Ellikon an der Thur

01. Juli 2017 23:00; Akt: 02.08.2017 15:13 Print

Ausgesetzte Schildkröten werden zum Problem

Leser-Reporterin Miriam Eggenberger entdeckte eine Schildkröte in der Thur. Vermutlich handelt es sich um eine Gelbwangenschildkröte. Diese bedroht heimische Schildkröten.

Video: Miriam Eggenberger
Zum Thema
Fehler gesehen?

«Als ich am Dienstag an der Thur in Ellikon spazierte, sah ich plötzlich eine Schildkröte im Fluss», erzählt Leser-Reporterin Miriam Eggenberger am Freitag. «Es hat mich sehr überrascht, eine Schildkröte in der freien Natur zu sehen», so die 29-Jährige weiter. Schliesslich seien die Tiere hier nicht heimisch.

Sie gehe regelmässig dort spazieren. «Ich habe an dieser Stelle schon Fische und Biber gesehen, aber noch nie eine Schildkröte.» Lange konnte sie das Tier nicht begutachten. «Die Schildkröte schwamm flussabwärts Richtung Frauenfeld.» Wie das Tier in den Fluss gelangte, bleibt unklar. Eggenberger könne sich vorstellen, dass die Schildkröte ausgebüxt ist oder von jemandem ausgesetzt wurde.

Sie halte selber eine Gelbwangenschildkröte und könne sich vorstellen, dass es sich beim Tier in der Thur ebenfalls um eines derselben Art handeln könnte.

Konkurrenz für heimische Art

«Um welche Art es sich handelt, ist aufgrund der Videobilder nicht zu erkennen», sagt Jana Spranger, Kuratorin im Walter-Zoo Gossau SG. Häufig handle es sich aber um Gelb- oder Rotwangenschmuckschildkröten. Diese stammen aus Nordamerika.

Überleben, auch im Winter, sei für diese Art kein Problem. «Wenn es kalt wird, graben sich diese Schildkröten im Schlamm ein.» Auch Nahrung gebe es genug. Jedoch sind die nordamerikanischen Schildkröten für die heimischen Europäischen Sumpfschildkröten ein Problem: «Die hier ausgesetzten Tiere aus Nordamerika nehmen den heimischen den Lebensraum weg.» Die Europäische Sumpfschildkröte ist sogar bedroht. «Es gibt extra Zuchtprogramme für diese Art», so Spranger.

Nordamerikaner einfangen

Daher werden von Polizei und Veterinäramt regelmässig Tiere eingefangen. Ein Teil davon findet dann Unterschlupf im Walter-Zoo. «Wer eine Nordamerikanische Schildkröte in der freien Natur entdeckt, soll sie einfangen und bei der Polizei abgeben», rät Spranger. «So können unsere heimischen Schildkröten geschützt werden.»

Leider würden in letzter Zeit vermehrt Schildkröten ausgesetzt, da ein neues Gesetz verlangt, dass man die Tiere meldet und eine Halterbewilligung beantragt. «Nicht jeder möchte diesen Prozess durchlaufen. Manche setzen die Tiere dann aus.»

Diese Woche entdeckte ein anderer Leser-Reporter eine Schildkröte im Zürichsee. Auch bei dieser Schildkröte wurde vermutet, dass es sich um eine nordamerikanische Gelbwangenschmuckschildkröte handelt.

(jeb)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zytglöggli 1961 am 02.07.2017 05:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ego pur!

    Nach dem jö-Effekt, merken Tiefhalter, dass auch Schildkröten viel Aufmerksamkeit brauchen, Und sie können über 100 Jahre alt werden. Heute muss alles sofort gekauft werden, wenn es einem gefällt, ohne Rücksicht auf Konsequenzen. Ego pur! Schade für die Tiere.

    einklappen einklappen
  • Venus am 02.07.2017 00:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer der Mensch ...

    Wegen einer Meldepflicht setzt man ein Tier aus. Was sind das bloss für Menschen? Schrecklich. Und Freunde, Familie bemerken nichts?

    einklappen einklappen
  • maria am 02.07.2017 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jöö effekt

    in der aare tummeln sich auch viele rotwangenschildkröten. die tiere werden im ausland sehr klein gekauft. nur wissen die besitzer nicht wie schnell die gross werden und werden dann ausgesetzt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Benjamin Blümchen am 02.07.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Fragestunde

    Kann mir jemand erzählen warum fremde Tiere und Pflanzen die einheimischen Tiere und Pflanzen bedroht? Jedoch beim Menschen ist alles i. O. Wenn fremde Kulturen in der Schweiz sind.

  • Stefan am 02.07.2017 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausgesetzt

    Ausgesetzte Wölfe, Bären etc. und nun auch noch Schildkröten... wo führt es noch hin?

  • Hildi am 02.07.2017 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Invasion fremder Tiere

    Googelt mal, dann wisst ihr, was ausgesetzte, fremde Tiere im einheimischen Ökogleichgewicht anrichten können, egal ob Fische, eingeschleppte Insekten, Krebse, Hasen, was immer...

  • Leserin* am 02.07.2017 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebewesen!

    Vor 20 Jahren war es hier üblich, dass sich jedes Kind (!) für einen Fünfliiber eine kleine Schildkröte kaufen konnte. Es war abartig. Verschwanden oder starben die Tiere, holten sie sich Ersatz. Wenn der Umgang und "Handel" mit diesen faszinierenden Tieren noch längere Zeit so blieb wundert es mich leider nicht, dass sie heute einfach ausgesetzt werden, wenn Aufwand oder Kosten entstehen.. Pfui! :((

    • Hildi am 02.07.2017 14:22 Report Diesen Beitrag melden

      Tiere sind keine Ware u. kein Spielzeug!

      Sie haben recht! Es dürfte gar nicht so leichtfertig mit Tieren gehandelt werden und der Verkauf müsste viel strengere Auflagen haben! Man sieht ja was rauskommt dabei.

    einklappen einklappen
  • Bald 50ig am 02.07.2017 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Verbringe viel zeit an Bächen,

    aber eine einheimische Schildkröte habe ich noch NIE gesehen auch NICHT in unseren Seen. Hier stimmt doch etwas nicht mit diesem Artikel. Seit bald 30 Jahren habe ich einen Hund und bin noch mehr an denn Gewässern, noch NIE habe ich eine gesehen, noch NIE. Kenne auch niemand der jemals eine gesehen hat. Warum werden wir hier angelogen? geht es dem Walter-Zoo um Werbung oder erhält er dafür mehr Geld? das sind berechtigte fragen, oder nicht? Es ist Traurig das Tiere ausgesetzt werden, aber wenn ein Tier in der Natur überleben kann BITTE last es auch in der Natur. Last die Natur, Natur sein!