«Zu laut»

23. Februar 2017 05:50; Akt: 23.02.2017 05:50 Print

Nachbar bei der Kesb angeschwärzt

Eine St. Gallerin fühlte sich von ihrem Nachbarn belästigt. Der Mann war ihr zu laut. Weil nichts half, schwärzte sie ihn kurzerhand bei der Kesb an. Nun muss sie vor Gericht.

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Die Beschuldigte muss sich kommenden Dienstag vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. (Bild: 20M)

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Die ledige St. Galler Geschäftsfrau und der Mieter direkt über ihr werden wohl keine Freunde mehr. Weil er ihrer Meinung nach derart laut ist, dass sie es auch in ihrer Wohnung hört und sich daran stört, hat sie erst das Gespräch mit der Vermietung und der Polizei gesucht. Wie es im Strafbefehl heisst, allerdings mit keiner zufriedenstellenden Lösung.

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Deshalb begann die heute 56-Jährige ihren Nachbarn (42) bei der Kesb zu verunglimpfen. Am 4. April 2016 reichte sie eine schriftliche Gefährdungsmeldung ein, in der Hoffnung, so ihr nachbarschaftliches Problem zu lösen. Im Schreiben schildert sie, dass ihr Nachbar «zwangsgestört» Tag und Nacht herumstampfe, und dies gewaltvoll und aggressiv. Zudem sei er nicht ansprechbar, erscheine geistig behindert, wahrnehmungsgestört und habe eine starke Behinderung. Er benehme sich frauenfeindlich aggressiv und sei verwahrlost.

«Eine Zumutung für andere Mieter»

Doch damit nicht genug. Wie es im Strafbefehl weiter heisst, soll sie ihm Schreiben auch erwähnt haben, er hätte über längere Zeit zwei Kinder für eine Stunde in die Wohnung genommen, diese aggressiv zusammengeschrien, so dass «Befürchtungen anderer Art» vorhanden seien.

Mitte April informierte sie die Kesb telefonisch, dass ihr Nachbar psychische Probleme habe und Psychopharmaka einnehme. Zudem fielen Ausdrücke wie «Gewalttäter» und «Terror». Knapp zwei Monate später meldete sie sich erneut bei der Kesb und bezeichnete ihren Nachbarn als geistig zurückgeblieben, er sei «auch eine Zumutung für andere Mieter».

Daraufhin wurde der Nachbar von der Kesb zum Gespräch vorgeladen und er erhielt Akteneinsicht. In der Folge erstattete der Mann Anzeige gegen die Frau, da diese offenbar wissentlich und willentlich seinen Ruf zu schädigen versuchte. Die Kesb ihrerseits stellte das Verfahren gegen ihn ein, die Gefährdungsmeldung sei unbegründet.

Ihr droht Geldstrafe wegen übler Nachrede

Weil die Beschuldigte gegen den Strafbefehl Einsprache erhob, kommt es kommenden Dienstag zur Verhandlung vor dem Kreisgericht St. Gallen. Der Frau droht eine Geldstrafe wegen übler Nachrede von 45 Tagessätzen zu je 30 Franken – unbedingt, weil sie bereits vorbestraft ist, unter anderem wegen Beschimpfung.

Ob sich die Probleme der beiden Mieter inzwischen geklärt haben, bleibt offen.

(taw)