Schwellbrunn AR

27. September 2016 16:52; Akt: 27.09.2016 16:54 Print

Luchs leidet Todesqualen nach Streifschuss

Am Sonntag wurde am Ettenberg in Schwellbrunn AR ein Luchs tot aufgefunden. Jetzt ist klar: Das Tier wurde gewildert.

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Luchs B459 wurde am Ettenberg gewildert. (Bild: zVg)

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Ein Landwirt hat am Sonntag am Ettenberg in Schwellbrunn AR ein totes Luchsweibchen gefunden. Das Tier hatte eine Verletzung am rechten Hinterlauf. Wie das Ausserrhoder Departement Bau und Volkswirtschaft am Dienstagmorgen mitteilt, stammt die Verletzung von einem Streifschuss. Das hätten Untersuchungen der Abteilung für Fisch- und Wildtiermedizin der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Bern (Fiwi) ergeben.

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Qualvoll verendet

Ein Projektil wurde zwar nicht gefunden, dennoch weisen die Spuren laut den Experten auf ein kleinkalibriges Geschoss hin. Das Geschoss zertrümmerte den Oberschenkelknochen des Tieres ohne eine sofortige tödliche Wirkung. Das Tier ist anschliessend auf langsame und qualvolle Weise verendet. Ein ausführlicher Obduktionsbericht des Fiwi steht noch aus.
Emotionen nicht im Griff?

«Wir haben keine Anhaltspunkte, wer die sinnlose und tierquälerische Tat begangen haben könnte», sagt Heinz Nigg, Leiter Amt für Raum und Wald sowie Jagdverwalter im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Auch das Motiv sei unklar. «Grossraubtiere wecken Emotionen. Es scheint Leute zu geben, die diese nicht unter Kontrolle halten können», so Nigg. Für ihn ist unverständlich, wieso man etwas gegen den Luchs haben könne. «Die Umsiedlung des Luchses wurde erfolgreich abgeschlossen», so Nigg. Ihm seien keine Risse von Nutztieren in der letzten Zeit bekannt. «Vor über zehn Jahren hat ein Luchs in der Region eine Ziege gerissen und letztes Jahr im Linthgebiet ein Schaf.»

Das sei aber noch lange kein Grund, auf den Luchs zu schiessen. Zudem habe man das Tier unnötig leiden lassen: «Das Tier hat vor dem Tod schwer gelitten. Ein Bein hing nur noch an einem Hautfetzen.» Wahrscheinlich sei das Tier noch mehrere Tage in den Wälder herumgelaufen, bevor es an den Folgen der Verletzung verendet oder gar verhungert ist, weil es nicht mehr jagen konnte. Als der Kadaver gefunden wurde, hatten sich bereits Fliegenmaden und Würmer in der Wunde befunden.

«Jäger gehen nicht mit Kleinkaliberwaffen auf die Jagd»

Doch wer könnten den Luchs angeschossen haben? Einen Querschläger oder unabsichtlichen Abschuss durch einen Jäger schliesst Stefan Frischknecht, Kantonalpräsident des Patentjägervereins Appenzell Ausserrhoden, aus mehreren Gründen aus: «Jäger gehen nicht mit Kleinkaliberwaffen auf die Jagd. Unsere Kaliber beginnen bei sechs Millimeter, der Luchs wurde, gemäss Untersuchung, mit einem Kleinkaliber-Geschoss angeschossen.» Zudem sei im aktuellen Fall krass gegen den Jagdkodex verstossen worden: «Wenn ein Jäger auf ein Tier schiesst, strebt er an, dass dieses sofort stirbt und nicht leiden muss.» Der Luchs sei jedoch qualvoll verendet. Zudem würde ein Jäger nie mit einem Kleinkalibergewehr auf eine Gämse oder Reh schiessen. «Damit könnte man kaum Wild erlegen, Kleinkaliberpatronen entwickeln für eine schnelle Tötung viel zu wenig Energie.»

Der Luchs habe es zwar auf dieselbe Beute abgesehen wie die Jäger auch, dennoch glaubt Frischknecht nicht, dass ein Jäger aus Futterneid auf den Luchs geschossen hat. Der nationale Verband ersuche über die Politik, bei den Grossraubtieren eine ähnliche Regulierung zu erreichen, wie sie sich beim Steinwild seit Jahren bewährt, wie das Beispiel Steinbock zeigt, den man auch wiederangesiedelt hat. «Wilderei ist sicher keine Lösung», sagt Frischknecht klar.

Anzeige erstattet

Da das Jagen von geschützten Tieren verboten und strafbar ist, hat die Jagdverwaltung von Appenzell Ausserrhoden bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen unbekannt erstattet. Es ist das erste Mal seit seiner Wiederansiedelung, dass im Appenzellerland nachweislich ein Luchs gewildert worden ist, teilte die Jagdverwaltung weiters mit. Beim getöten Tier handelt es sich um Luchs B459. Es gehörte zur Luchs-Population im Gebiet Toggenburg-Sarganserland mit schätzungsweise 20 Tieren.

(20 Minuten/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zibi am 27.09.2016 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Wie kann man nur! Grausam ist der Mensch!

    einklappen einklappen
  • protect the animals am 27.09.2016 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..wann.. 

    ..hört dieses sinnlose morden endlich auf.. die jäger müssen besser geprüft und kontrolliert werden..und vorallem viel härter bestraft werden..das darf doch einfach nicht sein.. armer luchs..Dummer hirnloser mensch..

    einklappen einklappen
  • lana am 27.09.2016 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Pro tier

    Ich kann nicht schreiben was ich über den mör..er denke, ansonsten werde ich gesperrt... ich wünsch dem dasselbe!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli der Schreckliche am 27.09.2016 23:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    wie viele Tiere wegen eines Luchses leiden müssen. Und dazu sagt niemand etwas.

  • Lisa am 27.09.2016 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brutalo

    Wildern muss zünftig bestraft werden! Es ist verboten und es ist ein missachten eines Gesetzes! Also hoffe man findet den Täter!

  • Schäferin am 27.09.2016 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit?

    Armer Luchs. Was ist mit den Schafen die vom Wolf gerissen werden? Für die sind die Qualen normal?

  • grenacher am 27.09.2016 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Braucht es den Jäger oder nicht.

    Die Wildtiere wie Luchs , Wolf und Bär sind vorallem für den Jäger eine unerträgliche Last denn es lässt die abzuknallenden Wildtiere vorsichtig werden, er dadurch diese nicht mehr einfach aus der nächsten Ecke abknallen kann und Ihm dadurch seine Finanzanlage durcheinander gewirbelt wird, da eine Pacht nicht gerade günstig ist, für ein Wald und Wiesenstück. So vergeht dem armen wartenden Jäger die Lust stundenlang dazusitzen , seine Lebensenergie und die des zu erlegten Tieres zu verpuffen. Eine natürliche gesunde Flora und Fauna braucht kein Eingriff durch den Menschen.

  • Ellie am 27.09.2016 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sowas macht kein normaler Mensch

    Wow, was würde ich dafür geben, so ein schönes Tier in freier Wildbahn zu sehen! Wirklich schade :(