Fall Hefenhofen

24. August 2017 17:08; Akt: 24.08.2017 17:08 Print

«Witzig schadet dem ganzen Kanton Thurgau»

Der Verkauf der Pferde vom Quälhof von Ulrich K. weitet sich zum Skandal aus. Politiker und Tierschützer fordern: Kantonstierarzt Paul Witzig muss weg.

Bildstrecke im Grossformat »
Am Montag wurden die Pferde von Ulrich K. von Hefenhofen TG ins Kompetenzzentrum Veterinärdienste und Armeetiere nach Sand bei Schönbühl evakuiert. Insgesamt nahm die Armee 93 Pferde auf. «In der Schweiz ist wohl keine andere Institution in der Lage, ­innert eines Tages 93 Pferde aufzunehmen und zu betreuen», sagt Kommandant Jürg Liechti. In der Obhut der Schweizer Armee sollen die Tiere in den nächsten zehn Tagen wieder zu Kräften kommen. Was dann mit ihnen passiert, ist Sache des Kantons Thurgau. Verängstigte Fohlen rennen aus dem Transporter. Zum Teil waren die Fohlen und... ...ausgewachsenen Pferde in einem sehr verwahrlosten Zustand. 47 Train-, 20 Veterinärdienst- und 4 Hufschmiedrekruten kümmern sich bei der Ankunft um die Tiere. Unter anderem wird den Pferden eine Nummer auf den vorderen rechten Huf gebrannt, damit die Tiere rasch auseinandergehalten werden können. Zudem musste geklärt werden, welche Fohlen zu welcher Stute gehören. Dieses Pferd wird mit einem Leckerli aus dem Transporter gelockt. Die Polizei sichert die ersten Tiere vom Hof von Ulrich K., der wegen der Quälerei von Pferden unter Verdacht steht. (8. August 2017) Militärangehörige halfen bei der Evakuation mit. Ein Angehöriger der Armee führt ein Pferd zum Transporter. Die 93 Pferde wurden verladen und ... ... per Lastwagen abtransportiert. (8. August 2017) Abgeriegelt: Der Hof von Ulrich K. Von April bis Juli hat eine ehemalige Mitarbeiterin von Ulrich K. die miserablen Zustände auf dem Hof mit Fotos dokumentiert. (Archiv) Die Tiere seien oft zu schwach gewesen, um zu fressen, so die Ex-Mitarbeiterin – rund ein Dutzend Pferde verendete. (Archiv) Zudem sei den Tieren verschimmeltes Brot verfüttert worden, so die Ex-Mitarbeiterin. (Archiv) Beim Pferdehof und auch in Frauenfeld fanden Mahnwachen und Kundgebungen statt. Am Montag überreichten Tierschützer der Regierung eine Petition mit rund 13'000 Unterschriften. (7. August 2017) Die Polizei hatte bereits am Montag den Hof des Pferdehändlers in Hefenhofen TG durchsucht. (7. August 2017)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bevor 80 Pferde von Ulrich K. letzte Woche verkauft wurden, gab es Hinweise darauf, dass die Tiere an der Infektionskrankheit Druse leiden. Gemäss Medienberichten gab es zum einen ein tierärztliches Protokoll, das auf eine mögliche Erkrankung der beschlagnahmten Pferde hinwies, zum anderen soll eine Pferdehalterin das Thurgauer Vetetrinäramt auf erkrankte Tiere vom Quälhof aufmerksam gemacht haben.

Das Thurgauer Veterinäramt ging nicht auf die Hinweise ein und gab die Tiere ans Armeekompetenzzentrum in Schönbühl weiter, von wo sie an Halter aus der ganzen Schweiz verkauft wurden. Jetzt ist bei mehreren Pferden im Armeekompetenzzentrum Druse ausgebrochen und es besteht der Verdacht, dass Tiere vom Thurgauer Quälhof die hochansteckende Krankheit eingeschleppt haben. Entsprechend sauer reagierten Käufer der Thurgauer Pferde, wie der «Blick» berichtet.

Gegenüber 20 Minuten wollten sich am Donnerstag weder Kantonstierarzt Paul Witzig noch der zuständige Regierungsrat Walter Schönholzer äussern. Dafür versendete der Informationsdienst des Kantons Thurgau ein Communiqué. Darin heisst es: «Dem Veterinäramt des Kantons Thurgau lagen zwar Hinweise vor, dass im Pferdebestand von K. die Druse in den letzten Monaten aufgetreten war. Unabhängig voneinander kamen das Veterinäramt und die Veterinäre vom Armeekompetenzzentrum jedoch zum Schluss, dass diese Hinweise keinen Einfluss auf den Verkauf der Pferde haben.»

Stimmt nicht, heisst es nun bei der Armee. «Von irgendwelchen Hinweisen auf Druse wussten wir nichts», sagt Sprecher Daniel Reist. Die Krankheit sei zwar nicht meldepflichtig, es wäre aber dennoch schön gewesen, man hätte Bescheid gewusst. Jemand sagt hier offenbar nicht die Wahrheit. Glaubt man der Armee, ist es das Thurgauer Veterinäramt.

«Genug ist genug»

Für den Thurgauer SP-Kantonsrat Jakob Auer ist damit klar: «Es gibt kein Pardon mehr, Kantonstierarzt Paul Witzig muss weg.» Es müsse jetzt endlich ein Zeichen gesetzt werden, das Veterinäramt sei mittlerweile völlig unglaubwürdig geworden. «Witzig schadet dem Ansehen des ganzen Kantons», so Auer.

Und auch für GLP-Kantonsrat Ueli Fisch besteht akuter Handlungsbedarf. «Zumindest müsste man Witzig suspensieren und aus der Schusslinie nehmen», so Fisch. Dann gelte es die Ergebnisse der externen Untersuchungskommision abzuwarten für allfällige weitere Massnahmen.

«Schönholzer nicht vergessen»

Für Reinhold Zepf, Präsident des Thurgauischen Tierschutzverbands, ist Witzig «schlicht nicht mehr tragbar». So lange er noch im Amt ist, könne er sogar die weiteren Untersuchungen behindern: «Wenn er nur einen Funken Anstand hat, dann würde er auf Eigeninitiative gehen», so Zepf.

Der Tierschützer nimmt aber auch den zuständigen Regierungsrat Walter Schönholzer in die Pflicht: «Es liegt an ihm zu handeln und Witzig zu entlassen.» Er werde sich deshalb in den nächsten Tagen in einem offenen Brief an ihn wenden, mit der dringlichen Bitte, endlich zu handeln.

Auch für Erwin Kessler vom Verein gegen Tierfabriken (VgT) ist klar: «Man darf Schönholzer nicht vergessen. Er trägt die Verantwortung.» Er fordert deshalb, dass gleich beide Personen ihren Posten räumen.

(taw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Amina123 am 24.08.2017 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mehr müssen gehn

    nicht nur witzig muss weg...die anderen gleich auch...da wurde über ALLE instanzen geschlambt hoch drei....

    einklappen einklappen
  • .Nicolas. am 24.08.2017 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Es müssten viel mehr Personen ihren Sitz räumen. es ist schlimm hier im Thurgau mit den Sessel-klebern.

  • Gritli am 24.08.2017 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sumpf

    Ich glaube es ja nicht, wie kann man solche Fehler machen und dann noch im Amt bleiben, was ist das auch für eine Einstellung. Wer kann diese Herrschaften überhaupt entlassen, oder hat es noch mehr Filz. Thurgau, schade um deinen Namen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • marcello. luzern am 24.08.2017 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsplatz wechseln

    Dieser "Tierarzt" nimmt weder seine Verantwortung als Arzt wahr, noch hat er etwas mit Tieren am Hut. Der gehört in eine geschützte Werkstatt zum Korb flechten........

  • Maslik am 24.08.2017 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wo bleiben bitte die Parteien ?

    Es ist allen ausser den Direktbeteiligten klar, dass die Angelegenheit nicht mehr witzig ist. Die beiden Verantwortlichen, eigentlich auch der Gemeindepräsident mit Tomaten auf den Augen sollen gehen. Ich frage mich aber ernsthaft, wo die Parteien sind ? Von keiner Partei gab es Statements oder öffentliche Verurteilungen. Ja wie ist denn das nun ? Schauen die alle weg ? Ich finde es beschämend von allen Parteien, dass diese von akuten Problemen wegschauen. Oder ist auch hier noch alles verfilzt mit Häfeli / Deckeli ?

  • Sepp am 24.08.2017 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Sumpf

    Kantonstierarzt Witzig muss sofort entlassen werden, da er die Infektionskrankheit Druse nicht dem Militär mitgeteilt hat. Der Sumpf im Thurgau zeigt auf, dass hier Sesselkleber "arbeiten". In der P-Industrie hätte Witzig schon längst den "blauen Brief" erhalten.

  • Klung Gutschu am 24.08.2017 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ischt nicht mehr Witzig

    Da hört der Spass auf....

  • Oberthurgauer am 24.08.2017 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschämend

    Beschämend und unsäglich was sich unsere "classe politique" im Thurgau in diesem Fall leistet. Totalversagen auf der ganzen Linie. Nicht fähig in einer Ausnahme Situation die richtigen Entscheide zu fällen. Der Kanton spielt mit den wichtigsten Dingen wie: Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Sicherheit. Definitiv nicht alle Äpfel im Harass... Der nächste Lehrgang auf Kaderstufe: Kommunikation bei einem Krisenereignis. Was sich hier in den letzten Tagen abspielt ist Hollywood Kino vom Allerfeinsten wie man es eben nicht machen sollte. Rücktritt Herr Dr. Witzig - Abtreten