Augenzeugen in Bondo

24. August 2017 11:20; Akt: 24.08.2017 13:59 Print

«Bis am Nachmittag sah man nicht ins Tal hinein»

Bei den im Raum Bondo vermissten Personen handelt es sich um Berggänger.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Raffaele Merlo arbeitete in Bondo, als der Felssturz niederging. «Bis am Nachmittag sah man das Ende des Tals nicht, weil sich so viel Steinpulver in der Luft befand», sagt er. Eine halbe Stunde nach dem Felssturz sei das Material im Dorf angekommen. «Das riesige Auffangbecken war schnell voll», so Merlo. Ebenso rasch sei die Bevölkerung evakuiert worden.

Am Mittwochabend sei dann ein Gewitter gekommen, das die Hauptstrasse mit Material zuschüttete. «Hoffentlich gibt es nicht ein weiteres Gewitter, das noch mehr Material ins Dorf schiebt», so Merlo.

Acht Personen werden vermisst

Bereits seit einiger Zeit erwarte man in Bondo einen grösseren Felssturz. «Es ist täglich Material gekommen. Es war eine Frage der Zeit», sagt Merlo.

Derzeit werden im Gebiet oberhalb des Dorfs Bondo sechs Personen vermisst. Darunter sind Staatsangehörige von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es handle sich vermutlich um Berggänger, die in der Region unterwegs waren, sagt die Polizei.

«Zwei Personen, die sich möglicherweise auch in diesem Gebiet aufgehalten haben, konnten noch nicht erreicht werden», sagt Roman Rüegg von der Kantonspolizei Graubünden. Es sei aber noch keine Vermisstenanzeige eingegangen. Dass sich noch mehr Leute im Gebiet unterwegs waren, sei nicht wahrscheinlich. Ausschliessen lasse es sich derzeit aber nicht.

Situation ist relativ ruhig

Der Fussweg von der SAC-Hütte Sasc Furä nach Bondo ist unterbrochen. Deshalb wurden die Gäste gestern per Helikopter ausgeflogen. «Nachts wurde mit Helikoptern und Wärmebildkameras nach den vermissten Personen gesucht», erzählt Barbara Salis, Wartin der SAC-Hütte Sciora. Sie wird heute Abend ausgeflogen. Die Hütte bleibt vorübergehend geschlossen. «Das Tal ist nicht mehr begehbar», sagt Salis.

«Derzeit sei die Situation relativ ruhig», sagt Rüegg. Der Bach bringe kein Geschiebe mit. Die Sicherheit werde laufend überwacht. Wann die Bevölkerung oder ein Teil der Bevölkerung wieder in ihre Häuser in Bondo zurückkehren kann, sei noch nicht klar.

Gebiet war bereits seit Tagen unruhig

Heute Nachmittag um 15 Uhr findet eine Neubeurteilung der Lage statt. «Die Einwohner sind derzeit bei Verwandten und Bekannten sowie im Spital im benachbarten Bregaglia untergebracht», sagt Rüegg weiter. Etwa 400 Personen wurden evakuiert. Im 200-Seelen-Dorf hat es keine Verletzte gegeben.

Bergführer Ervin Jacomet war am Montag mit einer Gruppe Gäste auf der SAC-Hütte Sciora und hat einen ersten Felssturz gefilmt. «Auch meine Bergführer-Kollegen haben noch nie so einen grossen Sturz gesehen», sagt Jacomet. Es sei massiv, wie viel Material heruntergekommen sei.

(tam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S.M. + M.S. am 24.08.2017 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wir waren gerade noch da....

    Ach du meine Güte... wir waren gerade noch da vor 2 Wochen, es ist so eine wunderschöne Gegend. Ich bin total schockiert, wie es jetzt aussieht. Es tut mir sehr leid für die Bewohner von Bondo. Viel Glück und ich hoffe, wir können irgendwie helfen, wenn es nötig ist. Dafür würden wir sofort den Rest unserer Jahresferien nehmen und hinfahren!

    einklappen einklappen
  • GR-Tourist am 24.08.2017 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Gewaltig

    Gewaltig die Kraft der Natur. Die Videos, in denen zu sehen ist, wie die Gerölllawine Ställe und Brücken einfach niederreisst und mitschwemmt sind extrem eindrücklich. Hoffentlich können die Vermissten rechtzeitig gefunden und gerettet werden. Das Bergell ist ein wunderschönes Alpinwander- und Klettergebiet.

  • Sugus am 24.08.2017 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Film wo ?

    Auf ARD haben die eben einen Film gezeigt, wo man den Bergsturz sieht. - Gewaltig, wie der ganze Berg runterzukommen scheint

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • P.K am 25.08.2017 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer kristiseren

    Ich verstehe nicht wieso ihr sich viele als Naturexperten aufspielen müssen oder Doris kritisieren. Können wir nicht mal das Verurteilen lassen und hoffen und beten dass die vermisste Personen lebendig gefunden werden?

  • Ramona Weder am 25.08.2017 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    Es hatte Warntafeln, die bekanntlich aber immer nur für die andern gelten. Zudem finde ich es grundsätzlich heikel, Warntafeln aufzustellen. Das heisst, man weiss von der Gefahr und hätte folglich das Gebiet also eher sperren sollen, auch wenn grad Hochsaison ist für Bergsteiger und Kletterer. Es ist aber jeder für sich selbst verantwortlich, das soll auch so bleiben. Tragisch für die Vermissten und ihre Angehörigen, aber das Leben ist nicht immer nur schön. Der alte Dorfkern ist unbeschädigt, das heisst etwas. Zudem sind angeblich Kühe von alleine rechtzeitig aus der Gefahrenzone gelaufen.

    • Chrissy am 25.08.2017 13:29 Report Diesen Beitrag melden

      Selbstverantwortung

      Genau, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Man kann nicht immer alles für alle komplett absichern. Hätten sie das Gebiet gesperrt wären sicher trotzdem welche über den "Zaun" geklettert....

    einklappen einklappen
  • marlies am 25.08.2017 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    naturgewalt

    natur rächt sich natur hat gewalt über den menschen und nicht der mensch über die natur hier ein beispiel über die klimaveränderung sollte endlich mal zu denken geben

  • dudelu87 am 25.08.2017 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik nicht fähig???

    In der Schweiz ist zurzeit ein gesamtes Katastrophen Hilfe Batallion der Schweizer Armee im WK. Welche sich mit Ausbildungen und Übungen herumschlagen. Das niemand, der Kanton und der Bund nicht auf die Idee kommt dieses zu alarmieren, wird mir ein Leben lang ein Rätsel bleiben. 1000 Soldaten mit Rettungsgeräten, welche seit ihrer Ausbildung darauf warten etwas Gutes zu tun. Verstehe es wirklich nicht.

  • Wanderin am 25.08.2017 01:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viale geschlossen

    Wir waren vor einer Woche dort und der Verbindungsweg Viale der die zwei SAC Hütten verbindet war wegen akuter Felssturzgefahr geschlossen und es wurde eindringlich davor gewarnt, diesen zu begehen. Trotz dieser Warnung haben sich mehrere Personen auf den Weg begeben und es kam dort schon zu kleineren Felsstürzen. Der Weg zur SAC Hütte Sciora war allerdings offen und angesichts der vielen Autos die letzte Woche dort hinten im Tal parkiert waren kann man von Glück reden, dass nicht mehr Personen vermisst werden. Ich wünsche den Angehörigen, dass sie bald wissen, was mit ihren Liebsten passierte