Aquaponik

08. Februar 2016 05:44; Akt: 08.02.2016 11:57 Print

Ostschweizer züchten Fische wie die Azteken

Zwei neue Fischzuchtanlagen in der Ostschweiz arbeiten umweltneutral. Die Betreiber ziehen Pflanzen, die von den Fischfäkalien leben und das Wasser der Fische reinigen.

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Eine uralte Fischzuchtmethode der Azteken wird neu entdeckt: In Balterswil TG und Bad Ragaz SG haben sich zwei Züchter nun auf die sogenannte Aquaponik (siehe Box) spezialisiert.

In einem ehemaligen Fabrikgebäude in Balterswil haben Paul Wreford (36) und Philipp Hofbauer (53) eine Aquaponik-Fischzuchtanlage, die Aquaponic Gardens, aufgebaut. «Schon als Kind träumte ich von meiner eigenen Fischzucht», sagt der Australier Wreford. In der Aquaponik sehen er und sein Geschäftspartner das System der Zukunft: «Es ist sehr wassersparend und kommt ohne Chemikalien aus.»

Seit kurzem werden nun in Balterswil Lachsforellen und Barramundis (australische Riesenbarsche) gezüchtet und dazu Salate und Kräuter angebaut. Die Lebensmittel werden einmal pro Woche den Direktkunden nach Hause geliefert.

Eine Mini-Anlage gibts für 500 Franken

Die Anlage umfasst 500 Quadratmeter und hat eine Kapazität von bis zu 40 Tonnen Fisch pro Jahr. Um eine Wassertemperatur von 26 bis 30 Grad zu erreichen, wird Fernwärme von einer nahegelegenen Sägerei bezogen.

Funktioniert der Kreislauf, muss nur das Wasser nachgefüllt werden, das verdunstet oder von den Pflanzen absorbiert wird – laut Wreford ein bis drei Prozent der gesamten Wassermenge pro Tag. «In einer herkömmlichen Fischzucht müssen wegen der Verschmutzung täglich zehn bis zwanzig Prozent des Wassers ausgetauscht werden», sagt Wreford.

Neben den Lebensmitteln verkaufen Wreford und Hofbauer auch kleine Aquaponik-Anlagen für den Hausgebrauch. «Ein Micro-System mit einem Volumen von 63 Litern kostet rund 498 Franken», sagt Hofbauer. «Damit könnte man bereits selber Fische züchten.»

Mit Regional-Label zertifiziert

Eine weitere Aquaponik-Anlage befindet sich bei Ecco-Jäger in Bad Ragaz. Hier werden jährlich rund 15 Tonnen Buntbarsche sowie allerlei Grünzeug gezüchtet. «Derzeit wächst Nüsslisalat; im Frühling gibt es dann Kresse, Kräuter und Saisonsalate», so Philipp Gschwend, Geschäftsführer von Ecco-Jäger. «Abnehmer sind Bündner, St. Galler und Appenzeller Gastronomen sowie Fischhändler.» Die Fische aus Bad Ragaz sind mit dem Regional-Label Culinarium zertifiziert, was laut Gschwend ein grosser Vorteil ist.

(mlü)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 08.02.2016 06:31 Report Diesen Beitrag melden

    Super Idee

    Migrus und Coop sollten da im grossen Stil einsteigen - ganz toll :-)

    einklappen einklappen
  • Snowbiker am 08.02.2016 08:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Baugesetz anpassen

    Es wäre längst überfällig, das Baugesetz anzupassen. Mein Vorschlag: Den Landwirten soll endlich erlaubt werden, auf Landwirtschaftsland Aquaponic zu betreiben. Zurzeit ist dies nur in der Bauzone erlaubt!!! Ein Irrwitz. Eine rentable und umweltverträgliche Nahrungsmittproduktion wird unseren Landwirten zurzeit verboten. Und dafür werden jährlich Subventionen gesprochen...!

  • Jacky am 08.02.2016 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cool!

    Solche Ideen faszinieren mich extrem. Cool, dass es Menschen gibt, die das auch umsetzen! Habe letzte Woche ganz viele Filmchen zum Urzeit-Code auf Youtube gefunden. Ist vielleicht auch von interesse? Diese "Behandlung" des Fischlaichs resultierte in grösseren, kräftigeren und überlebensfähigeren Fischen. Ohne Genmanipulation!

Die neusten Leser-Kommentare

  • andi am 09.02.2016 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht schon aber moosig

    hahaa viel spass... kann euch jetzt schon sagen das eure fische nach moos dann schmeken. Richtige profis sind sie nicht sonst wissen sie ja das, dass vom geschmak des fisches nicht geht. Bin gelernter Fischwirt ich weiss von was ich rede.

  • Eduard J. Belser am 09.02.2016 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    Grundsätzlich gut, aber!

    Das ist grundsätzlich ökologisch sinnvoll, schont die gefährdeten Fischbestände der Meere und vermeidet energieaufwändige Kühltransporte über weite Strecken. Aber, es gibt genügend leerstehende Industriehallen an Orten, wo Abwärme sinnvoll genutzt werden kann. Es müssen nicht neue Hallen auf unersetzliches Landwirtschaftsland hingebaut werden.

  • Fischer am 08.02.2016 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht vergessen!

    Man braucht vom veterinäramt eine bewiligung um fische zu züchten! Fische gelten nicht als Nutztiere sondern als Wildtiere! Es klingt mir zu einfach , jedem eine" kleinanlage" anzubieten . Das wohl der Fische muss im vordergrund bleiben!

  • CHPrepper am 08.02.2016 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neuen

    In den USA wird diese Methode schon sehr lange angewandt vorallem von den Preppern um unabhängig zu sein.

  • Appenzeller am 08.02.2016 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nischenprodukte fördern

    Genau solchen innovativen Personen wie Paul Wreford es zeigt sollten und müssten vom Staat gefördert werden. Zumindest müssen die Barrieren, wegen Vorschriften, Landwirtschaftszonen usw. für solche zukunftsträchtige, umweltfreundliche und emmisionsarme Unternehmen gelockert werden. Falls die Herren der Ämter dies lesen sollten, lege ich Ihnen ans Herz, sich schnell und intensiv mit solchen Angelegenheiten zu befassen. Bravo Herr Wreford u.Co.