Trun GR

22. Februar 2017 05:51; Akt: 22.02.2017 05:51 Print

Bündner Bauer vertreibt Wolf aus Schafstall

Erstmals seit der Rückkehr des Wolfes ist ein Tier in einen Stall eingedrungen und hat dort ein Schaf gerissen. Die Behörden stehen vor einem Problem.

storybild

Ein Wolf riss letzten Samstag eines von Mathias Decurtins' Schafen. (Bild: Südostschweiz)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als der Hobby-Schafbauer Mathias Decurtins am frühen Samstagmorgen seine Schafe aufsuchte, war eines davon tot. Das einjährige Tier war kurz zuvor von einem Wolf gerissen worden, wie die «Südostschweiz» schreibt.
«Der Hals des Tieres war voller Blut und man sah die Zahnabdrücke. Der Bauch war aufgerissen und der Pansen sichtbar», so Decurtins.

Umfrage
Was halten Sie von Wölfen?
40 %
14 %
44 %
2 %
Insgesamt 4894 Teilnehmer

Schlauer Wolf

«Wahrscheinlich habe ich den Wolf mit meiner Anwesenheit vertrieben», so Decurtins. Anders könne er es sich nicht erklären, wieso nur ein Schaf getötet wurde. Der Wolf sei daraufhin geflüchtet und habe bei einem Hof weiter unten im Tal weitere Schafe gerissen.

«Der Wolf ist über den unteren Teil der Stalltür gesprungen und so in das Gebäude gekommen», ist Decurtins überzeugt. Er sei völlig überrascht, dass Wölfe so nahe heran kommen: «Der Naturschutz sagte immer, dass Wölfe von Ställen fernbleiben.»


Dieses Video zeigt zwei Calanda-Wölfe, wie sie die Sonne geniessen.

Ist es ein Problemwolf?

Ob der Wolf aus dem Calanda-Rudel stammt, das im Grenzgebiet zum Kanton St. Gallen lebt, ist noch unklar. Tiere aus dem Rudel hatten sich in der Vergangenheit immer wieder in der Gegend aufgehalten. Ein DNA-Test soll Klarheit bringen. «Bis das Tier bestimmt ist, dauert es etwa dreieinhalb Wochen», sagt Hannes Jenny vom Bündner Amt für Jagd und Fischerei.


In Felsberg GR frassen die Wölfe noch vor einem Jahr die Hofkatzen

Der Vorfall stellt die Behörden vor neue Probleme. Denn: Es ist das erste Mal seit der Rückkehr des Wolfes, dass einer in einen Stall eindringt, um ein Tier zu reissen. Bären, die sich zu sehr der Zivilisation nähern, werden als Problem- oder Risikobären eingestuft und allenfalls zum Abschuss freigegeben. Bei Wölfen gilt: Ein Tier wird zum Abschuss freigegeben, wenn es 25 Schafe und mehr in einem Monat reisst. «Für einen Wolf, der in ein Gebäude eindringt, gibt es zurzeit keine Regelung», bestätigt Hannes Jenny, «deshalb muss dieser Fall zuerst mit dem Bundesamt für Umwelt besprochen werden.»


In Vättis SG ist eine Frau nachts einem Wolf begegnet

Tierschützer reagieren zurückhaltend

Experten reagierten am Dienstag zurückhaltend auf den Vorfall. Simona Kobel, Verantwortlich für Grossraubtiere bei Pro Natura gegenüber 20 Minuten: «Zunächst muss man die Ergebnisse der DNA-Auswertung abwarten und schauen, ob es sich tatsächlich um einen Wolf und dann, ob es sich allenfalls um das Tier aus der Leventina handelt.» Dieser sorgt seit einiger Zeit im Tessin für Aufregung. Bereits vor zwei Wochen gingen 24 gerissene Schafe auf sein Konto. Für Kobel ist es beim heutigen Wissensstand «noch zu früh konkrete Forderungen».

(gts)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Böse Zunge am 22.02.2017 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problematische Situation

    Einerseits bin ich für den Schutz des Wolfes, andererseits tun mir die Schafe leid. Aber 24 Schafe in zwei Wochen? In anderen Ländern würde eine Kosten-Nutzen-Rechnug einen Abschluss nahelegen.

    einklappen einklappen
  • sailor am 22.02.2017 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Dauerbrenner

    Ja ja ..der Wolf ist in der Schweiz bald besser geschützt als die Menschen .Wird mal ein Wolf abgeschossen steht dies mindestens eine Woche in der Zeitung...bei den Menschen ...?

    einklappen einklappen
  • GS am 22.02.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wolfsprojekt verschleudert Steuergelder

    Gross Raubtiere ansiedeln und sie unter Schutz stellen ist meines Erachtens unglaublich, wie der Mensch die Natur und sich selber In Gefahren bringt. Es wäre an der Zeit das die Medien den Bürger Informieren würde, wie viel es den Steuerzahler kostet. Nach meiner Berechnung kostet es Millionen , welche die Biologen kassieren und eine goldige Nase verdienen. Erstaunlich ist es, dass die Tierschutzorganisationen mit Spendengelder solche Tierquälerische Projekte unterstützen. Das ist nicht der einzige Fall vielfach werden sie vertuscht und nicht veröffentlicht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Donna M. am 22.02.2017 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wolf vs. Mensch

    Problemwolf? Nein! Der Mensch ist das Problem. Den Tieren wird immer mehr der Lebensraum weggenommen. Dazu kommt, dass alles was stört weg muss. Die Leidtragende ist die Natur. Einige wären wohl überglücklich, wenn es gar keine Tiere mehr gibt.

  • Keltin am 22.02.2017 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro Wolf / Bär und Luchs

    Ich habe das Gefühl viele interessieren sich nur für das Thema Wolf wenn Nutztiere gerissen werden. Dann werden Stimmen laut und es wird gemotzt das die Wölfe angesiedelt wurden. Die Wölfe wurden nicht angesiedelt, sie kamen von alleine und nur weil der Mensch nicht lernen will neben dem Wolf zu leben und seine Nutztiere zu schützen (was finanziell unterstützt wird) werden Stimmen laut das sie ausgerottet werden sollen. Die Wölfe kommen trotzdem! Der Mensch sägt an seinem eigenen Ast, die Natur wird sich einiges wieder zurück holen. Ach ja; alle die Mitleid mit den Nutztieren haben sind ziemlich sicher Vegetarier, oder? Schaut euch mal Dokus an wie mit unseren Nutztieren umgegangen wird, damit Fleisch auf dem Teller liegt. Da blutet mein Herz auch.

  • Techno-Oldie am 22.02.2017 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herdenschutz Hunde!

    Sie wollen es eben nicht lernen.

  • Paddy am 22.02.2017 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergammelter Stall

    Ein Stall sollte Aus- und Einbruchsicher sein. Da lässt der Bauer den Stall vergammeln und dann ist das Raubtier schuld. Ist einfacher die Schuld abzuschieben.

  • subi am 22.02.2017 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nahrung

    der bauer sollte eben die tür vergittern, nicht die kleinen fenster. liebe jäger lasst dem wolf genügend nahrung. fleisch könnt ihr in der coop, migros etc im überfluss kaufen.