Mesmer soll gehen

30. April 2015 18:27; Akt: 30.10.2015 08:29 Print

«Weil ich schwul bin, hat die Kirche mir gekündigt»

Dem Mesmer der Evangelischen Kirche in Weinfelden TG soll gekündigt werden– angeblich weil er schwul ist.

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Der Thurgauer liebt seinen Job und möchte ihn behalten. (Bild: zvg)

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«Man hat mir bis heute keinen triftigen Grund genannt, warum ich als Mesmer versagt haben soll», sagt der 31-Jährige gegenüber der «Thurgauer Zeitung». Der Ostschweizer ist als Mesmer in der Evangelischen Kirche in Weinfelden tätig. Fünf Tage vor Weihnachten hat man ihm zum ersten Mal gekündigt. «Aus dem Nichts heraus.»

Er ist überzeugt, dass die Gründe für seine Entlassung nur vorgeschoben sind. Der Mesmer scheint den wahren Grund für seine Kündigung aber zu kennen: Seine Homosexualität. Der Kirchenangestellte hat deshalb einen Anwalt eingeschaltet.

«Diffamierende Behauptung»

Dies weist Kirchenpräsident Helmut Wiegisser aber zurück. Es sei eine diffamierende Behauptung, dass man dem Mesmer nur wegen seiner Homosexualität gekündigt habe, so Wiegisser.

«Es liegen andere gewichtige Gründe vor, die ihm wider seiner Behauptung bestens bekannt sind», so Wiegisser. Da es ein laufendes Verfahren ist, schweigt die Kirchenvorsteherschaft zu den Gründen der Kündigung.

«Bagatellen reichen für Kündigung nicht aus»

Gemäss dem Anwalt des Mesmers wird seinem Mandanten unter anderem vorgeworfen, dass er die Blumen nicht ausreichend giesse oder den Schnee nicht gründlich genug von der Kirchentreppe räume. Ausserdem soll er an einer Beerdigung die falsche Glocke geläutet und hin und wieder das Licht im Kirchengemeindehaus nicht ausgeschaltet haben. «Diese Bagatellen» seien seiner Meinung nach nicht ausreichend, um seinem Mandanten zu kündigen.

Zudem sei die Kirchgemeinde ein öffentlich-rechtlicher Arbeitgeber – eine Entlassung sei da schwieriger als in der Privatwirtschaft. «Es braucht einen sachlichen Kündigungsgrund», so der Anwalt. «Die Kündigung ist ungültig, wegen ihres tatsächlichen Hintergrunds sogar missbräuchlich.»

Kirchenpräsident Wiegisser hat die Unwirksamkeit der Kündigung gegenüber der «Thurgauer Zeitung» bestätigt: «Er ist nach wie vor als Mesmer bei uns tätig.»

Weitere Kündigung soll folgen

Nun soll ihm aber ein zweites Mal gekündigt werden: Die Kirchengemeinde hat dem Mesmer in einem Schreiben bereits mitgeteilt, dass sie ihm kündigen will – dieses Mal aber unter Einhaltung der formellen Regeln.

Der 31-Jährige und sein Anwalt haben bis am 22. Mai Zeit, sich zu diesem Schreiben zu äussern. Auch hat die Kirchengemeinde der Kündigung eine Liste mit Reklamationen beigelegt, die die letzten vier Monate betreffen. Gemäss dieser Liste habe der Mesmer unter anderem den regulären Kirchenschmuck nicht abbestellt – obwohl eine Hochzeit stattfand. Auch seien im März die Rabatten verdorrt und der Raum für den Bärli-Treff anderweitig besetzt gewesen.

«Ich liebe meine Arbeit»

Dass er Fehler gemacht hat, gibt der Angestellte zu; seit der Kündigung stehe er unter enormem Druck. «Ich weiss, dass mir jetzt alles, was schiefläuft, angelastet wird», sagt er. Er versuche sein Bestes zu geben und er hofft nach wie vor, dass es zu keiner Kündigung kommt. «Ich liebe meine Arbeit, die Kirche und die Menschen.»

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dave Meier am 30.04.2015 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde selber künden

    Naja ob man schwul und Christentum vereinbaren kann ist schon eher fraglich, da sich viele Christen an einem Mesmer ein Vorbild nehmen... Wäre ich der Mesmer würde ich zudem selber künden, denn wieso sollte ich für einen Arbeitgeber arbeiten der mich eigentlich entlassen möchte? erscheint mir wenig sinnvoll. Ich würde mir eine Stelle suchen wo meine Arbeit auch mit meiner Homosexualität geschätzt werden würde.

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  • Andrea D am 30.04.2015 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wiso glauben immernoch so viele Menschen

    Was mich viel mehr überrascht ist das es imemrnoch Leute gibt die sich dadurch in ihrem Leben einschränken lassen. Die meisten Religionen haben nur einen Zweck, Leuten Angst zu machen, sie unter Kontrolle zu halten und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich kann nicht verstehen das es heute immernoch Junge gebildete Leute gibt die sowas glauben. Und um Moralisch zu handeln braucht man ebenflls keine Religion sondern nur gesunden Menschenverstand. Religion verursacht nur Differenzen und krieg. Glaubt an die Natur!

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  • Peter Kaderli am 30.04.2015 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Au ja....

    Super. nun fängt das nach den USA auch hier an. Kriegt einer eine Kündigung, rennt er an die Presse und gibt an er werde Diskriminiert wegen irgendwas. Viel Spass

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nadine am 01.05.2015 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    befreien

    wir überlegen schon länger ob wir samt den kindern aus diesem verein austretten sollen. dies bestätigt nun wieder das es das beste ist uns von diesen unmenschen zu entfernen, da ich meine kinder mit liebe und respekt erziehen möchte.

    • sandra am 01.05.2015 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Liebe und Respekt?

      Liebe und Respekt... würde bedeuten andere nicht als Unmenschen abzutun ohne wirklich zu wissen, was die wirklichen Beweggründe sind! Dort wo alle so denken, wie ich, ist das ja einfach. Aber Respekt auch andersdenkenden entgegen zu bringen kostet etwas mehr.

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  • Vegetarier am 01.05.2015 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diskrimminierung?

    Man arbeitet als Vegetarier auch nicht als Koch in einem Steak-House. Das hat nichts mit Diskrimminierung zu tun!!

    • genetikk am 01.05.2015 12:04 Report Diesen Beitrag melden

      Äpfel und Birnen!

      Äussert schleppender Vergleich. Vegetarier sind vegetarier, weil sie so erzogen wurden bzw. weil sie sich dazu entschieden haben. Man kann sich aber nicht entscheiden, homosexuell zu sein oder nicht.

    • Offener Typ am 01.05.2015 14:34 Report Diesen Beitrag melden

      Vegetarier? Diskriminierungen?

      Diskriminierung? Man arbeitet auch nicht als Ferrari-Verkäufer wenn man sich keinen leisten kann! Dieser Vergleich hinkt genauso, wie der mit dem Vegetarier. Ganz im Gegenteil, es zeichnet einen Arbeitslosen aus, wenn er auch "schwierige Jobs" annimmt. Was Sie schreiben ist höchstens eine Diskriminierung der Vegetarier.

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  • Gameover am 01.05.2015 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tztztz

    Austretten aus diesem Verein und seinen eigenen Glauben glauben und leben. Was die Kirche sich alles erlauben kann und auch seit tausenden von Jahren elaubt und zerstört hat und viele Menschen immer noch wie Lemminge in die Kirche gehen...macht euch doch mal Gedanken...oder schaut euch mal die Videos "Zeitgeist" auf Youtube an und denkt nach. Sicher ist nicht alles schlecht, möcht ich auch nicht pauschalisieren...aber man kann auch ohne Kirche Gutes tun!

  • Glücklicher_Atheist am 01.05.2015 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Chance

    Sei doch froh, dass Du endlich dem kirchlichen Mittelalter entflohen bist. Wenn auch nicht freiwillig. Aber für diese in der Steinzeit stehengebliebenen Kirchen bist Du als Mensch der den Mut hat sich zu outen viel besser als all die verblödeten Pfaffen, welche die "Kirchgängeropfer" jeden Tag auf's neue belügen. Such Dir einen Job ausserhalb dieser Ansammlung von vergreisten Grufties und geniesse das Leben! Ich habe Respekt vor allen, ob Homosexuell oder nicht. Ausnahme: Religiöse Fanatiker. Auch wenn ich nur mit Mädels glücklich bin.

  • Sonusfaber am 01.05.2015 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kirche und Fremdbestimmung

    Die Kirche, zumal die katholische, hat sich schon immer in das Intimste eines Menschen, in seine Sexualität, auf Grobste, Rücksichtsloseste eingemischt. Die Kirche masst sich seit Jahrhunderten an, Menschen "fremdzubestimmen" - mit einer Arroganz, die ihresgleichen sucht. Das einzig Richtig in Bezug auf Christentum besteht darin, ihm den Rücken zu kehren. Die katholische Kirche zumal ist absolut unbelehrbar!