Neckertal SG

27. Juni 2017 14:16; Akt: 27.06.2017 14:17 Print

Schweizer Scheinehe mit Kosovarenpaar flog auf

Yolanda (62) und Werner A.* (66) waren fast 30 Jahre ein Paar. Dann liessen sie sich scheiden – und heirateten rund dreissig Jahre jüngere Kosovaren. Der Schwindel flog auf.

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Ein Ehepaar, das in Neckertal im Kanton St. Gallen wohnt, wollte mit Scheinehen ein kosovarisches Paar in die Schweiz holen. (Bild: Dietrich Michael Weidmann)

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Jahrelang engagierte sich das Ehepaar A. im Kosovo. Nun ging der Hilfsgedanke allerdings etwas zu weit: Kurz nachdem sich die beiden ohne Vorwarnung scheiden liessen, ging Werner eine Ehe mit Bukurie B. (34) ein, Yolanda heiratete derweil Zenun G. (35). Kurios: Bukurie und Zenun waren bis zu den Hochzeiten selbst ein Paar und haben zwei gemeinsame Kinder.

Trotz der Scheidung wohnten Yolanda und Werner weiterhin im gleichen Haus. So weit, so gut. Doch als das Schweizer Ex-Ehepaar im Februar 2016 bei der Schweizer Botschaft Gesuche für Zenun und Bukurie einreichten, legten die Behörden ein Veto ein. Die frischgebackenen Ehepartner aus dem Kosovo durften nicht in die Schweiz einreisen, Yolanda und Werner wurden wegen Scheinehen verurteilt.

Die Urteile sind rechtskräftig und dem Schweizer Ehepaar wurde eine Geldstrafe aufgebrummt. wie «Blick» berichtet.

«Schuldgefühle habe ich noch lange nicht»

Werner A. würde alles wieder genau gleich machen. Er engagierte sich schliesslich seit vielen Jahren als Helfer im Kosovo. «Ja, ich bin jetzt vorbestraft. Aber Schuldgefühle habe ich deswegen noch lange nicht», sagt der pensionierte Migros-Filialleiter gegenüber «Blick». Ex-Gattin Yolanda stimmt Werner in allen Belangen zu. Ursprünglich sei der Plan gewesen, die neuen Partner samt Kindern ins Neckertal zu holen und unter einem Dach zu vereinen. Die Motivation sei vor allem gewesen, dem Paar aus dem Kosovo ein Leben ohne Sorgen in der Schweiz zu ermöglichen. «Die Region ist ein Pulverfass», sagt Werner über den Kosovo.

Obwohl für die Behörden klar ein Fall von Scheinehen vorliegt, hätten es Werner und Yolanda ernst gemeint mit den Ehen. «Sie sind immer in unseren Herzen, mehr verrate ich Ihnen nicht», sagt Werner überzeugt.

Finanziell von Schweizer Ehepaar abhängig

Dass Werner zu seiner Ehegattin in den Kosovo zieht, schliesst er aber aus: «Ich lebe seit über 60 Jahren hier und möchte auf die medizinische Versorgung in der Schweiz nicht verzichten.» Trotz seiner Verurteilung wegen Scheinehe glaubt er daran, die Ehepartner auf legalem Weg in die Schweiz zu holen. «Wir geben nicht auf und wollen ein Happy End!»

Würde die Einreise zustande kommen, wären Bukurie B. und Zenun G. finanziell komplett von dem Schweizer Ex-Ehepaar abhängig – beide sind pensioniert. Auch in Themen wie Erziehung oder Berufssuche wäre das kosovarische Pärchen auf Werner und Yolanda angewiesen.

(air)