Kreuzlinger Imam

13. Januar 2017 05:42; Akt: 13.01.2017 05:42 Print

«Mohammed sagte, Kinder sollen schwimmen lernen»

von Jeremias Büchel - Ein muslimischer Vater wurde von der Schulbehörde angezeigt, weil er seiner Tochter den Schwimmunterricht untersagt. Völlig unnötig, sagt dazu der Imam.

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Imam Rehan Neziri sieht kein Problem, wenn islamische Primarschüler den Schwimmunterricht besuchen. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Der Vater, der selber in Kreuzlingen zur Schule ging, gab an, er stecke in einem Dilemma: Schicke er seine Tochter ins Schwimmen, komme er nicht ins Paradies.

Dem widerspricht der Kreuzlinger Imam Rehan Neziri: «Nur weil die Kinder den Schwimmunterricht besuchen, wird niemandem den Zugang zum Paradies verwehrt», erklärt er. «Der Prophet Mohammed hat in überlieferten Schriften, den Hadies, gesagt, dass Eltern ihren Kindern Lesen und Schreiben sowie Schwimmen und Reiten beibringen sollen.»

Kein Höllenfeuer

Es gebe für Muslime also keinen Grund, sich gegen den Schwimmunterricht in der Primarschule zu sträuben. «Es ist ganz klar keine Sünde und man kommt deshalb als Eltern nicht ins Höllenfeuer.»

Die Regel, dass Menschen nach Geschlecht getrennt zu schwimmen haben, gelte erst ab der Pubertät. «Schwimmunterricht in der Primarschule ist also nicht problematisch», sagt Neziri, der selber in ähnlichen Fällen schon erfolgreich vermitteln konnte. Mit der Erwähnug des klaren Gebots, dass Kinder schwimmen lernen sollen, konnten Eltern schon davon überzeugt werden, dass sich der Schwimmunterricht durchaus mit der Religion vereinbaren lasse.

Tahirovic wittert Verrat

Anders sieht das Emir Tahirovic aus St. Margrethen. Der strenggläubige Muslim stand schon mehrere Male vor Gericht und sass auch schon im Gefängnis, weil er seine Kinder nicht am Schwimmunterricht teilnehmen lässt. Für ihn sind die Aussagen des Imams Verrat: «Solche Imame gab es in Ex-Jugoslawien. Sie arbeiteten für die Regierung und haben den Islam verraten», so Tahirovic gegenüber 20 Minuten. Auf Twitter doppelt er nach: «Diese islamischen Geistlichen bekämpfen Muslime, die sich an die religiöse Moral halten wollen.» Die Imame würden sich damit an rassistischen Handlungen beteiligen.


Tahirovics Standpunkt zum Schwimmunterricht bleibt derselbe. Seinen Kinder wird er dies nicht erlauben – auch nicht, wenn Burkini-Badekleider zugelassen wären. «Man sieht trotzdem die Abzeichnung der Geschlechtsteile», sagte er vor Gericht.

Schwimmen gehört zur Schule wie Mathe

Neziri sieht das anders. «Der übertreibt. Burkini-Badekleider sind eine gute Möglichkeit, Kinder von Strenggläubigen Schwimmunterricht zu ermöglichen. Schwimmen gehört zur Schule wie Mathe und Geschichte. Das steht auch im Volksschulgesetz und daran hat man sich zu halten.»

Im übrigen sei das auch nicht diskriminierend: «Auch evangelikale Christen wünschen teilweise, dass der Schwimmunterricht nach Geschlechtern getrennt stattfindet. Auch ihnen wird das nicht erlaubt.» Zudem findet Neziri, dass die Schweizer Schulen den Muslimen weit entgegen kommen: «Kinder dürfen in Burkinis schwimmen, an Schulveranstaltungen gibt es Speisen ohne Schweinefleisch und auch das Kopftuch ist meist erlaubt.»