Altstätten SG

13. September 2017 18:03; Akt: 13.09.2017 19:56 Print

Frau (60) kämpft um ihre marokkanische Liebe (31)

Ruth A. hat sich hoffnungslos in einen jungen Marokkaner verliebt. Nun machen ihr die Behörden einen Strich durch die Rechnung. Doch sie gibt nicht auf.

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Ruth A. will für ihre Liebe kämpfen. (Bild: Rheintaler Bote)

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«Wir wollen keine Scheinehe, sondern wir lieben uns von Herzen» sagt Ruth A.* (60) gegenüber dem «Rheintaler Boten». Schon vor der Trennung von ihrem dritten Ehemann habe A. über das Internet Kontakt mit dem 31-jährigen Marokkaner Youness gehabt. Nach der Scheidung sei der Kontakt intensiver geworden. Im letzten Herbst besuchte die Rheintalerin den Marokkaner in seiner Heimat.

«Es war Liebe auf den ersten Blick und er hielt um meine Hand an», zitiert sie der «Rheintaler Bote». Zuerst habe sie vor einer vierten Hochzeit gezögert. «Ich haderte etwas mit dem Altersunterschied», meint die 60-Jährige. Doch der Zuspruch ihres Umfelds habe sie darin bestärkt, ihrem Herzen zu folgen. Kurz nach Jahreswechsel sei sie wieder zu ihrem Geliebten nach Marokko geflogen, um die Verlobung zu feiern. Dort habe das Paar die Heirat auch gleich angemeldet.

Behörden stellen sich quer

Anschliessend fand eine getrennte Befragung der Verlobten durch die Schweizer Behörden statt. A. sei in der Schweiz befragt worden, ihr Liebhaber durch die Schweizer Vertretung in Marokko. «Es wurde vermerkt, dass wir uns gar nicht unterhalten können, da er kein Deutsch spricht und man wirft uns eine Scheinehe vor», empört sich A. Dabei spreche ihr Verlobter sehr wohl Deutsch: «Wie sollten wir uns sonst unterhalten?»

Mit dem Entscheid will sie sich nicht abfinden. Bis Mitte November kann sie dagegen ankämpfen. Es fehle ihr zwar die Kenntnis über die aktuelle Rechtslage, einfach so will sie aber nicht aufgeben. «Ich kämpfe für unsere Liebe», sagt A.

Indizien sind ausschlaggebend

«Zivilstandsbeamte entscheiden, ob und welche Abklärungen im konkreten Einzelfall zu treffen sind», heisst es beim Staatssekretariat für Migration (SEM). Ob es sich um eine Scheinehe handelt, könne man lediglich anhand einer Reihe von Indizien feststellen. Drei der Indizien lauten: Die Eheleute kennen sich erst seit kurzer Zeit, zwischen den Eheleuten besteht ein grosser Altersunterschied und die Eheleute haben Verständigungsschwierigkeiten.

Drei gescheiterte Ehen

Ruth A.* ist sich sicher, mit dem 31-jährigen Youness die grosse Liebe gefunden zu haben. Nach drei Scheidungen soll es sich bei dem Marokkaner um den Einen handeln. Mit ihrem ersten Mann, von dem auch ihre 26-jährige Tochter stammt, sei sie zwölf Jahre verheiratet gewesen. Die Ehe endete wegen seinen Alkoholproblemen. Nach einem Intermezzo mit Ehemann Nummer 2 habe sie durch das Internet einen Kosovaren kennengelernt: Ehemann Nummer 3. Doch auch dieser Beziehung war kein Glück beschieden, sie endete im vergangenen Herbst mit «einer schnellen einvernehmlichen Scheidung», wie A. sagt.

Geblieben sind ein paar finanzielle Altlasten und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Ihre Anstellung bei einer Bank hat sie schon vor einiger Zeit verloren, heute halte sie sich mit Putz-Jobs über Wasser. Glück verspricht die neue Beziehung, stünden da nicht die Behörden im Wege. A.: «Ich verstehe nicht, warum man uns Steine in den Weg legt und wir nicht unsere Zukunft zusammen verbringen dürfen.»

*Name der Redaktion bekannt

(and)