IV-Rentner vor Gericht

17. August 2017 16:28; Akt: 17.08.2017 16:39 Print

«Öffentlichkeit muss vor ihm geschützt werden»

Eine Bluttat hat am Donnerstag das Kreisgericht See-Gaster beschäftigt. Ein IV-Rentner tötete seine betagte Stiefmutter mit einem Vorschlaghammer und verletzte seinen Vater schwer.

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Die Tat geschah im Januar 2015 auf einem abgelegenen Bauernhof am Ricken im Kanton St. Gallen. Zuerst schoss der damals 45-jährige Bauer mit einem Armee-Revolver auf den Pächter des elterlichen Hofs und verletzte ihn am Arm. Anschliessend richtete er im Wohnhaus seines Vaters ein regelrechtes Blutbad an.

Auf dem Vorplatz erschlug er mit einem acht Kilogramm schweren Vorschlaghammer die betagte Stiefmutter und verletzte seinen Vater derart schwer, dass der 84-Jährige zum Pflegefall wurde. Einige Monate später starb der Vater an einer anderen Krankheit. Der Beschuldigte wurde kurz nach der Tat festgenommen.

Bei der Befragung vor dem Kreisgericht See-Gaster in Uznach gab der Beschuldigte am Donnerstag die Taten zu. Die Frage des Richters, ob er die drei Menschen habe töten wollen, beantwortete er nicht: «Ich war in einem Wahn, völlig ausser mir. Alles lief ab wie in einem Film.»

Die Staatsanwaltschaft verlangt für den Angeklagten wegen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes eine 20-jährige Freiheitsstrafe mit anschliessender Verwahrung. Der Beschuldigte sei bei allen drei Angriffen besonders skrupellos und kaltblütig vorgegangen. Er habe seine Opfer als Störenfriede gesehen, die er aus dem Weg haben wollte. «Er wollte sie klassisch eliminieren», so der Staatsanwalt.

Selbstmitleid statt Empathie

Der IV-Rentner ist gemäss einem forensischen Gutachten psychisch gestört. Der Mann sei ein Sonderling und leide seit einer Nierentransplantation an einer starken Persönlichkeitsveränderung, sagte der Psychiater vor Gericht. Er habe eine krankhafte Angst, dass er die neue Niere verliere könnte. «Er sieht nur sein eigenes Leid. Die schwere Gewalttat beschäftigt den Beschuldigten nicht».

Weder die langjährige Psychotherapie, die der Mann bereits vor der Tat gemacht habe, noch die Therapie im Gefängnis hätten etwas genützt, sagte der Gutachter. Wegen der grossen Rückfallgefahr müsse der Beschuldigte verwahrt werden. «Die Öffentlichkeit muss vor dem Beschuldigten geschützt werden», verlangte der Staatsanwalt.

Neues Gutachten

Der Verteidiger sprach von einer «glücklicherweise seltenen, sehr schrecklichen Tat». Das sehr schwere Verbrechen wecke heftige Emotionen und könne als Mord qualifiziert werden. Das Gericht müsse nun entscheiden, wie es mit dem Beschuldigten weiter gehe. Es brauche ein neues Gutachten. Dies verlange auch der Psychiatrische Dienst der Justizanstalt Pöschwies, wo der Beschuldigte seit zwei Jahren im vorzeitigen Strafvollzug sitzt.

Der Beschuldigte leide unter Veränderungen im Gehirn, die möglicherweise seine Steuerungsfähigkeit beeinträchtigen. Zudem sei der Mann erblich vorbelastet. In seiner Familie gebe es mehrere Fälle von Schizophrenie, sagte der Verteidiger.

Statt einer Verwahrung könnte das Gericht auch eine stationäre Psychotherapie in einem geschlossenen Massnahmenzentrum anordnen, erklärte der Verteidiger. Dies empfahl auch die Psychiaterin, die den 47-Jährigen während der Untersuchungshaft behandelt hatte. Der Beschuldigte brauche eine enge Betreuung und sollte mit einer geeigneten Beschäftigung von seinem Leiden abgelenkt werden. Dass der Beschuldigte aus Sicherheitsgründen eingeschlossen bleiben müsse, bestritt der Verteidiger nicht.

Nieren-Transplantation

Der Bauer hatte den Hof früher selbst bewirtschaftet und ein neues Wohnhaus gebaut. Nach einer Nieren-Transplantation musste er die Arbeit aufgeben und das Grundstück mit Wohnhaus, Tieren und Maschinen wieder seinem Vater verkaufen.

Dass der betagte Vater auf dem Hof das Sagen hatte, habe der Sohn nicht verwinden können. Er habe den Vater und seine zweite Frau ins Altersheim abschieben wollen, damit er wieder selbst Chef auf dem Hof hätte sein können, sagte der Staatsanwalt.

Das Urteil wird schriftlich bekannt gegeben.

(sda)