Bergsturz im Bergell

26. August 2017 18:00; Akt: 26.08.2017 18:04 Print

«Viele Wanderer unterschätzen die Risiken»

von Simon Beeli - Wegen der Klimaerwärmung steigt die Gefahr von Steinschlägen und Murgängen in den Alpen. Geologe und SAC-Experte Hans Rudolf Keusen sagt, worauf man bei Bergtouren achten muss.

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Bedrohliche Gesteinsmassen: Eine weitere Million Kubikmeter könnte jederzeit vom Piz Cengalo abbrechen. Musste Bergung abbrechen: Einsatzleiter Andrea Mittner informiert die Medien. (26. August 2017) Bild: Thomas Egli Erneuter Murgang: Schlammlawine in Bondo. (25. August 2017) In diesem Tal sind die acht Wanderer verunglückt: Bondo nach dem Bergsturz. Flucht aus der Gefahrenzone: Im Nachbardorf Stampa kommt ein Auto nach dem anderen von Bondo her. Der Zonenplan, der über Zugang oder Evakuierung der Häuser in Bondo entscheidet: Grün für uneingeschränkten Zugang, im orangen Bereich muss mit neuerlichen Evakuierungen gerechnet werden, die rote Zone bleibt evakuiert. Blau bedeutet verschüttet. Polizeisprecher Roman Rüegg informiert am Freitag über die vermissten Wanderer. (25. August 2017) Anna Giacometti erklärt, welche Bewohner wieder nach Hause dürfen und welche nicht. (25. August 2017) Bagger räumen die Geröllmassen weg. (25. August 2017) Nach den Vermissten wurde unermüdlich gesucht. (25. August 2017) Sichert dem Bergeller Dorf jede erdenkliche Unterstützung der Behörden zu: Bundespräsidentin Doris Leuthard begegnet Bondos Gemeindepräsidentin Anna Giacometti gefühlvoll. (24. August 2017) Bild: Screenshot SRF Die Hauptstrasse durchs Bergell ist geschlossen: Autos stauten sich vor dem Portal der Umfahrung des Orts. (23. August 2017) Bundespräsidentin Doris Leuthard ist angereist. (24. August 2017) Berggänger werden mit einem Helikopter der Air Bernina evakuiert. (24. August 2017) 32 Personen sind mit dem Helikopter ausgeflogen worden, wie die Behörden am Donnerstag bekannt gegeben haben. (24. August 2017) Die Strasse ist schwer beschädigt. (24. August 2017) Das Bild der Zerstörung im Sonnenlicht. (24. August 2017) Die Abbruchstelle aus der Luft. (24. August 2017) Material des Felssturzes hat der Bach Bondasca als Murgang talauswärts bis nach Bondo geschoben. (Screenshot SRF) Zwei Ställe am Dorfrand wurden zerstört. Und im Val Bondasca walzten die Gesteinsmassen zehn Ställe und Maiensässe nieder. (23. August 2017) Bergsturz in Bergell: Die Rettungsteams haben ihre Suche nach vermissten Personen in Bondo GR intensiviert. (24. August 2017) Die Polizei hat eigene Helikopter und einen der Armee im Einsatz. Die Gemeindepräsidentin von Bergell, Anna Giacometti, spricht zu den Medien in Bondo. Barbara Janom Steiner, Regierungsrätin des Kantons Graubünden und Anna Giacometti, Gemeindepräsidentin von Bregaglia sind vor Ort. Rund 4 Millionen Kubikmeter sind zu Tal gedonnert: Das Geröll hat sich über 500 Meter Länge verteilt. An einzelnen Stellen ist es mehrere zehn Meter hoch. Ausmass der Verwüstung: Gemäss Angaben der Kantonspolizei Graubünden wurden bisher acht Personen vermisst gemeldet. (24. August 2017) Der Murgang stoppte knapp vor den Wohnhäusern: Wegen des Bergsturzes ist das Bergdorf Bondo im bündnerischen Bergell komplett evakuiert worden. (23.August 2017) 100 Personen wurden wegen allfälliger weiterer Steinschläge evakuiert. Grenzberg zwischen Italien und der Schweiz: Die Felsmassen brachen vom Piz Cengalo (3369 m ü. M.) ab. Die Leitplanken und einzelne Bäume behaupten sich gegen die Naturgewalt. (24. August 2017) «Wir haben gewusst, dass sich wieder ein Felssturz ereignen könnte», sagte Gemeindepräsidentin Anna Giacometti, allerdings sei man von der grossen Menge der Geröllmassen überrascht. SAC-Hütten über den Luftweg evakuiert: Helikopter führten Suchflüge durch und flogen einige Personen aus dem Gefahrengebiet aus. Spuren der Naturgewalt: Bondo und der Weiler Spino wurden evakuiert, das Dorf Soglio ist von der Aussenwelt abgeschnitten. Gesperrte Hauptstrasse zwischen Stampa und Castasegna: Alternative Verkehrsrouten führen über den Berninapass und das Puschlav. Da war noch alles in Ordnung: Die Region ist bei Wanderern vor allem wegen ihrer malerischen Umgebung bekannt. Wenige Tage später: Die Gegend liegt unter einer dicken Schicht Geröll.

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Herr Keusen, der Bergsturz bei Bondo war einer der schlimmsten seit Jahren, acht Alpinisten wurden unter den Geröllmassen begraben und gelten als vermisst. Kann man überhaupt noch sorgenfrei in die Berge gehen oder muss man ständig mit der Angst leben, dass etwas passieren kann?
Hans Rudolf Keusen:
Völlig unbeschwert sollte man nicht wandern gehen. Es braucht den notwendigen Respekt gegenüber dem Berg. Bondo war allerdings ein ausserordentliches Ereignis.

Wie gefährlich ist die Lage in den Schweizer Bergen wirklich?
Die Klimaerwärmung und der Gletscherrückgang bringen neue Gefahren. Es dürfte zu mehr Steinschlägen und Murgängen kommen. Ich erwarte jedoch keine dramatische Zunahme dieser Naturgefahren.

Welche Gebiete sind potenziell von möglichen Fels- oder Bergstürzen betroffen?
Gebiete mit auftauendem Permafrost oberhalb von etwa 2'500 m ü. M. Und Gebiete, wo sich die Gletscher stark zurückziehen.

Gibt es Gefahrenzonen, die derzeit unter besonderer Beobachtung stehen?
Es gibt diverse Gebiete, die beobachtet werden. Zum Beispiel das Val Strem im Hinterrheintal oder Gebiete bei Grindelwald im Berner Oberland. Auch im Tessin gibt es verschiedene Hot Spots, wo wir Messungen vornehmen.

Wie misst man das Risiko?
Messungen der Geländeveränderungen geben Auskunft über mögliche Gefahrenpotenziale. Wenn sich die Felsbewegungen beschleunigen, steigt die Gefahr.

Wird die Lage in den Alpen in Zukunft noch gefährlicher?
Ja, wie gesagt führen der Gletscherrückgang und das Auftauen des Permafrostes zu einer Zunahme der Gefahren.

Wie soll man sich als Wanderer korrekt in den Bergen verhalten? Worauf ist zu achten?
Man sollte sich unbedingt vorgängig über die Wegverhältnisse orientieren, z.B. im Internet. Wichtig ist auch, dass man allfällige Warntafeln beachtet, es gibt zurzeit verschiedene Wege in den Schweizer Alpen, die gesperrt sind. Auch die richtige Ausrüstung ist unabdingbar. Daneben sollte immer auf das Wetter geachtet werden. Ein guter Ratschlag ist es immer, Augen und Ohren offen zu halten.

Unterschätzen Alpinisten die Gefahr?
Alpinisten vielleicht weniger, aber Wanderer schon. Es gibt viele Wanderer, welche die Risiken in den Bergen unterschätzen.

Die Behörden müssen auf Gefahrengebiete hinweisen. Haben sie die Lage im Griff?

Ich denke, den Bedingungen entsprechend ja.

Mittlerweile hat die Polizei die Suche nach den Vermissten in Bondo eingestellt. Haben die acht Wanderer überhaupt noch Überlebenschancen?
Kaum. Da bin ich sehr pessimistisch.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Didi Zwicky-Hefti am 26.08.2017 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeit

    Für die Angehörigen ist es sehr traurig,auch ich habe meinen Grossvater an der Linth beim Hochwasser 1936 verloren und liegt wahrscheinlich im Wallensee,den Angehörigen wünsche ich hie und im Ausland ganz viel Kraft,

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  • Werner am 26.08.2017 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umsonst gewarnt

    Die Situation ist natürlich für alle acht sowie deren Hinterbliebenen furchtbar und absolut untröstlich. Doch man muss sich schon auch fragen, warum ignorierten alle acht Wanderer die angeblich riesigen Warntafeln. Nur schon deren Grösse müssten einem hellhörig machen. Und deshalb sind die Verunfallten, so tragisch es auch tönt, eigentlich schon selber schuld.

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  • Realist am 26.08.2017 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Vermisste Wandere

    Alles was man da tun musste war die Ränder des Schuttkegels absuchen. Wenn sie da von ein paar Steinen getroffen worden wären und verletzt wären hätte man sie retten können. Wenn sie nicht verletzt wären wären sie längst irgendwo (Alphütte oder Dorf) aufgetaucht. Wenn sie vom Geröll verschüttet wurden dann sind sie leider tot und es bringt nichts weitere Menschenleben aufs Spiel zu setzen. Mein Beileid den Hinterbliebenen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Berner Bär am 30.08.2017 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel-Propaganda

    Noch vor 30 Jahren prognostizierten dieselben Klimatologen, die uns nun eine massive Zunahme der Temperatur eintrichtern wollen, eine neue Eiszeit. Spätestens 2100 sollten die Gletscher im Murifeld eintreffen. Und ach so plötzlich, als das progrostizierte Waldsterben-Horrorszenario nicht eintraf, sondern das Gegenteil eintraf, die Wende: Klimaerwärmung! Nur dumm, dass die Durchschnittstemperatur seit dem Jahrhundertwechsel sinkt...

  • Rita am 27.08.2017 15:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Davos

    ich war in Davos in den Frauen mit stöckli Schuhen auf den auf 2300.über mehr und auch8 Männer nicht besser auch mit Herz schmerzen selber erlebt die Frau wollte noch weiter noch hoch ?

  • Ronny C. am 27.08.2017 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte ?

    Plünderer ? Hallo, wo sind wir denn ? Ich gehe mal davon aus, dass das keine einheimischen Graubündner sind, die dort Sachen mitgehen lassen.

  • Lisa am 27.08.2017 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wo...

    ...sind jetzt genau die Spendengelder aus dem Ausland? Ach genau, für unsere Katastrophen spendet ja niemand...

    • Emma am 27.08.2017 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lisa

      Ich habe schon immer gesagt passier etwas in der Schweiz,sind alle still,nur für das Ausland hat der Schweizer Geld,wie für Hungersnot in Afrika,und der Boss wo das Land Regiert,ist dick und sehr wohl genährt und das macht mich traurig,

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  • Lara am 27.08.2017 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Warum dieses Tal nicht schon längst geschlossen wurde, ist ein Rätsel!

    • Juri am 27.08.2017 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lara

      Sind ja nur Touristen die umkommen, keine Einheimischen.

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