Kreuzlingen

19. Juni 2017 06:55; Akt: 19.06.2017 06:55 Print

Schüler bestimmen selbst, wann sie Ferien haben

An der SBW-Schule in Kreuzlingen startet ab August der Talent-Campus Bodensee. Dort wird es neu die 5. und 6. Klasse auf Gymnasialstufe geben – und flexible Ferientermine.

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So soll der Talent-Campus dereinst aussehen. Zur Zeit befindet er sich aber noch im Bau.(Bild: Talent-Campus/ Galerie)

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«Mach Ferien, wann es Dir passt!»: Mit diesen Worten wirbt der Talent-Campus Bodensee in Kreuzlingen TG auf seiner Website. «Talent, Leidenschaft und Leistung stehen im Mittelpunkt», beschreibt Leiter Christoph Bornhauser das neue Konzept gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag». Die Schüler würden dementsprechend nicht in Klassen unterteilt, sondern in Leistungsgruppen. Sinn der Schule sei es, dass die Schüler ihre selbst gesteckten Ziele erreichen.

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Es geht nicht nur um die schulischen Ziele

Damit nicht nur schulische Ziele erreicht werden können, setzt die Schule auf ein weiteres Schweizer Novum: flexible Ferien. Laut Bornhauser können so beispielsweise sportlich begabte Schüler an Wettkämpfe oder in Trainingslager reisen und den verpassten Unterrichtsstoff in den insgesamt sieben zusätzlichen Lernwochen vor- oder nachholen. Diese Lernwochen werden während den offiziellen Ferien angeboten. Einfach so und ganz ohne Begründung gibt es die ausserterminlichen Ferien allerdings nicht. Bornhauser: «Die Abwesenheit des Kindes muss schulisch und familiär sinnvoll sein, etwa eine längere Reise, einen Sprachaufenthalt oder ein Lernpraktikum beinhalten.»

Auf dem SBW-Campus finden sich unter anderem die International Swiss School Kreuzlingen Konstanz, die Nationale Elitesportschule Thurgau und jetzt neu die erste 5. und 6. Gymnasialklasse in der Schweiz. Bornhauser: «Das ist ein Bedürfnis vieler deutscher und vermehrt auch Schweizer Eltern.» Rein rechtlich werden die beiden Klassen auf der Primarstufe geführt. Doch die Schule biete viele zusätzliche Kurse und Fächer auf gymnasialem Niveau.

Die Aufnahme in diese Klassen werde laut Bornhauser nicht über eine Prüfung, sondern durch Zeugnisse und Bewerbungsgespräche gewährt: «Wir wollen abklären, ob der Besuch des Gymnasiums der Wunsch des Kindes und der Eltern ist.»

Privatschulen arbeiten mit individuellem Unterricht

Zur Zeit gebe es zehn Interessenten an der Gymnasialstufe, das Anmeldeverfahren laufe aber noch. Laut Bornhauser werde man auch mit wenigen Schülern eröffnen. Die Klassen starten offiziell nach den Sommerferien, der Talent-Campus soll am 14. August mit rund 250 Schülern eröffnen. Diese seien hauptsächlich aus dem Thurgau, kämen aber auch aus St. Gallen, Winterthur, Graubünden und Deutschland. Laut Bornhauser ist man im Kontakt mit Interessenten rund um den Globus, um Spitzensportler und Jugendliche, die eine gute Schweizer Bildung schätzten, an den Talent-Campus zu locken. Ein Schuljahr an der Privatschule koste 23'000 Franken. Ein Fonds, um talentierten Kindern wenig begüterter Eltern den Schulbesuch zu ermöglichen, ist laut Bornhauser in Planung.

Für Jürg Brühlmann, Mitglied der Geschäftsleitung des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, ist das Schulkonzept nichts Revolutionäres: «Es ist schlichtweg ein weiteres Konzept einer Privatschule im Thurgau.» Er geht davon aus, «dass die Verantwortlichen den Markt vorher sondiert haben». Auch in den flexiblen Ferien sieht er nicht unbedingt ein Problem: «Viele Privatschulen arbeiten mit einem grossen Anteil an individuellem Unterricht. Da ist es egal, wer wann da ist.»

(gts)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Ball am 19.06.2017 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ziele selber setzen

    5. Klässler sollen sich Ziele selber setzen. Da lachen ja die Hühner.

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  • Patrick am 19.06.2017 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder brauchen Strukturen

    Willkommen in der multioptionalen Gesellschaft ohne fixe Regeln und Grenzen. Dieses Modell bereitet die Jugendlichen nicht auf das reale Leben vor und ist deshalb von Vornherein zum Scheitern verurteilt.

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  • Mammaleone am 19.06.2017 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme Kinder

    Wir müssen unbedingt Aktiv werden. Unser Schulsystem ist Total veraltet. Leistung wird schon id den klasse 1-3 in die Köpfe "gedrillt" bei uns in der Gemeinde hat es alte Lehrer die unseren Kindern das Trinken verbieten (u.s.w) das geht überhaupt nicht. Wir sollten auf Augenhöhe einander begegnen, aber ganz sicher nicht auf diese unterdrückte Art.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • L.DSino am 20.06.2017 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrer wollen flexibler sein

    Das werden eher die Lehrer sein die flexible Ferien wollen. Bei 11-13 Wochen im Jahr natürlich sehr wichtig. Unglaublich unser Bildungswesen welches immer schlaffer wird und immer mehr Kosten verursacht.

  • beggo Kreuzlingen am 19.06.2017 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutterschaftsurlaub

    die sollten mehr Mutterschaft urlaub geben anstatt den Schülern. die sollten mehr Struktur machen fürs lernen

  • Alejandro DeTomaso am 19.06.2017 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBW = Top

    War auch ab der Sek für drei Jahre SBW-Herisau Schüler. War eine super Zeit. Ich erinnere mich sehr gerne daran.

  • ehem. Spitzenathletin am 19.06.2017 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Einzig guter Input für die Ausübung des Spitzensport, dass flexible Ferien möglich sind, sonst bringts nichts, aber für die flexible Ferien kann man auch im Sport ins Sportgymi...

  • Fraz am 19.06.2017 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut

    Bis auf die flexiblen Ferien eine tolle Sache wie es scheint.