Money Rain Club

31. August 2017 05:45; Akt: 31.08.2017 10:30 Print

Der grösste Angeber der Ostschweiz ist erst 21

K. H. machte einen auf dicke Hose, gab sich wie ein seriöser Geschäftsmann und soll Luxusuhren mit ungedeckten Checks gekauft haben. Nun steht er vor Gericht.

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Laut Anklageschrift trat K. H.* etwa ab 2014 in diversen Angelegenheiten unter verschiedenen Firmennamen, darunter auch der Concierge-Service Money Rain Club, auf. Seine Absicht sei es gewesen, sich gegen aussen als seriöser Geschäftsmann zu präsentieren und sich damit Vertrauen zu erschleichen. Via Zeitungsinserat suchte er im Juni 2016 im Namen des Money Rain Club sogar Söldner für eine eigene Privatarmee. Doch: «In Tat und Wahrheit verfügte dieser Club weder über Mitglieder und Kunden, noch war er operativ tätig», heisst es in der Anklage.

Überhaupt habe er mit all seinen Konstrukten keinen wirklichen finanziellen Erfolg gehabt. Er sei auch nicht imstande gewesen, einen Investor für seine Geschäftsideen zu finden. Das hielt H. laut Anklage allerdings nicht davon ab, unter den diversen Firmennamen fortwährend Verträge über Luxusgüter und Luxusobjekte abzuschliessen. Das blieb nicht ohne Folgen. Ein Blick auf sein Betreibungsregister spricht Bände: Dort reihen sich Zahlungsbefehle an Verlustscheine.

Kleider machen Leute

Im feinen Anzug und in Begleitung eines Kumpans gab sich der heute 21-Jährige H. Anfang Juni 2016 bei einem Uhren- und Schmuckanbieter in St. Gallen als seriöser und wohlhabender Geschäftsmann aus. Er liess sich mehrere Luxusuhren vorzeigen. Gemäss Anklageschrift gelang es H. durch sein Auftreten, das Vertrauen des Geschäftsführers zu erschleichen. Nach dem Verkaufsgespräch floss sogar Champagner. H. kaufte vier Luxusuhren im Wert von 63'000 Franken, die er mit Bankchecks bezahlte. Nur ihm und seinem Kumpan war allerdings klar, dass diese in keinster Weise gedeckt waren.

Die gleiche Masche versuchte H. noch bei weiteren Uhrengeschäften. Dort scheiterte sein Vorhaben allerdings an der Tatsache, dass keine Checks akzeptiert wurden. Auch eine Bank wollte H. mit seinem Kumpel täuschen. Dort wollte H.s Kumpan eine Check von ihm einlösen, bei dem er genau wusste, dass er nicht gedeckt war. Der Plan ging allerdings nicht auf, das Geld wurde nicht ausbezahlt.

H.s Versuche, sich ein Auto mit rund 338'000 Franken Verkaufswert und Möbel für 24'000 Franken zu erschleichen, scheiterten ebenfalls. Beim Auto gab er vor, es sei für einen Kunden des Money Rain Club, bei den Möbeln präsentierte er sich als Geschäftsführer einer Immobilienhandelsgesellschaft. Aber auch die gab es wohl nur auf dem Papier. Sein Ziel war, dass die Waren ohne Vorauszahlung geliefert werden sollten. Mitte Januar 2016 interessierte sich H. für eine teure Attikawohnung. Auch hier präsentierte er sich als Geschäftsmann, gab an, mit der Firma Money Rain Club selbständig zu sein. Um seine Bonität zu beweisen, stellte er sich laut Anklageschrift selbst zwei Lohnausweise aus, woraus sich für 2014 eine Gesamtbruttolohnsumme von 211'000 Franken ergab. Zum Mietvertrag kam es nicht.

Bereits vorbestraft

Wegen Betrugs, mehrfachen vollendeten Versuchs des Betrugs und mehrfacher Urkundenfälschung muss sich H., der bereits wegen Betrugs vorbestraft ist, am Donnerstag vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, sechs davon unbedingt.

Das Verfahren gegen seinen Kumpan wurde an die Jugendanwaltschaft weitergeleitet. Bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils gilt die Unschuldsvermutung.

* Name der Redaktion bekannt

(taw)