Alpstein AI

29. Dezember 2016 18:20; Akt: 29.12.2016 18:20 Print

«Schwingen ist schlimmer für Tiere als Drohnen»

Wildtiere im Alpstein leiden unter den Drohnen, sagt der WWF. Die Piloten wehren sich und weisen auf andere Probleme hin.

Ein Drohnenvideo über dem Alpstein. (Video: Benjamin Sauer)
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«Die Tiere geraten von einer Sekunde auf die andere in Panik und hetzen davon», schreibt der WWF Ostschweiz in seiner Medienmitteilung. Grund dafür: Drohnen.

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«Der Drohnenflug im Alpstein hat in den letzten drei Jahren extrem stark zugenommen», erklärt Ueli Nef, Jagdverwalter in Appenzell Innerrhoden. Kein Wunder, seien die Tiere verunsichert, denn Fluggeräte können lau WWF bis 70 Dezibel laut werden, was an das Dröhnen eines Rasenmähers inmitten der winterlichen Stille herankommt.

Fluchtverhalten und Lebensbedrohung

Besonders ärgerlich für den Jagdverwalter: Filmaufnahmen oder Fotografien auf virtuellen Netzwerken würden noch mehr Leute dazu animieren, Drohnen hochsteigen zu lassen. Ueli Nef: «Einer der Hauptfeinde von Gämsen ist der Steinadler. Auf diesen Feind haben sie sich im Laufe der Evolution eingestellt. Und wenn plötzlich eine Drohne über sie hinweg fliegt, löst dies im Rudel ein panikartiges Fluchtverhalten aus».

Zwar sind Wildtiere in Jagdbanngebieten gesetzlich vor Störungen geschützt. Doch ausserhalb dieser Zonen sind die Behörden auf die Einsicht der Drohnenbesitzer angewiesen. Nef appelliert deshalb: «Wenn beispielsweise Gämsen im Winter extrem gestört werden, kann dies lebensgefährdend werden.»

«WWF soll sich um andere Dinge kümmern»

«Wenn ich Tiere sehe, fliege ich mit meiner Drohne weg. Mit der Natur muss man respektvoll umgehen», sagt dazu Drohnenbesitzer Benjamin Sauer. Dennoch macht der 30-jährige Stuttgarter öfters in der Schweiz seine Aufnahmen, gerne auch im Alpstein. «Die Gesetze in Deutschland sind viel strenger. Da herrscht in allen Gebirgen Flugverbot für Drohnen.»

Beim Schweizerischen Verband Ziviler Drohnen sieht man die Dinge etwas anders. «Auf einem grossen Teil des Alpsteins herrscht bereits Flugverbot. Es wird ein Problem gemacht, wo es gar kein Problem gibt», sagt Ueli Sager, Präsident des Verbands. Seine Mitglieder mache der Verband auf die Gesetze aufmerksam. Sager räumt zwar ein, dass es viele Piloten gibt, die nicht Mitglied im Verband sind, doch sieht er die Probleme im Alpstein woanders: bei Grossveranstaltungen wie dem Schwingfest oder bei den zahlreichen Gleitschirmfliegern. Der 44-jährige Gaiser sagt deshalb: «Der WWF soll sich lieber darum kümmern, als uns den kleinen Freiraum wegnehmen, den wir noch haben.»

(fej)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Noldi am 29.12.2016 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau Herr Verbandspräsident

    Genau; meine Freiheit ist wichtiger als die der Tiere die schon seit Jahrtausenden in den Bergen Leben. Meine Idee: Drohnenpiloten in den Bergen mit wenig Nahrung aufsetzten und dann diese jeden Tag etliche Kilometer Rennen lassen. So erleben Sie das Freiheitsgefühl viel intensiver.

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  • Typisch egoistische Dröhneler am 29.12.2016 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Drohnen sind sowas von überflüssig

    Mit Drohnen kann das eigene Ego noch ein paar hundert Meter grösser werden. Da ist es schurzegal, wenn schützenswerte Gämsen darunter leiden, die es schon wegen Gämsblindheit nicht leicht haben. Ich wäre für ein generelles Drohnenflugverbot für Hobbypiloten und ein Einreiseverbot für diesen rücksichtslosen deutschen Hobbypiloten. Der Gipfel der Frechheit ist dann noch, dass auf Schweizer Brauchtum wie einem Schwingfest rumgehackt wird. Geht in die Badewanne spielen.

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  • Edi Hug am 29.12.2016 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Lösung

    Lieber die anderen beschuldigen, als den fehler bei sich selber suchen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Natur Schützen am 02.01.2017 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anwohner

    Trotz wunderschöner Bilder des Alpsteins bin ich für ein Drohnenverbot, ausser für spezielle Aufgaben. Suche von Vermissten, Forschung, militärische oder polizeiliche Aufgaben sind Ausnahmen, welche Drohneneinsätze rechtfertigen. Bei der riesigen Anzahl verkaufter Geräte wird das Ganze ansonsten unkontrollierbar!

  • hugo am 30.12.2016 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    swiss map mobile

    ich bin drohnenpilot und nutze diese beruflich. mit der app swiss map mobile sind die verbotenen flugzohnen sichtbar (einstellungen - luftfahrt - drohnen....). ich trage stets eine leuchtweste, damit mich die leute sehen können. viele hatten fragen, jeder war nach einem gespräch zufrieden. ich befürworte eine drohnenprüfung. es sollte eine gesetzesgrundlage geschaffen werden, dass die start und landekoordinaten plus datum/zeit und name des piloten wia internet gemolden werden müssen. technisch wäre dies leicht möglich. es wird sicher bald klare flugzonen für drohnen geben....

  • W.Eder am 30.12.2016 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Schonzeit ?

    Macht doch ein Schonzeit. Z.B. erlaubt nur von Juni bis September (danach kommen die Wanderer und Jäger) , damit die Tiere über die harten Wintermonate ihre Ruhe haben, sofern sie dann nicht von Skifahrern, Schneeschuhwanderern usw. gestört werden.

  • Judge Dredd am 30.12.2016 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alpgesetz

    Das Starten und Landen mit Deltaseglern oder ANDEREN FLUGGERAETEN ist im Alpgebiet mit Ausnahme bewilligter Start- und Landegebiete verboten. So steht es im kant. Alpgesetz von Innerrhoden. Das Überfliegen ist darin aber nicht geregelt. Tier- und Umweltschutz gehen aber vor. Nach Weihnachten wird es wieder schlimmer.

  • wjp1 am 30.12.2016 00:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstherrlichkeit puur

    Solange es solche Leute gibt wie diesen Herr Gaiser der seine Meinung so uneinsichtig und lapidarisch gibt , wird wohl ein absolutes Verbot für Drohnen die einzig vernünftige Lösung zu sein . Solchen Charakteren sollte man dasMandat entziehen , und wenn' das des KegelklubPräsidenten wäre ! Die machen letztendlich alles kapput !