Rhätische Bahn

24. April 2015 14:04; Akt: 24.04.2015 14:04 Print

Horror-Unfall kostet eine Million

Die Rhätische Bahn verdiente letztes Jahr mehr. Der schwere Unfall im August 2014 bei Tiefencastel sowie der Güterverkehr drücken aber auf die guten Zahlen.

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Die Bergungs- und Räumungsarbeiten auf der Unfallstelle konnten am Abend des 15. August planmässig abgeschlossen werden. Die Bergung des letzten Wagens stellte eine grosse Herausforderung dar, verlief jedoch ohne Zwischenfälle. Alle Wagen der Rhätischen Bahn, bis auf den vordersten, der vom Gleis in den Hang stürzte, konnten geborgen werden. Der 17 Tonnen schwere abgestürzte Wagen 1 konnte den Hang heraufgezogen und parallel zum Gleis aufgestellt werden. Als nächsten und letzten Schritt konnte er auf die Schienen gehievt werden. Für die Bergung stand ein Schienenkran zur Verfügung. An dieser Stelle kam es zum Erdrutsch. Einen Tag nachdem bei Tiefencastel GR am Mittwoch, 13. August, ein Zug entgleist war, gab die Bündner Staatsanwaltschaft bekannt, dass eine Untersuchung zur Klärung der Unfallursache eingeleitet worden sei. Die Regierung lobte die Einsatzkräfte für ihren «effizienten Einsatz». Die Bergung und Versorgung der Verletzten und die Evakuierung und Betreuung der weiteren Bahnreisenden seien vorbildlich gewesen. Bei Tiefencastel GR entgleiste am Mittwoch, 13. August, ein Zug. Die Bahn wurde von einem Erdrutsch erfasst. «Der Zug machte eine Notbremsung aus dem Nichts», sagte ein Leser-Reporter zu 20 Minuten. Wie am seidenen Faden: Ein Waggon wurde nur von einigen Bäumen gehalten. Den Rettern bot sich an der Unglücksstelle ein schreckliches Bild. Insgesamt gab es elf Verletzte, fünf davon schwer. Wie die Polizei mitteilte, waren unter den Schwerverletzten vier Schweizer und ein Japaner. Am 15. August befanden sich noch immer sechs Personen im Spital. Zum Glück wurde keine von ihnen lebensgefährlich verletzt. Verletzte mussten zum Teil von der Rega geborgen werden. Daneben flogen die Helikopter auch Rettungskräfte und Bergungsmaterial vom Unglücksort zum Umladeplatz. Im Einsatz standen Rettungskräfte der Feuerwehr, der Alpinen Rettung, das Careteam Grischun und die Kantonspolizei Graubünden. Die Rettungskräfte im Einsatz. Die Rega stand insgesamt mit vier Helikoptern im Einsatz. Die Unglücksstelle war nur schwer zugänglich.

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Die Rhätische Bahn hat im Jubiläumsjahr ihres 125-jährigen Bestehens mehr Passagiere transportiert und den Gesamtertrag gesteigert. Sorgen bereitet den Bahnchefs die Sparte Güterverkehr, in der letztes Jahr ein Verlust resultierte.

Total 349 Millionen Franken oder vier Millionen Franken mehr als im Vorjahr erwirtschaftete die Rhätische Bahn (RhB) im Geschäftsjahr 2014. Erfreulich fielen die Zahlen im Personenverkehr aus, wo die Bahn trotz des schwierigen Umfeldes im Tourismus Frequenzen und Ertrag steigerte. 10,1 Millionen Passagiere fuhren in den RhB-Zügen, was ein Plus von 2,7 Prozent bedeutet.

Die Einnahmen im Personenverkehr wuchsen um eine halbe Million auf 97,7 Millionen Franken, wie das Bahnunternehmen am Freitag in Chur bekanntgab. Auch der Autoverlad am Vereina brachte eine halbe Million Franken mehr oder insgesamt 14,7 Millionen Franken ein.

Enthalten in den Gesamteinnahmen sind Abgeltungen der öffentlichen Hand von 72 Millionen Franken für den Personenverkehr und sechs Millionen Franken für den Güterverkehr. Unter dem Strich weist die Bahn ein positives Ergebnis von 186'000 Franken aus, gegenüber 261'000 Franken im Vorjahr.

Güterverkehr: Ausgeglichenes Ergebnis im Auge

Sorgen bereitet dem Bahnunternehmen nach wie vor die Sparte Güterverkehr, wo es zu einem Betriebsverlust von 1,6 Millionen Franken kam. Die transportierten Mengen sind weiter rückläufig.

«Das wollen und können wir nicht länger tolerieren», sagte Verwaltungsratspräsident Stefan Engler an der Bilanzmedienorientierung zur Entwicklung im Güterverkehr. Konkret will die RhB den Güterwagen-Bestand reduzieren und das Angebot den Marktbedürfnissen anpassen. Engler betonte, Ziel sei es, in spätestens zwei bis drei Jahren ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen.

Die Investitionen von 205 Millionen Franken übertrafen jene des Vorjahres um 20 Millionen Franken. 161 Millionen Franken wurden allein in die Infrastruktur investiert.

Im laufenden Jahr will die RhB die Flotte erneuern. Bereits erfolgt ist die öffentliche Ausschreibung zur Beschaffung von 27 vierteiligen Triebzügen. Beim Projekt Neubau des Albulatunnels stehen Vorbereitungsarbeiten im bestehenden Tunnel an. Der Anstich zum neuen Tunnel soll im Herbst stattfinden.

Unfall belastet Rechnung

Überschattet wurde das Jubiläumsjahr vom schwersten RhB-Unglück seit langem: Im August entgleiste bei Tiefencastel ein Zug wegen eines Erdrutsches. Ein Waggon stürzte vom Trassee und blieb in einem Steilhang an Bäumen hängen. Elf Personen wurden verletzt, eine von ihnen erlag später ihren Verletzungen.

Laut Verwaltungsratspräsident Engler wird im Verlauf des Sommers der Bericht der Untersuchungsbehörden zum Unfall erwartet. Das Ereignis belastete die RhB-Rechnung mit 1,1 Millionen Franken. Darin enthalten sind Aufwendungen für Rettungskosten sowie für die Instandsetzungen von Infrastruktur und Rollmaterial.

Die verunfallten Passagiere, einige davon aus Asien, seien wieder gesund. Es sei versucht worden, «kulante Lösungen zu treffen». Engler sagte, man habe nicht den Eindruck, dass Passagiere wegen des Unfalls Angst hätten, «mit uns zu fahren».

(sda)