Davos GR

19. April 2017 05:53; Akt: 19.04.2017 12:08 Print

Spital stellte Touristin viel zu hohe Rechnung

Eine britische Touristin ging mit Ohrenschmerzen ins Spital Davos. Wieder zu Hause erhielt sie eine vierstellige Rechnung. Als sie sich wehrte, wurde der Betrag zweimal gesenkt.

storybild

Das Spital Davos: Hier liess sich eine junge Britin behandeln und erhielt danach eine saftige Rechnung. (Bild: Wikimedia/Adrian Michael)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Faye Merrony ist 23-jährig und kommt aus Wales. Gemeinsam mit ihrer Mutter kam sie nach Davos, um Ski zu fahren, wie der «Beobachter» in seiner aktuellen Ausgabe schreibt. Bereits im Flugzeug von London nach Zürich bekam sie Schmerzen im Ohr. Auf der Fahrt nach Davos wurde es übler, weshalb sie statt auf die Piste direkt ins Spital fuhr.

Umfrage
Haben Sie auch schon falsche oder zu hohe Rechnungen erhalten?
36 %
25 %
19 %
20 %
Insgesamt 1113 Teilnehmer

In der Notfallaufnahme wurde sie behandelt, der Schmerz ging weg und Merrony konnte mit ihrer Mutter die geplanten Skiferien geniessen. Drei Monate später traf sie zu Hause fast der Schlag: 1586 Franken betrug die Rechnung des Spitals Davos.

Untersuchungszeit stimmt nicht

Als sie die Rechnung genauer anschaute, entdeckte sie mehrere Unstimmigkeiten. «Nach meinem Empfinden hat die ganze Untersuchung wenig mehr als eine Viertelstunde gedauert», sagt Merrony gegenüber dem «Beobachter». In der Rechnung wurde allerdings eine Untersuchungszeit von 45 Minuten berechnet. Ausserdem fiel ihr eine Belastung namens Neurostatus über 850 Franken auf. Dabei handelt es sich um eine fachärztliche Untersuchung auf Reflexe oder Schmerzempfindlichkeit. Merrony beteuert jedoch, eine solche Untersuchung sei bei ihr nicht durchgeführt worden.

Sie beschwerte sich und bekam eine neue Rechnung. Neurostatus stand immer noch darauf, allerdings wurden ihr dafür nur noch 714 Fr. belastet. Nochmals prüfte Merrony mit ihrer Mutter die Rechnung und entdeckt weitere eigenartige Belastungen, etwa «ärztliche Leistungen in Abwesenheit des Patienten» oder «nichtärztliche Betreuung ambulanter Patienten». Merrony: «Ich konnte mir nicht erklären, was damit gemeint sein soll.» Sie reklamierte erneut. Das Spital Davos nahm daraufhin den Neurostatus von der Rechnung – Merrony soll nun noch 553 Franken zahlen.

«Rechnung grenzt an Betrug»

«Auch das ist noch viel zu viel», sagt Sandra Kobelt, Leiterin Kommunikation des Branchenverbands Santésuisse. «Die erste Rechnung grenzte allerdings an Betrug.» Die Behandlung sei unangemessen teuer berechnet worden. Merrony habe aber den Fehler gemacht und die Versichertenkarte nicht dabeigehabt. «So kam der Tarifschutz innerhalb der EU und der Schweiz nicht zum Tragen. Dadurch wird die Rechnung meistens teurer», sagt Kobelt. Ohne Versichertenkarte gälten ein anderer Tarif und andere Faktoren. «Für Schweizer im Ausland gilt das Gleiche», erklärt sie.

Auch Margrit Kessler, Stiftungsratspräsidentin SPO Patientenschutz, findet den Vorfall unschön. «Bei Ausländern ausserhalb des EU-Raumes hätte die Rechnung die 10'000 Franken bei einer Übernachtung weit überstiegen», so Kessler. «Doch EU-Bürger sollten im Notfall gleich wie Schweizerinnen und Schweizer behandelt werden.» Das Problem sei aber auch das Gesundheitswesen in der Schweiz allgemein, das einfach sehr teuer sei.

Von Seiten des Spitals räumt man ein, dass bei der Leistungserfassung ein Fehler passiert sei. An den übrigen Positionen hält man fest: «Der Patientin liegt eine Rechnung vor, die ihren ambulanten Behandlungsprozess abbildet und den Regeln des Tarmed entspricht. Für die Fehler bei der Rechnungsstellung haben wir uns bei der Patientin entschuldigt», so Spitaldirektor Hans-Peter Wyss zum «Beobachter».

(air)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schnitzelkind am 19.04.2017 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkassenprämien

    Man stelle sich vor die Rechnung wäre direkt zur Versicherung. Die hätten sie dann einfach bezahlt. Da fragt man sich doch, wie oft versuchen Spitäler/Ärzte mit einer zu hohen Rechnung durchzukommen? Sind die Krankenkassenprämien vielleicht darum so hoch? Das ist wie bei den Autowerkstatten, die immer mindestens einen Betrag der Versicherung angeben, bei dem nicht nachgefragt wird. Auch wenn die Reparatur eigentlich billiger ist.

    einklappen einklappen
  • Spyy83 am 19.04.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frechheit

    also entweder kostet die erbrachte leistung den preis oder nicht. unabhängig ob die versichertenkarte dabei ist oder nicht. vorallem ist bei ungerechtfertigt hohen rechnungen die gefahr, dass die rechnung nicht bezahlt wird viel grösser. die rechtliche handhabe ist da sehr klein. die schweiz ist teuer, es gibt regeln, aber das man gäste so zusätzlich mehr abzockt, als heimische, damit hab ich extrem mühe. und dann wieder jammern, wenn touristen ausbleiben.

    einklappen einklappen
  • Goofys mom... am 19.04.2017 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch mit Schweizern Usus

    Wird auch mit Schweizern so gehandhabt; zweimal erlebt!...Hirslanden lässt grüssen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Susi am 19.04.2017 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Rechnung prüfen!

    Die Spitalrechnung lasse ich mir immer von meiner KK zustellen um diese zu überprüfen.

  • Beni am 19.04.2017 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wow:-)

    10000 CHF für eine Spitalnacht bei sogar stinknormalen Patienten, welche nicht aus der Schweiz/EU kommen?! Kein Wunder hebt man sogar das Nachtflugverbot auf wenn ein Scheich mit einem verstauchtem Fuss in ein CH Spital will:-) Wenn man nämlich Touristen schon 10000 abknüpfen kann, was wird dann wohl der Scheich auf den Tisch legen:-) 10000 wird er vermutlich der Krankenschwester für eine Blutdruckmessung als Trinkgeld zustecken:-)

  • Tommy am 19.04.2017 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte um Aufklärung!

    "Eine Nacht im Spital hätte 10'000 CHF überstiegen"?! Die gnädige Dame soll uns mal erklären wie sowas möglich ist! Würde der gast von Ausserhalb der CH/EU Kaviar und Champagner serviert bekommen? Wären ständig 20 Miezen um ihn und würden ihm jeden Wunsch von den Lippen ablesen?! Wären min. 10 Prof. Dr. Phil. Magister und wie die Titel alle heissen im Nebenraum versammelt und würden den Gesundheitszustand überwachen?! Bekäme der Patient goldene Pyjama etc.?! Bitte um Aufklärung sehr geehrte Frau Kessler!

  • Erik am 19.04.2017 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke nun auch bei Touristen!

    Also machen jetzt CH- Spitäler nun auch bei der Touristenabzocke munter mit?! Insbesondere in den USA sind solch Fantasierechnung nach einem Spitalbesuch eines Touristen die Regel. Hier sieht man jedoch sehr deutlich wie es zu und her geht im Gesundheitswesen, resp. wieso unsere Prämien in immer höhere Spähren steigen! Ausserdem: Was spielt es für eine Rolle woher ein Patient kommt?! Eine Nacht eines z.B. Inders im Spital ist nicht gleich lang wie die eines Schweizers?! Oder bekommt der Inder etwa eine völlig andere, viel bessere Betreuung und Behandlung als ein CH- Patient?!

  • Christoph S. am 19.04.2017 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    schöngeredet

    Das grenzt nicht an, das ist Betrug.