Vorwurf an Polizei

21. März 2017 05:58; Akt: 21.03.2017 05:58 Print

«Er wurde behandelt wie ein Terrorist»

Ein Paar kam in der Nacht auf Sonntag in eine Verkehrskontrolle in Herisau. Als die Polizei einen Gaffer wegschicken wollte, eskalierte die Situation.

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Barbara Bücheler und Peter Camen kamen in der Nacht auf Sonntag an der Bahnhofstrasse, vis-à-vis vom Hotel Herisau, in eine Verkehrskontrolle. (Bild: Google Street View)

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Barbara Bücheler und ihr Lebensgefährte Peter Camen wurden in der Nacht auf Sonntag an der Bahnhofstrasse in Herisau von der Polizei angehalten. «Sie wollten die Fahrzeugpapiere sehen.» Seit ihrem Lebensgefährten diese aber einmal gestohlen worden seien, habe er lediglich eine Kopie seines Ausweises dabei – was zu einer Diskussion führte.

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Während die Beamten die Papiere kontrolliert hätten, sei ein junger Mann in unmittelbarer Nähe stehen geblieben. Er sei zwar angetrunken gewesen, habe sich dennoch ruhig verhalten. «Uns hat das überhaupt nicht gestört», so Bücheler. Die Polizisten sahen das allerdings anders: «Sie reagierten aggressiv und sagten dem jungen Mann, er solle weitergehen.» Stattdessen habe dieser erwidert: «Ich bin ein freier Bürger und darf stehen, wo ich will.»

Busse wegen Nichtmitführens des Originals

Dann sei alles sehr schell gegangen: Einer der zwei Polizisten sei zuerst zum Auto und danach zu seinem Kollegen gelaufen. «Zusammen gingen sie auf den jungen Mann los, zwangen ihn, die Hände auf den Rücken zu legen, und verpassten ihm Handschellen.» Für Bücheler unverständlich: «Der Mann wurde behandelt, als wäre er ein Terrorist.» Dabei habe er überhaupt nichts gemacht. Als die Situation nach rund 15 Minuten wieder unter Kontrolle gebracht worden sei, hätten Bücheler und ihr Lebensgefährte die Fahrzeugpapiere zurückerhalten. «Und eine 20-Franken-Busse wegen Nichtmitführens des Originalausweises.»

Nun stelle sich für Bücheler aber vor allem eine Frage: «Kann mich die Polizei auch so behandeln, auch wenn ich mir nichts zuschulden habe kommen lassen?» Sie fühle sich nicht mehr sicher. Auch Peter Camen, der ebenfalls dabei gewesen war, hat das Gefühl: «Die Polizeigewalt hat zugenommen.»

Kein Sicherheitsrisiko eingehen

Bei der Kantonspolizei Ausserrhoden hat man keine Kenntnis von diesem Vorfall. Wie Mediensprecher Marcel Wehrlin aber sagt, müssten die Polizisten das Persönlichkeitsrecht der zu kontrollierenden Personen wahren. Während einer Verkehrskontrolle sei jeweils ein Beamter für die Kontrolle zuständig und einer für die Sicherheit. «Kann diese nicht mehr gewährleistet werden, müssen wir handeln.»

Wenn sich jemand – trotz Aufforderung – nicht vom Ort entferne, wie es im geschilderten Fall geschehen war, müsse die Polizei handeln, so Wehrlin weiter. «Wir können kein Sicherheitsrisiko eingehen.» Obwohl Gaffen nicht strafbar sei, müsse man sich an die Anweisungen beziehungsweise an die Wegweisung der Polizei halten. Wehrlin: «Tut man dies nicht, muss man mit einer Anzeige wegen Behinderung einer Amtshandlung rechnen.»

(nab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Radix am 21.03.2017 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was eindeutig zugenommen hat

    ist Gewalt gegen die Polizei

  • Innerschweizer am 21.03.2017 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Er ist selber schuld, es gibt keinen Grund in so einer Situation zu Gaffen, aller spätestens wenn man weggeschickt wird sollte man das merken. Dieses ewige Gaffen und behindern von Polizei und Rettungsdienst ist so was von unnötig und soll bestraft werden.

    einklappen einklappen
  • Denkpause am 21.03.2017 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedauerlich ...

    ... wenn die Arbeit der Polizei dermassen in der Öffentlichkeit kritisiert wird, wie dieses Paar es tut. Ich bin der Polizei sehr dankbar, für was sie täglich für uns leistet, und allen sehr dankbar, die trotz oft widrigem Umfeld und Kritik diesen Job wählen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • B. am 22.03.2017 05:08 Report Diesen Beitrag melden

    Kopie Fahrzeugausweis

    Kopie ist doch auch ein Beweis von einem Fahrzeugausweis, wenn man dabei hat als gar keinen Mitzuführen...

  • Burcin am 22.03.2017 04:21 Report Diesen Beitrag melden

    Allgemein

    Jedermann hat seine eigene Verantwortung, Vorschriften muss man einhalten. Einmal Aufforderung ausdrücklich genügt, den platz zu verlassen. So jetzt kommt der Punkt.- Man sollte sich verhältnismäßig je nach Situation verhalten und anpassen, doch dass ist nicht "Jedermanns" sache.

  • Peter am 22.03.2017 03:56 Report Diesen Beitrag melden

    Beförderung

    Wenn die Polizisten/innen Befördert werden, Legen Sie ein Schwur ap und zwar die Hand aufs Bibel und Gesetz. Manchmal ungern frag ich mich wer sind die Jenigen die sich nicht halten? Oder Ihren Amt missbrauchen..? Ich bin auch sehr froh dass es die Polizei gibt.

  • T.N.T. N. am 22.03.2017 02:25 Report Diesen Beitrag melden

    Merci an schweizer Polizei!

    Wir Schweizer haben sehr gute Polizei. Geht mal nach Russland oder nach Usbekistan und macht ein Kennenlernen mit der Polizei dort. Ihr kommt dann auf die Welt. Dann kommt zurück und wir diskutieren darüber. Also, Danke, liebe Schweizer Polizei. Ihr macht einen guten Job!

  • Roman K am 21.03.2017 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Art 1 Grundgesetz

    "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Mir ist aufgefallen das bei viele Mitarbeiter des Polizeiamtes das Grundrecht kein Begriff ist. Dieses hat man zu waren auch wenn es um Sicherheitsfragen geht. Ansonsten ist die Rechtsstaatlichkeit nicht gegeben.