St. Gallen

24. September 2015 16:29; Akt: 25.09.2015 13:01 Print

Kesb-Mann ergaunerte Millionen-Erbschaft

Ein Mitarbeiter der Kesb St. Gallen soll das Vermögen einer fast blinden 92-jährigen Frau und IV-Geld erschlichen haben. Dafür soll er vier Jahre ins Gefängnis.

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Ende Oktober muss sich der mutmassliche Betrüger vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten.

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Die Vorwürfe gegen den Mitarbeiter der St.Galler Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) wiegen schwer: Mit einem gefälschten Testament soll sich der 58-Jährige das Erbe einer fast blinden 92-jährigen Frau ergaunert haben. Wie die «St. Galler Nachrichten» schreiben, sei der Mann kurz nach dem Tod der Frau im Februar 2014 Amtsnotariat St.Gallen vorstellig geworden.

Dort habe er ein in zittriger Schrift verfasstes Testament vorgelegt. Der Kesb-Mann war Beistand der Verstorbenen. In dem Testament sei ihm das ganze Vermögen Frau vermacht worden, berichtete die Zeitung weiter; rund eine Million Franken sei auf sein Konto überwiesen worden. Zudem habe der Mann den Haushalt der Frau aufgelöst und Schmuck und Bargeld an sich genommen.

Ein Mercedes CLK und ein Motorboot

Da die drei gesetzlichen Erben davon ausgegangen seien, dass das Testament rechtens sei, hätten sie die Erbschaft nicht angefochten. Der mutmassliche Betrüger habe es sich derweil gutgehen lassen: Laut Anklageschrift kaufte er sich einen Mercedes CLK und ein Motorboot.

Doch damit hatte der 58-Jährige offenbar noch nicht genug: Er soll auch eine IV-Rente bei der SVA Zürich beantragt haben, heisst es weiter. Nach einem Bandscheibenvorfall, einem Magenbypass und einem Magenbruch leide er an Schmerzen, die es ihm eine Arbeit verunmöglichen würden, argumentierte er.

Vier Jahre Haft gefordert

Im März 2014 wurde ihm dann eine 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit und ein Invaliditätsgrad von 66 Prozent attestiert. Und obwohl er angegeben habe, dass er kein Einkommen habe und er sich tagsüber im Bett entspannen müsse, erledigte er fleissig administrative Arbeiten für Nachbarn und arbeitete auch weiterhin für die Kesb als privater Beistand. Schliesslich bekam SVA Zürich Wind von der Sache: Sie sistierte die Rente im November letzten Jahres.

Nun muss sich der Mann vor dem Kreisgericht St. Gallen wegen mehrfacher Veruntreuung, mehrfachen Betrugs, Urkundenfälschung und Erschleichen einer Falschbeurteilung verantworten. Er soll das Testament der 92-jährigen Frau selber geschrieben haben, glauben die Untersuchungsbehörden. Mit verstellter, zittriger Schrift habe er das Notariat und die Angehörigen der Verstorbenen getäuscht. Ihm droht eine Haftstrafe von vier Jahren.

(rar)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Pope am 24.09.2015 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Angst Betrüger, da passiert dir nichts

    es droht ihm eine Gefängnisstrafe von 4 Jahren. so,so wetten das er nicht in den Bau muss? stattdessen 24 Monate bedingt und bedingte Geldbusse. mehr passiert da nix.

  • roke01 am 24.09.2015 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kesb

    ach so ist das. kenne das kesb st. gallen habe meine negativen erfahrungen gemacht. leider!!!

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  • auf sich selber gestellt am 24.09.2015 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    Sehr vertrauenswürdige Institution, es ist wie es ist, das Geld gehört allen und muss verteilt werden, nur das eigene nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Besorgter Familienvater am 28.09.2015 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    das setzt nun volles Vertrauen

    Wir haben seit drei Wochen neuen Nachwuchs. Bei der Geburt hatte unser Sohn den Befund Trisomie 21. Ein Schock für uns alle. Da ich Angst hatte, das meine Frau in eine Krise stürzt, habe ich mit den Ärzten geredet. Nun müssen wir bei der KESB vortraben. Keine Ahnung was das mit Unterstützung zu tun hat? Bin gespannt, den der Brief mit der angemahnten Einladung für ein kommendes Gespräch klingt jedenfalls wie ein juristischer Marschbefehl.

    • Cira am 28.09.2015 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Besorgter Familienvater

      Für was müssen diese Eltern vor yer KESB antraben. Die Eltern tun mir sehr leid. Ist man mal in den Fängen der KESB gibt es kein entrinnen mehr. Die sollen sich um andere Dinge kümmern. Also KESB lasst diese Familie in Tuhe.

    • Dr. Unwichtig am 28.09.2015 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Na, toll...

      Diese Verunsicherung in einer ohnehin schon belastenden Situation ist die logische Konsequenz aus dem hier aufgebauten Kesb-Schreckensszenario. Daher auch meine heftige Kritik weiter unten. Zu Ihrem Fall nur soviel: Dem Gespräch können Sie gelassen entgegen sehen. Die Kesb ist verpflichtet, jeder Meldung von Amts wegen nachzugehen. Das "Juristendeutsch" liegt in der Natur der Sache, fördert aber tatsächlich nicht gerade ein optimales Vertrauensverhältnis. Hier besteht dringender Handlungsbedarf und ich weiss, dass einige Kesb bereits daran arbeiten. Alles Gute!

    • Besorgter Familienvater am 28.09.2015 21:33 Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      @ Dr. Unwichtig. Vielen Dank! Denke auch so. Es ist bestimmt besser einmal hinzuschauen, als einfach zu ignorieren. Und dieses Schreiben ist vermutlich immer die gleiche Vorlage, egal um was es eigentlich geht. Hab ich mir so gedacht. Aber eben, im ersten Moment kommen solche Schreiben nicht gerade gut an und daran sollte die KESB schon ein wenig feilen.

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  • Christian Lippuner am 24.09.2015 23:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alle in den gleichen Topf werfen

    Vielleicht hagelt es jetzt Daumen runter, aber ich kann nur von mir berichten. In einer Erbausschliessung hatte ich mit einer Juristischen Mitarbeiterin des KESB SG vor ca. 2 Jahren zu tun. Freundlich, Nett und Sachlich wurde die Sache abgehandelt. Nur weil jetzt einer Mist gebaut hat bitte nicht alle in den gleichen Topf werfen. Wenn Verfehlungen da sind hat man ja die Möglichkeit alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen. Danke fürs lesen.

    • Susanne am 24.09.2015 23:48 Report Diesen Beitrag melden

      Leider nicht korrekt. Es wäre schön.

      Die rechtlichen Mitteln werden ja von der KESB torpediert. Ich erlebte selbst meine eigenen Fall. Bei unentgeltlich kann die KESB sogar ein "nein" geben und Sie haben keine Chance. Sogar wenn sie einen Anwalt selber bezahlen versucht die KESB alles, damit man nicht gegen die KESB selber eine Klage einreichen kann. Es ist Tatsache und so darf man Leute in der Schweiz nicht behandeln. Asylsuchende erhalten einen Gratisanwalt. KESB-Opfer wird dies alles verweigert. Wo bleibt die Rechtsgleichheit? Wir sind in einen Rechtsstatt, doch die KESB hebelt dies grausam aus. Es ist absolute Willkür.

    • Christian am 25.09.2015 01:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Christian Lippuner

      .. so wie ich die Sache verstanden habe, war es wohl ein " privater Betreuer" und diese sind nicht eigentliche Angestellte der Behörde, er wurde wohl seitens der Kesb beauftragt, die Frau zu betreuen, ...0hne die vielen guten privaten Betreuer würde es nie funktionieren! Schade, schade gibt es solche schwarze Schafe! sie schaden den Image der Kesb sehr...

    • Christian am 25.09.2015 01:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Susanne

      ... das wäre mir aber neu! jeder Entscheid der Kesb hat eine Rechtsmittelbelehrung, und man kann sehr wohl innert dreissig Tagen Rekurs einlegen...bei wem ist wohl von Kanton zu Kanton verschieden..aber man kanns...die Schweiz lebt immer noch in einem Rechtsstaat...

    • Betroffene am 25.09.2015 01:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Christian Lippuner

      und wie soll der rechtliche Erfolg aussehen, wenn der Erbschleicher das unrechtmässig erhaltene Erbe/Geld bereits in vollen Zügen ausgegeben bzw. verjubelt hat? Mit Gefängnis oder Verlustscheinen wäre ich sicher nicht zufrieden!

    • roke01 am 25.09.2015 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Christian Lippuner

      es ist nicht nur einer. wenn sogar die vizepräsident mist baut dann ist es schlimm

    • Buahhhhh am 25.09.2015 13:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Christian Lippuner

      ...naja... das mit den Rechtsmitteln würd ich mal nicht unterschreiben. Die Rekurskommissionen und Geriche arbeiten alle bei derselben Firma wie die KESB - und bekanntlich pickt eine Krähe der anderen kein Auge aus...

    • Christian am 25.09.2015 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Buahhhhh

      ... das kann ich nun nicht unterschreiben, hatte aus beruflichen Gründen schon einige Rekurse geführt, und die Oberinstanz durchaus als korrekt und fair erlebt...da war die Behörde nicht immer einverstanden, aber auch damit müssen sie leben.. der Rechtsstaat funktioniert...

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  • Ina am 24.09.2015 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Das ist in diesem Fall nicht gerade gute Presse für die schon ziemlich angeschlagene Kesb. Nur ein Fall, aber ein schwerwiegender!

    • roke01 am 25.09.2015 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ina

      es ist nicht nur 1 fall. bin selbst auch betroffen von der willkür behörde kesb

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  • Der Betrieb am 24.09.2015 22:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Kesb

    eine bürokratische Organisation. Keiner muss den Kopf hinhalten. Jeder schiebt, da im Kollektiv zuständig. Der Ball, der übers Netz gespielt wird, wird zum Ping Pong abdriften. Niemand ist zuständig, alle und jeder ist zuständig, keiner ist befugt, alle sind befugt, ja wer trägt jetzt die Verantwortung? Die Kesb, zu spät, der Schaden ist schon angerichtet.!!!!!!!!

  • Chris1 am 24.09.2015 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder! Bei solchen Meldungen

    bekommt das KESB einen noch schlechteren Ruf als bisher schon!