Weinfelden TG

14. September 2017 14:31; Akt: 14.09.2017 17:37 Print

21 Monate bedingt für Ex-Radprofi Jan Ullrich

Ex-Radprofi Jan Ullrich (43) verursachte 2014 betrunken mit dem Auto einen Unfall. Nun wurde er vor Gericht zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 21 Monaten verurteilt.

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Der Ex-Radprofi Jan Ullrich stand am Donnerstag erneut vor Gericht, weil er vor drei Jahren in Mattwil TG betrunken und mit weit übersetzter Geschwindigkeit einen schweren Verkehrsunfall verursacht hatte.


Jan Ullrich auf dem Weg zum Gericht

Mehrere Flaschen Wein getrunken

Bei der Befragung gab Ullrich zu, dass er an jenem Tag Alkohol konsumiert hatte. Laut Untersuchung hatte er bei der Fahrt mindestens 1,8 Promille Alkohol im Blut.

«Ich fühlte mich fahrtüchtig», sagte der Beschuldigte auf die Frage der Richterin, weshalb er sich in diesem Zustand ans Steuer gesetzt habe. Es sei spontan ein Freund auf Besuch gekommen, und mit ihm zusammen habe er mehrere Flaschen Weisswein getrunken. Dann habe ihn sein Handy an einen Termin erinnert, den er wahrnehmen musste.

Zu viel Valium geschluckt

Weiter wurden verschiedene Medikamente im Blut des Ex-Radprofis nachgewiesen. Er habe damals einen Bandscheibenvorfall gehabt, weshalb er Valium einnahm. Weil er nicht habe schlafen können, habe er viel mehr Valium geschluckt als empfohlen. «Aber am Tag des Unfalls nahm ich keine Medikamente», sagte Ullrich vor Gericht.

Ullrich lebt seit Anfang Jahr auf der Mittelmeerinsel Mallorca und als selbständiger Unternehmer. Laut Staatsanwaltschaft verdient der 43-Jährige 6,5 Millionen Franken pro Jahr.

Zufall, dass niemand getötet wurde

Die Geschwindigkeit vor dem Aufprall auf ein Auto, das vor der Unfall-Kreuzung bei Mattwil stand, betrug laut dem Staatsanwalt 132 km/h. Es handle sich deshalb auf der mit Tempo 80 limitierten Strecke nicht um ein Raserdelikt, sondern «nur» um einen Geschwindigkeitsexzess.

Dem Fahrer sei bewusst gewesen, dass er mit seiner Fahrweise andere Verkehrsteilnehmer massiv gefährde. «Es war nur Zufall, dass bei dem schweren Unfall niemand getötet oder schwer verletzt wurde», sagte der Staatsanwalt. Der Beschuldigte habe sich rücksichtslos verhalten. Er wusste, dass er reichlich Wein getrunken und zudem eine hohe Dosis beruhigende Medikamente eingenommen hatte. In seinem Rausch habe er sich massiv überschätzt.

Weitere Blaufahrt vor Unfall

Dass der Beschuldigte wegen Medikamenten nicht fahrtüchtig war, könne man ihm nicht beweisen, sagte der Staatsanwalt. Dass er betrunken war, gab der Ex-Radprofi von Anfang an zu. Ebenso gestand er, dass er bereits einige Stunden vor dem Unfall alkoholisiert Auto gefahren war.

10'000 Franken Busse

Das Gericht verurteilte Ullrich zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 21 Monaten und einer Busse von 10'000 Franken. Das sind vier Monate mehr, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Die Probezeit beträgt vier Jahre.

Laut Gutachten war Ullrich mindestens 132 km/h schnell unterwegs. Gerast sei der damals im Thurgau wohnhafte ehemalige Radrennfahrer gemäss Gutachten nicht, sagte die Richterin.

Die Staatsanwaltschaft musste den Unfall nochmals untersuchen, nachdem das Gericht die Anklageschrift vor zwei Jahren angezweifelt und den Urteilsvorschlag zurückgewiesen hatte. Fraglich war, wie schnell Ullrich vor dem Unfall unterwegs war.

Eklat bei Verhandlungsbeginn

Die Verhandlung vor dem Bezirksgericht Weinfelden begann mit einem Eklat. Statt im Gerichtssaal sollten die Medienschaffenden die Verhandlung per Videoübertragung vom Nebensaal beobachten.

Nachdem sich die Journalistinnen und Journalisten gewehrt hatten, unterbrach die Richterin die Verhandlung, und die Medienschaffenden durften doch in den Verhandlungssaal. Mit 20 Minuten Verspätung ging die Verhandlung weiter. Die Richterin begründete die Zulassung der Medienschaffenden im Gerichtssaal mit der schlechten Tonqualität im Nebensaal.

(20 Minuten/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • th.e am 14.09.2017 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gerechtigkeit

    sohn bekam für bagatell unfall 3 monate ausweisenzug eine busse von fr.3000.- und bewährung von 4 jahren wo bleibt da die gerechtigkeit ach ja er ist halt schweizer

    einklappen einklappen
  • Amina123 am 14.09.2017 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was ist mit ausweis?

    und den ausweis muss er nicht abgeben????

    einklappen einklappen
  • Rocco am 14.09.2017 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann ich nicht nachvollziehen

    6,5 Millionen und nur 10'000 Franken Busse? Ist das euer ernst? Frechheit.

Die neusten Leser-Kommentare

  • 1.2 Promiller am 14.09.2017 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reiche sind nicht gleich wie der normale

    Solch eine Sauerei! Ich habe auch den check abgegeben vor 6 Jahren und hatte ca 1.2 Promille ich verursachte keinen Unfall und bin nicht gerast. Ich bekam eine Busse von rund 5000.00 Fr. mit 2 Jahren bedingt. Und dieser reiche _____ bezahlt mit etwa 6.5 Millionen Einkommen nur 10000.00 Fr. Was ist das für eine Strafe? Ach ja nur die Geld haben gewinnen. DANKE Vater Staat

  • Minnie Mouse am 14.09.2017 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Samthandschuhe

    Dieser Typ lebt in einer anderen Welt, der muss doch Gewohnheitssäufer sein, wenn er mit 1.8 Promille noch das Gefühl hat, fahren zu können! Gut, dass er nun Mallorca unsicher macht! Falls dort etwas passiert, wird er wahrscheinlich nicht mit Samthandschuhen angefasst!

  • peter naegeli am 14.09.2017 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    betrunken am steuer

    beztrunken zu fahren sollte viel haerter bestraft werden. er haette auch menschen ueberfahren koennen.und dann 20.000 fr busse.

  • M.K am 14.09.2017 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    10'000fr ein Witz

    Ich habe in den ersten 3 Monaten als ich den Ausweis besass einen Unfall. Ich kam beim ersten Schnee ins Rutschen und fuhr in die Leitplanke. 3 Meter waren kaputt und mein Auto war Totalschaden. 2500fr Busse und 1 Monat Ausweisentzug. Ich hatte einen Lohn von 4200. ich war weder betrunken noch bin ich gerast. Danke Staat

  • Björn am 14.09.2017 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Bald verjährt

    3 1/2 Jahre um ein Blechschaden zu begutachten. Diese Arbeitsmoral wird auch nur legitimisiert weil man sich vom Geld des Steuerzahleres bedienen kann.