Buchs SG

20. Oktober 2017 05:48; Akt: 20.10.2017 05:48 Print

Drohnenpilot filmt bei Rettungseinsatz der Rega

von V. Fehlmann - Ein Jugendlicher wurde am Samstag durch einen Stromschlag schwer verletzt. Während die Retter um sein Leben kämpften, schwebte über dem Rega-Helikopter eine Drohne.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein 14-Jähriger ist am Samstagnachmittag auf einen Bahnwaggon geklettert und durch einen Stromschlag schwer verletzt worden. Die Rega flog ihn schliesslich in kritischem Zustand ins Spital.

Umfrage
Besitzt du eine Drohne?

Während des Rettungseinsatzes tauchte ein Flugobjekt auf. «Ich war mit meiner Tochter am Autoputzen, als wir die Rega landen sahen», sagt ein Leser-Reporter. Erst habe er eine grössere Drohne über dem Helikopter schweben sehen, sie sei aber wieder verschwunden. «Dann kam eine kleinere, die über dem Heli kreiste, während der Patient verladen wurde.»

Drohnenpilot wurde festgehalten

Die Rettungskräfte hätten alle in die Luft gestarrt. «Der Drohnenpilot stand bei einer Strasse», erzählt der Leser weiter. «Ich konnte ihn sehen. Er holte seine Drohne schliesslich zu sich und zog sich in einen Innenhof zurück. Von dort aus liess er sie erneut steigen.»

Wieder habe er sein Fluggerät Richtung Rega-Helikopter gesteuert und es direkt daneben fliegen lassen. Einsatzkräfte der Feuerwehr hätten den Piloten schliesslich ausfindig gemacht und ihn festgehalten. «Ich hätte ihm gern die Meinung gesagt. Wer weiss, welche Konsequenzen das hätte haben können.»

Die Kantonspolizei St. Gallen bestätigt den Vorfall. «Während des Rettungseinsatzes war eine Drohne in der Luft. Nach Rücksprache mit der Rega wird aber keine Anzeige erstattet. Beim An- und Abflug war der Luftraum frei», sagt Sprecher Hanspeter Krüsi. Das Videomaterial sei durch die Polizei gesichtet worden. Der Drohnenpilot habe einen offiziellen Auftrag für die Aufnahmen gehabt.

Halbes Dutzend Vorfälle bei der Rega

Rega-Sprecherin Ariane Lendenmann ergänzt: «Kurz vor dem Start des Rega-Helikopters befand sich im Umkreis von wenigen Hundert Metern eine Drohne in der Luft. Der Drohnenpilot brach jedoch seinen Flug ab, als er auf den Rettungshelikopter aufmerksam wurde. Unsere Crew informierte die Polizei vor Ort, die dafür sorgte, dass die Drohne während des Starts des Rega-Helikopters am Boden blieb.» Auf die Versorgung des Verunfallten habe der Vorfall keine Auswirkungen gehabt.

Trotzdem ist es nicht das erste Mal, dass Drohnen Rettungskräften in die Quere kommen. Rund ein halbes Dutzend Zwischenfälle seien in den vergangenen drei Jahren verzeichnet worden, erklärt Lendenmann. «Eine unmittelbare Gefahr für die Crews und die Patienten ging von den Drohnen nicht aus, die Fälle wurden jedoch rapportiert und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt gemeldet.»

Dringender Handlungsbedarf

Kommt eine Drohne einem Helikopter zu nahe, bestehe ein Sicherheitsrisiko. «Eine Kollision könnte den Helikopter beschädigen oder schlimmstenfalls zum Absturz führen.» Deshalb gilt: Ohne ausdrückliche Bewilligung dürfen im Umkreis von 500 Metern rund um einen Unfallort keine Drohnen fliegen. «Die Rega wünscht sich, dass Drohnenpiloten sich bewusst werden: Drohnen können einen Rettungseinsatz behindern oder zu dessen Abbruch führen», sagt Lendenmann.

Doch nicht nur die Rega, auch die AAA Alpine Air Ambulance kennt das Problem. Auch sie fliegt Rettungseinsätze in der Schweiz. Sprecherin Petra Seeburger: «Auch für die AAA Alpine Air Ambulance sind Drohnen zunehmend ein Problem. So gab es vor circa zwei Wochen beim Anflug auf das Zürcher Universitätsspital eine Störung durch eine Drohne, die sehr nahe am landenden Helikopter vorbeiflog.» Bei der AAA sieht man deshalb dringend Handlungsbedarf, «bevor es zu schweren Unfällen kommt», so Seeburger.