Private Military Company

24. Juni 2016 05:52; Akt: 30.08.2017 10:42 Print

Thurgauer sucht Söldner für eigene Privatarmee

Der Thurgauer K. H. hat den Money Rain Club, einen Concierge-Service, gegründet. Nun sucht er Söldner für eine Privatarmee. Experten sind mehr als skeptisch.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Im Auftrag von Unternehmen oder Staaten gehen Sie in Kriegsgebiete und übernehmen Aufgaben. Sie schützen Konvois von wichtigen Personen auf der ganzen Welt. Sie machen Luftraumüberwachung und Bewachung von Kriegsgefangenen», so heisst es unter anderem in einem Inserat, das K. H.* dieser Tage in Schweizer Zeitungsbeilagen geschaltet hat. Gesucht sind männliche Söldner über 25 mit Waffenschein. Als Sold winken 55 Franken pro Stunde.

Es sei quasi Sicherheitsdienst und Armee in einem. Bisher haben sich laut H. schon mehrere Leute auf das Inserat beworben. Ziel sei es, etwa 50 Söldner in der Schweiz und nochmal 50 im Ausland stationiert zu haben. Auch mit dem EDA sei er bereits in Kontakt. «Wir haben H. auf die Gesetzeslage sowie auf die Verpflichtung hingewiesen, derartige Aktivitäten zu melden», so Pierre-Alain Eltschinger vom EDA. Eine Privatarmee im Sinne einer Einheit mit Kampfhandlungen sei per Gesetz verboten. Wenn das EDA von solchen Aktivitäten Kenntnis erhält, muss es der Bundesanwaltschaft Meldung machen.

Laut Militärexperte Albert A. Stahel ist grundsätzlich durchaus Bedarf da, was Privatarmeen angeht. Bei der Machbarkeit im konkreten Fall stellt sich für Stahel aber ein grosses Fragezeichen. «Von der Schweiz aus verbietet es das Gesetz. Und ausserdem braucht es dafür es ein grosses Netzwerk, Beziehungen und viel Kapital. Und man muss wissen, wie Krieg funktioniert.» Gefragt seien zudem ehemalige Berufssoldaten und nicht irgendwelche Rambos.

Konkrete Angaben gibt es nicht

Es ist nicht das erste Projekt des jungen Thurgauers, der selbst keinen Lehrabschluss hat. Vor drei Jahren gründete er den Concierge-Service Money Rain Club. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben einen Butler-Rundum-Service für die Superreichen. Man vermittle Yachten, Privatjets oder teure Limousinen, heisst es auf der Website. Dafür arbeite man mit rund 1000 Partnern weltweit zusammen. «Mit meiner früheren Firma war ich oft im Ausland und regelmässig unzufrieden, was die Leistungen der Concierge-Services anging», behauptet H. Ihm sei klar gewesen: «Das geht doch besser.»

Sucht man allerdings nach dieser früheren Firma, H. Pictures, findet man bloss ein paar wenige Hinweise dazu im Internet. Und das obwohl es sich um ein Medien-Unternehmen gehandelt haben soll. Das zieht sich wie ein roter Faden durch: Konkrete Angaben gibt der 20-Jährige kaum, meist heisst es: «Das kommunizieren wir nicht» oder «Das ist Geschäftsgeheimnis.»

Guter Service spricht für sich

Um in seinem Club Mitglied zu werden, muss ein Beitrittsantrag gestellt werden. Die günstigste Mitgliedschaft kostet laut Website 899 Euro pro Monat. «Wir haben schon diverse Mitglieder, etwa in China, Amerika, Dubai oder Monaco.» Genaueres kann er nicht sagen, man lege Wert auf Diskretion. Die ganz wichtigen Kunden betreue H. selbst. Dass er nur ein bisschen Englisch kann, sei kein Problem. Dafür gebe es ja Übersetzer, und das Englisch der Chinesen, seine Hauptkundschaft, sei auch nicht besser als seines.

Marketing-technisch setze er auf Mund- zu-Mund-Propaganda. «Guter Service spricht sich herum.» Da macht es wohl auch nichts, dass die Facebook-Seite des Clubs erst 12 Gefällt-mir-Angaben hat und die Adresse auf der Visitenkarte fehlerhaft ist.

* Name der Redaktion bekannt

(20M)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kokusnus am 24.06.2016 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Die Geschichte stinkt zum Himmel. Wer geht für Fr. 55.00 pro Stunde freiwillig in den Krieg? Ganz komische Geschichte.

    einklappen einklappen
  • Töbs am 24.06.2016 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reine Werbung

    Dieser Service kann ja nicht ernst genommen werden, aber eine gute Werbung ist es trotzdem für seine "Unternehmung". Die Medien bringen diese Meldungen sicher noch gratis ;)

    einklappen einklappen
  • Realist am 24.06.2016 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Held...

    "Der Held seiner Träume!" Viel mehr fällt mir zu dem sehr jungen Phantasten nicht ein. Seine Träume werden jedenfalls nie wahr!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mäd Meks am 24.06.2016 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hat er kein legal advisor?

    Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich keine Schweizer suchen. Söldnertum und Dienst in fremden Armeen ist doch für uns verboten.

  • Regula am 24.06.2016 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Um wen zu schützen ?

    Die reichen, die kein Vertrauen mehr an den Staat haben, die Kinder sind schon in Privatschulen.

  • Michel von Hinterhof am 24.06.2016 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein Danke

    ich hab eine sinnvollere Tätigkeit und besseren Lohn.

  • Michael.dot am 24.06.2016 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dürftiges Angebot

    Die Homepage dieses jungen Mannes ist voller Schreibfehler. Zum Beispiel: "Sevice" statt Service im ersten Angebot. Zudem gibt es nur Plastikkarten. Die Homepage ist eine der schlechtesten welche ich je gesehen habe. Ich hoffe seine Dienstleistungen sind besser.

  • cb am 24.06.2016 09:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hat selbst keinen Abschluss??

    Vielleicht zuerst einen eigenen Abschluss machen, junger Mann. Mit 20 muss man noch keine Privatarmee gründen.