Gmünden AR

12. Oktober 2016 17:50; Akt: 12.10.2016 18:19 Print

«Das Dealen gehört zum Gefängnisalltag»

In der appenzellischen Strafanstalt Gmünden starb ein Insasse an einer Überdosis Morphin. Die Anstalts-Direktorin nimmt Stellung.

storybild

Die Todesursache des verstorbenen südafrikanischen Häftlings in Gmünden ist geklärt. Der Mann starb an einer Überdosis Morphin. (Bild: dst)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In der Strafanstalt Gmünden wurde ein Gefangener tot in seiner Zelle aufgefunden. Nun ist klar: Er starb an einer Überdosis Morphin. Erhalten hatte er dieses von einem anderen Gefangenen, der wegen seiner langjährigen Heroinsucht mit einem Ersatzpräparat behandelt wird.

«Das Dealen gehört leider zum Gefängnisalltag», sagt Alexandra Horvath, Strafanstaltsdirektorin der Strafanstalt Gmünden in Niederteufen AR. Und es könne auch nicht verhindert werden, da die Gefangenen im offenen Vollzug Kontakt untereinander hätten. «Sie sind nicht in Einzelhaft und sehen sich beim Arbeiten und in der Freizeit.»

Darüber, wie der Verstorbene genau an die Substanzen gekommen sei, könne nur spekuliert werden. Denn die Medikamente würden zu bestimmten Zeiten abgegeben. Und: «Eingenommen werden diese immer unter Sichtkontrolle », so Horvath weiter. Die Strafanstaltsdirektorin weist aber daraufhin, dass es sich um Schwerstabhängige handelt, die jahrzehntelange Erfahrung mit dem Dealen von Medikamenten hätten. «Diese Gefangenen verfügen über ungeahnte Fingerfertigkeiten oder können sogar Medikamente hinauf würgen.»

Durch die Nase eingenommen

Seit dem Vorfall seien die Arbeitsprozesse überprüft worden und würden laufend weiterentwickelt. «Die Mitarbeiter sind erneut auf Schmuggelmöglichkeiten sensibilisiert worden.» Zudem würden sie die Zellen der Gefangenen regelmässig kontrollieren. «Das wird auch in Zukunft der Fall sein.» Der Schmuggel unerlaubter Substanzen sowie der Besitz und die Weitergabe von verbotenen Gegenständen werde sanktioniert. Und: «Gefangene, die positiv auf verbotene Substanzen getestet werden, werden diszipliniert.»

Die Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen und die polizeilichen Ermittlungen haben ergeben, dass der verstorbene Südafrikaner das Morphin durch die Nase geschnupft hatte. Gemäss Spezialisten führt diese Art der Einnahme zu einem raschen Wirkungseintritt des Morphins und in diesem Falle zur tödlichen Überdosierung.

Es gibt keine Anhaltspunkte für eine Dritteinwirkung. Der Zellennachbar des Toten muss sich nun wegen Abgabe eines Betäubungsmittels verantworten.

(nab/luh)