bezüglich Dauer des Schattenwurfs auf Nachbargrundstücke.

  • L.E am 23.03.2017 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Anzeige machen

    Das gibt eine Busse, und ev. Ersatzbäume. Es gibt auch solche Nachbarn die nehmen ein Verfahren gerne in Kauf. Wenn die Bäume weg sind sind sie weg und sein Probl. hat er gelöst. Leider ist das so. Würde Anzeige machen.

  • Captain Hindsight am 23.03.2017 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bäume auf Täterkosten ersetzen

    Ich freue mich auf den Artikel mit den Konsequenzen. Juristisch gesehen gibt es da viel, was belastet werden kann. Denke, es wird einige 10'000.- CHF kosten, diese Bäume durch gleich grosse ersetzen zu lassen. Unsere Rechtswege sind gegeben. Kann der Täter nicht lesen und schreiben, dass er sich der Selbstjustiz bediente?

  • Alter Beamter am 23.03.2017 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt bei den Fakten

    Es war sicher falsch von der Gemeinde das Gespräch mit dem Mann zu verweigern. Ebenso ist es falsch Selbstjustiz zu üben! Und für allen Superschlauen: Kein Gesetz schützt die Aussicht oder vor Schattenwurf eines Baumes oder eines Gebäudes. Eine Maximalhöhe für Bäume existiert weder auf kantonaler noch auf kommunaler Ebene. Diese Erkenntnis kann jedermann nach 5 Minuten suchen im Netz erreichen.