Rapperswil-Jona

28. Mai 2015 05:46; Akt: 28.05.2015 10:43 Print

«Für Geld stechen manche einfach alles»

Der Tätowierer Sunheart Thommy Nowak arbeitet mit der traditionellen japanischen Technik Tebori. Mit seinem Bambusstock sticht er nur positive Motive.

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«Ich möchte den Menschen nur Glück und Freude mitgeben», sagt Sunheart Thommy Nowak. «Deshalb steche ich nur positive Tattoos.» Einmal sei beispielsweise ein Kunde gekommen und wollte sich einen Totenkopf tätowieren lassen. Ein anderes Mal wollte jemand auf dem Rücken ein Wesen halb Engel, halb Dämon. Er habe beide nicht tätowiert. «Jedes Tattoo hat eine Kraft in sich, wieso soll ich also die Menschen mit negativen Tattoos belasten», so Sunheart.

Das richtige Tattoo finden

Der 47-Jährige, der in Sri Lanka geboren wurde, lebt seit rund 15 Jahren in der Schweiz. Das Tätowieren hat er sich selber beigebracht. Seit zwei Jahren besitzt er einen Tattoo-Laden in der Rapperswiler Altstadt an der Kluggasse 14. Dort sticht er mit der japanischen Methode Tebori Tattoos: «Zwar habe ich auch eine Maschine und Metallnadeln, aber das Stechen mit dem Bambusstab macht mir am meisten Spass», so Sunheart. Der Bambusstab besitzt eine Spitze, die aus mehreren Nadeln besteht. Damit sticht Sunheart die Farbe per Hand in die Haut seiner Kunden. «Diese Technik erfordert nicht nur viel Übung, sondern auch Geduld.» Es dauere um einiges länger als mit der Maschine und sei auch ein bisschen schmerzhafter – auch für ihn. «Wenn es länger geht, habe ich Rückenschmerzen», so Sunheart. «Dieser Aufwand lohnt sich aber, denn das Resultat ist einzigartig.»

Diese Technik und allgemein die japanische Kultur habe er durch japanische Kampfsportarten wie Judo und Aikido kennen gelernt. Doch nicht nur die japanische Kultur fasziniere ihn: «Ich setze mich gerne mit den Wünschen und der Kultur meiner Kunden auseinander und versuche mit ihnen gemeinsam das richtige Tattoo zu finden und dieses auch richtig umzusetzen», so Sunheart.

Keinen Respekt für die Tattoo-Kultur

Viele andere Künstler hätten in seinen Augen in dieser Hinsicht aber versagt: «Für Geld stechen sie einfach alles, anstatt sich hinzusetzen und sich klarzumachen, was dieses Tattoo für den Kunden bedeutet und was es ihm im Leben bringt», so Sunheart. Seiner Meinung nach haben diese Tätowierer keinen Respekt für die Kunst und die Tattoo-Kultur. Die Leidtragenden seien die Kunden.

Doch nicht nur diese Gier, sondern auch die fehlende Hygiene und die Präzision hätten ihm bei anderen Künstlern gefehlt: «Ich war auf einigen Tattoo-Conventions und dort wurden Tattoos manchmal in einer eher unhygienischen Umgebung und ohne Handschuhe gestochen», so Sunheart, der über zehn Jahre in
verschiedenen Spitälern als OP-Lagerungspfleger gearbeitet hat und die Hygienevorschriften sehr gut kennt.

Verschiedene Materialien

Sunheart ist aber nicht nur ein begnadeter Tattoo-Artist, sondern macht auch einzigartige Kunstwerke, indem er auf echte Federn mit Ölfarben oder auf Stein und auf Samt malt. Seine Kunst auf Federn stellt er seit zwei Jahren im Ritterhaus in Bubikon ZH auf.

«Die Kunstwerke sind der Farbe und der Struktur der Feder angepasst», so Sunheart. Die Idee Kunstwerke auf Federn zu
malen, habe er in der Kindheit schon ausprobiert. In einer Indianer-Ausstellung habe er diese Kunst wieder entdeckt: «Ich fand es so speziell, dass ich es gleich selber ausprobiert habe», so Sunheart. Aus der indianischen Kultur habe er auch den Namen Sunheart: «Ein Indianerhäuptling hat mir in einem Ritual den Namen gegeben», so Sunheart. Die Sonne sei sehr wichtig für ihn. «Sie ist stark und macht die Menschen glücklich, so möchte ich auch sein», so Sunheart.

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonny am 28.05.2015 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Talentiert

    Einen sehr sehr guten Freund von mir!!Vorallem mit enormes Talent und dazu noch eine ehrliche Person wie kein zweiter!!Kann ich nur weiter Empfehlen mach weiter so Sunheart!!!

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  • Lily am 28.05.2015 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Ich finde es sehr gut das er so denkt und handelt. Denke aber auch das jeder Mensch am Ende das Recht hat auf seinen Körper stechen zu lassen was er will. Aber dafür gibt es ja genug Auswahl ...

  • Bär am 28.05.2015 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    komme wieder;)

    Habe auch 2 Tattos von ihm. Vielleicht schon bald ein drittes :) top Qualität, super Type.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizmann am 29.05.2015 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ich mach jetzt auch eins

    Lass mir einen Penis auf die Stirn tätowieren, damit ich nie vergesse dass ich einen habe und wie viel Freude er mir bereitet. Darum macht man es doch, damit man sich an schöne Dinge erinnert. Sagen zumindest ganz viel Tattoo Heinis. Aber wenn ich es mir so überlege, brauche ich glaube lieber weiterhin mein Hirn dafür.

  • allan am 28.05.2015 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    chill it

    "...was es ihm im Leben bringt" ehm, meine 4 Tattoos haben mir im leben nichts gebracht ausser Freude, weil ich nun Motive die ich toll finde immer bei mir hab. was man da mehr besprechen muss, versteh ich nicht. man muss nicht immer super philosophisch betrachten.

  • Der Mann am 28.05.2015 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    nein danke sagt der Mann

    ich würde mir nie so eine billige Frau mit Tattoo zutun.

    • Sandra Hofmann am 29.05.2015 09:00 Report Diesen Beitrag melden

      Nein danke sage ich ebenfalls..

      Mit so einer Einstellung kannst du dir sicher sein, dass dich eine tätowierte Frau und auch eine ganze Menge nicht tätowierter Frauen sowieso nicht wollen würden. Wer will schon einen respektlosen, asozialen Mann, der andere aufgrund ihres Aussehens be-/verurteilt? Und übrigens sind Tattoos nicht billig, für sowas braucht man eine Menge Geld ;-) Ich bin übrigens nicht tätowiert und auch nicht gepierct..

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  • Nick H. am 28.05.2015 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab!

    Wahnsinns Künstler! Er zieht sein Ding durch und erschafft dadurch wunderschöne Werke - egal ob auf menschlicher Haut oder auf anderen "Leinwänden". Es ist aber enorm traurig, dass man sich nicht einfach mal daran erfreuen kann. Lasst doch die Tätowierten tätowiert sein oder seit ihr wirklich so verbittert, dass ihr euch deswegen aufregen müsst? Tätowierte als kriminell, unhygienisch usw. zu bezeichnen, grenzt schon fast an üble Nachrede / Rufmord, was strafbar ist. Die Asozialen sind diejenigen, die sich aus dem Aussehen anderer ein Problem machen und dies der ganzen Welt mitteilen müssen..

  • Marco Muraro / m2tattoo am 28.05.2015 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    conventions wo?

    Würde mich schon interessieren von welchen Conventions hier gesprochen wird??? Nehme an, solche im Ausland. Ich nehme an vielen Conventions in der Schweiz teil, und Hygiene ist ein absolutes muss und wird von allen eingehalten. Wer sich nicht an die geltenden Hygienevorschriften hält fliegt raus.

    • Tattoo am 28.05.2015 12:43 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Marco

      Was willst Du uns jetzt genau sagen? also ich war an der Convention in Budapest und muss sagen habe noch nie so ne saubere Veranstaltung gesehen da könnte sich manch Schweizer Künstler ein Vorbild nehmen was die Hygiene betrifft....

    • Marco Muraro m2tattoo am 28.05.2015 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt

      Ich will damit sagen, dass es unseriös seitens 20min ist, conventions als unhygienische Veranstaltungen darzustellen. Conventions sind in den meisten Ländern besser kontrolliert als die einzelnen Studios.

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