Nach Unfall mit Zug

25. Juli 2017 18:20; Akt: 25.07.2017 18:21 Print

Mit gebrochenem Fuss betrunken Auto gefahren

Ein Mann lief absichtlich gegen einen Zug und wurde dabei schwer verletzt. Trotzdem fuhr er danach noch unter Alkoholeinfluss zu seiner Frau. Dafür wurde er nun verurteilt.

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Das Kreisgericht Wil tagte am Dienstag am Standort Flawil. (Bild: Keystone/Regina Kuehne)

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Ein heute 47-Jähriger stand am Dienstag vor dem Kreisgericht Wil, weil er im Sommer 2015 beim Bahnhof Algetshausen gegen einen fahrenden Zug lief. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, er habe damit willentlich und wissentlich in Kauf genommen, dass der Bahnverkehr gestört werde, Personen im Zug verletzt und dass der Lokführer schwere psychische Störungen davon tragen könnte.

Die Meldung des Lokführers hatte damals einen Grosseinsatz von Feuerwehr, Rettung und Polizei ausgelöst. «Wir haben längere Zeit vergeblich nach der vermeintlich verunfallten Person gesucht», so ein Sprecher der Kantonspolizei.

Keine Erinnerung

Wieso der Mann in die Seite eines fahrenden Zug rannte, konnte vor Gericht nicht abschliessend geklärt werden. Er kann sich nämlich nicht mehr daran erinnern. Er sprach leise und zögernd, schneuzte sich ab und zu die Nase. Was er noch weiss: Rund drei Stunden vor dem Vorfall gab es zu Hause Streit mit der Ehefrau.

Nach dem Streit sei er mit dem Auto durch die Gegend gefahren, um sich zu beruhigen. Irgendwann sei er beim damals bereits geschlossenen Bahnhof Algetshausen gelandet und auf eine Bank gesessen. Dann sei er auf die linke Seite des fahrenden Zuges zugerannt. «Ich habe das nicht geplant, kann es mir nicht erklären», so der Mann vor Gericht. Er habe keine Suizidgedanken gehabt.

Unter Schock gestanden

Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Mann ans Bahnhäuschen geworfen. Schwer verletzt fuhr er danach selbständig zu seiner Frau. «Ich muss unter Schock gestanden sein. Erinnerungen an die Autofahrt habe ich keine.»

Ihm wurde vorgeworfen, er sei alkoholisiert nach Hause gefahren. Eine Blutprobe ergab einen Wert von mindestens 1,1 Promille. Für den Anwalt unhaltbar: «Es ist nicht bewiesen, dass der Alkohol vor der Autofahrt eingenommen wurde.» Es sei genauso gut möglich, dass es sich um einen sogenannten Nachtrunk im Schockzustand gehandelt haben könne.

Kein Nachtrunk

Der Richter kam zu einem anderen Schluss: Er glaubt nicht an einen Nachtrunk. Der Beschuldigte habe einen gebrochenen Fuss und eine Kopfverletzung gehabt, sei hilfsbedürftig gewesen. Da sei es abwegig, dass man bei Ankunft im Haus der Frau zuerst in den Keller geht, um Alkohol zu trinken. Für die Blaufahrt wurde der Mann mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 60 Franken bestraft. Hinzu kommt eine Busse von 500 Franken.

Vom Vorwurf der Störung des Eisenbahnverkehrs wurde er freigesprochen. Sowohl die Anklageschrift wie auch der Untersuchungsbericht seien zu rudimentär verfasst worden.

Trotz des Teilfreispruches ist es für den Betroffenen insofern ein schweres Urteil, da er wohl bis auf weiters nicht Autofahren darf.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(jeb)