Bronschhofen SG

08. September 2017 05:55; Akt: 08.09.2017 05:55 Print

Anwohner wehren sich seit Jahren gegen Raserei

Mörikon bei Bronschhofen ist ein Raserparadies. Die Anwohner versuchen seit Jahren, wieder Ruhe ins Wohngebiet zu bringen. Nun fordern sie eine 30er-Zone.

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«Hier fahren sie wie die Räuber», sagt Max Egger. Er wohnt im Gebiet Mörikon an der Trungerstrasse und regt sich seit Jahren über rücksichtslose Fahrer auf. «Für die ist das wie die Gerade von Le Mans, da holen sie alles aus ihrem Wagen raus.» Statt der erlaubten 50 würde hier meist Tempo 80 oder 90 gefahren. «Ich fände es an der Zeit, dass sich etwas ändert», so Egger.

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Tatsächlich bemüht man sich in Mörikon schon lange, Ruhe ins Wohngebiet zu bringen. Doch: «Für Wil sind wir am Arsch der Welt, die interessieren sich nicht für uns», sagt Anwohnerin Claudia Ehrler, eine der treibenden Kräfte der Raser-Gegner gegenüber den «Wiler Nachrichten». Münchwilen fühle sich nicht zuständig, weil die Hälfte der Strasse zu Bronschhofen gehört.

Radarfalle rentiert

Angefangen hat die Raserei schon vor acht Jahren. Claudia Ehrler und ihr Mann Roger wandten sich an die Kantonspolizeien Thurgau und St. Gallen sowie die Gemeinde Bronschhofen. Diese habe es nicht für nötig befunden, etwas zu unternehmen. «Dazu können wir nichts sagen, da wir kleinere Anfragen nicht archivieren», sagt Florian Schneider, Sprecher der Kapo St. Gallen.

Ehrler sagt, erst der Gang zu den Medien habe damals Früchte getragen: Die Strasse wurde an mehreren Stellen verengt, zwei Mal wurde ein semistationärer Radar für mehrere Wochen an der Strasse platziert. «Das hat rentiert», sagt die Anwohnerin Regula Prudente. Schneider kann mehrere Temposünden in Mörikon bestätigen: «Im November 2009 wurden beispielsweise 91 km/h in der 50er-Zone registriert. Das hatte eine sofortige Ausweisabnahme und eine hohe vierstellige Busse zur Folge.»

Dann sei die Sache aber wieder in Vergessenheit geraten, es wurde weiter gerast. Dann sollte bis vor drei Jahren die Strasse in Mörikon ausgebaut werden. Wegen mehreren Verfahrensfehlern kam es aber lange nicht dazu. Erst im Juni dieses Jahres begann der Bau an Trunger- und Mörikonerstrasse.

Verkehrsinseln mit Schildern geplant

Durch Zufall erfuhren die Anwohner, dass neben der Sanierung auch zwei Verkehrsinseln geplant sind. Diese sollen fünf Meter lang werden und Verkehrsschilder an beiden Enden haben. «Wir haben die Vermutung, man will uns damit etwas Gutes tun», sagt Sohn Luca Prudente den «Wiler Nachrichten». Egger hingegen ist kritisch: «Dann fahren die Raser doch einfach im Slalom.»

Die Anwohner sehen ein weiteres Problem: Eine der beiden Verkehrsinseln soll direkt neben zwei Hauseinfahrten aufgebaut werden – und durch die Verkehrsschilder wäre die Sicht bei der Ausfahrt nicht mehr gewährleistet. «Im Winter könnte die Strasse nicht geräumt werden. Das Lärmproblem auf der Raserstrecke wird sich durch das Abbremsen und Beschleunigen vor und nach den Inseln weiter verstärken», so Luca Prudente.

«30er-Zone wäre zu begrüssen»

Die Anwohner wollten deshalb, dass die Verkehrsinseln an unbebauten Strassenabschnitten angebracht werden. Nachdem der Vorschlag abgelehnt wurde, wandten sich die Anwohner an den Wiler Stadtrat. Ihre Forderung: Tempo 30 auf dem ganzen Streckenabschnitt. «Es wäre zu begrüssen. Bei Tempo 30 wird dann zwar immer noch 50 Kilometer die Stunde gefahren, aber immer noch besser als 90», sagt Egger.

Der Antrag wird derzeit seitens des Baudepartements bearbeitet, wie die Stadt Wil mitteilt. Abklärungen auch mit der Kantonspolizei seien im Gange.

(air)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pragma tisch am 08.09.2017 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer mehr Einschränkungen

    Wenn das Problem Leute sind, die 80 und mehr in der 50er Zone fahren. Sehe ich die Lösung nicht in einer 30er Zone, sondern im durchsetzen der 50er Zone.

  • Anony Mouse am 08.09.2017 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tempo 30

    Nicht dass mich das stört, aber ich stelle fest dass alle Tempo 30 wollen vor der eigenen Hütte (speziell Familien), sich aber anderswo darüber aufregen und es als Schikane sehen...

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  • JB. . am 08.09.2017 06:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schwellem rein

    und gut ist. So wie es überall (vorallem Ausland) gemacht wird..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Leser am 10.09.2017 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Erhebungen wirken sehr gut

    Erhebungen bauen dann ist fertig, mit den tiefergelegten Fahrzeugen. Dann müssen halt soviele Erhebungen gebaut werden das es sich nicht mehr lohnt gas zu geben.

  • hägar am 09.09.2017 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rasen

    ist wie bei uns im wohnquartier, immer wieder Rasen sie durch und wenn die Polizei mal kontrolliert, sicher in der leuchtenden Jacke damit sie schon von grosser Entfernung gesehen werden.

  • Still Schweiger am 09.09.2017 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    gleiches Recht für alle

    wurde dieses Jahr 2x bei uns in der 30er Zone geblitzt und jedesmal 1km/h über der Toleranz, also 40.- Jetzt mache ich es so, dass ich nur noch im 1. Gang fahre und sollte so ein Pilzkopf in Strampelhöschen sich durch mogeln wollen, brauche ich die ganze Strasse!

    • kletterpunk am 09.09.2017 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Still Schweiger

      Oder velo

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  • Still Schweiger am 09.09.2017 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    ok, aber auch für E-Bikes

    ok wenn schon wieder eine 30er Zone, fordere ich das keine E-Bikes mehr in der Schweiz verkauft werden dürfen, die schneller als 30 fahren! Es ist mühsam, wenn man von diesen Pilzköpfen in Strampelhöschen noch auf allen Seiten überholt wird!

  • Be_nice am 08.09.2017 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    50 oder 80?

    Ich kenne diese Strecke nicht, aber es sieht auf Google Maps so aus, als wäre diese Mörikonstrasse ein grosses Stück "alleine", nur Felder rechts und links. Ist dort denn auch Tempo 50?