Kristallhöhle Oberriet SG

15. September 2017 05:59; Akt: 15.09.2017 13:28 Print

Justiz vernichtet Beweismittel in Mordfall

1982 wurden bei der Kristallhöhle bei Oberriet zwei Mädchen ermordet. Der Fall ist bis heute ungeklärt. Das wird wohl so bleiben: Alle Asservate des Falls sind vernichtet worden.

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«Zum Kristallhöhlenmord haben wir gar nichts mehr in der Asservatenkammer», sagt Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kapo SG. Es ist ein Fall, der europaweit für Aufsehen sorgte und noch heute weit über die Region die Menschen bewegt. Karin Gattiker (†15) und Brigitte Meier (†17) verschwanden am 31. Juli 1982 bei einer Velotour durch die Ostschweiz. Ihr Spur verlor sich an einer Wegkreuzung in Oberriet SG, wo ihre Velos zurückblieben. Ihre Leichen wurden neun Wochen später in der Kristallhöhle entdeckt. Sie fielen einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Der Täter wurde nie gefasst. Inzwischen ist der Fall abgeschlossen und verjährt. Laut Rezzoli ging zudem 2015 der letzte Sachbearbeiter in Pension.

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Der Doppelmord beschäftigte auch Aktenzeichen XY ungelöst. (Quelle: YouTube/Laibachs Hoden-Wohl)

Hinweise nützen nichts

Asservate werden jeweils auf Verfügung der Staatsanwaltschaft nach rechtskräftigen Abschluss einer Untersuchung vernichtet, so auch im Fall des Kristallhöhlenmords. In die Asservatenkammer gelangen Spurenträger, die im Rahmen einer Untersuchung gesichert wurden. «Bei einem Delikt mit bekannter Täterschaft, werden die Asservate meist aufbewahrt, bis ein rechtskräftiges Urteil oder eine Einstellung vorliegt. Dann können sie auf Weisung der Staatsanwaltschaft vernichtet werden», so Rezzoli. Bei Fällen, in denen die Täterschaft nicht bekannt ist, werden Asservate grundsätzlich bis zur Verjährung des entsprechenden Tatbestandes aufbewahrt. Bei richtiger Lagerung können diese auch zu einem späteren Zeitpunkt – aber nur bis zur Verjährung – nach neusten Methoden untersucht werden.

Obwohl der Kristallhöhlenmord verjährt ist, betonte die Polizei stets, man nehme immer noch Hinweise entgegen. Allerdings nützen diese laut Roman Dobler, Sprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft, nichts mehr: «Der Fall ist verjährt. Es wird nie zu einer erneuten Untersuchung, einer Anklage oder einem Urteil kommen.» Selbst wenn die Kantonspolizei St. Gallen entsprechende Hinweise auf einen mutmasslichen Täter in diesem Fall rapportiert, erlässt die Staatsanwaltschaft eine sogenannte Nichtanhandnahmeverfügung, das heisst, dass keine Strafuntersuchung eingeleitet wird, weil der Fall verjährt ist und dies das Gesetz so vorsieht.

Vorgehen fraglich

Für Personen, denen der Fall vertraut ist, ist das Ganze stossend. Laut Peter Beutler, der die Thematik in einem Krimi verarbeitet hat, hätten die Asservate immerhin Platz in einem Kriminalmuseum finden können. Es sei ja auch ein Stück Zeitgeschichte. Bei Lesungen erlebe er stets, wie sehr der Doppelmord die Menschen auch nach über 30 Jahren noch beschäftigt. «Gerade bei so einem Fall, der die Menschen immer noch so bewegt, kann es doch nicht sein, dass die Staatsanwaltschaft alles vernichtet und man Hinweisen nicht mehr richtig nachgeht», so Beutler.

Auch Kriminologen haben kein Verständnis. Für den deutschen Tatortanalytiker Axel Petermann, der den Fall studiert hat, ist klar: «Hier gibt es zwei Opfer und Angehörige, die ein Recht haben, zu erfahren, wer der Täter ist.» Er verstehe deshalb nicht, warum alles vernichtet wurde.

Strafrechtsprofessor Martin Killias weist noch auf einen anderen Punkt hin: «Ich finde die Vernichtung von Spuren generell fragwürdig, auch weil man so ein Fehlurteil nie entdecken kann.» Dass in den USA viele Fehlurteile noch nach etlichen Jahren aufgedeckt werden, liege eben auch daran, dass man dort die Spuren generell viel länger aufbewahre als in Europa.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bmf 66 am 15.09.2017 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was läuft hier falsch?

    Mord verjährt also in der Schweiz nach 30 Jahren... Steuerschulden hingegen werden sogar noch an die nächste Generation weitergegeben und eingefordert... Verrückte Schweiz...

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  • Nicole am 15.09.2017 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verjährt?

    Mord sollte nicht verjähren meiner Meinung nach. Wer einen Mord begeht, soll auch 30 Jahre später noch dafür bezahlen.

  • Thomas am 15.09.2017 06:35 Report Diesen Beitrag melden

    Verjährung

    Mord sollte niemals verjähren. Stellt man sich vor, nach 40 Jahren wird der Mörder eines Kindes gefunden. Der läuft dann frei rum und geniesst seine Rente.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Us da Region am 16.09.2017 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kuscheljustiz Rheintal

    Ich finde es einfach nur traurig das dieser bekannte Fall in unserer Region nie aufgeklärt wurde. Ich lebe im Dorf nebenan. Dieser Mordfall wurde nie aufgedeckt weil gepfuscht wurde! Ich bin absolut überzeugt das man diesen Fall heute noch aufdecken könnte, wenn man es nur wollte?!?! Bei mir hat die Kristallhöhle leider immer einen faden Beigeschmack. Immer kommen mir diese 2 armen Mädchen in den Sinn. Es macht mich heute noch wütend welch Anfänger diesen Fall betreut haben!!!! Liebe Justiz, es waren ja nicht eure Kinder die zu Grabe getragen wurden....

  • Lussi am 15.09.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Recht in seiner ganzen Merkwürdigkeit

    Der Laie sei ein wenig irritiert: Da vernichtet der vermutete Beauftragte die ihm anvertrauten Mittel und Informationen.

  • Julian am 15.09.2017 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Beschränkt sinnvoll

    Ist doch unrealistisch zu glauben, man könne einen Fall nach 30 Jahren noch aufklären. Die Abschaffung der Verjährung würde nur etwas bringen, wenn sich ein Mörder freiwillig stellt.

    • Böse Zunge am 16.09.2017 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Julian

      Was ist mit dem Mord an Carmen Kampa, Deutschland? 1971 ermordet, 2011 aufgeklärt. Oder was ist mit dem BTK Mörder, USA. Er ermordete von 1974 bis 1991 mindestens zehn Menschen und doch wurde er 2005 geschnappt. Es gibt zahlreiche Morde, die nach langer Zeit aufgeklärt werden konnten.

    • Schneidewind am 16.09.2017 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Julian

      So ein Blödsinn. Es wurden Fälle noch nach Jahrzenten zB. aufgrund von neunmöglichen DNA Anslysen aufgeklärt. Mord darf nicht verjähren ! Ein Mörder bleibt bis an sein Lebensende ein Mörder.

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  • flower_kings am 15.09.2017 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus dem Bericht...

    ...geht auch nicht hervor, wann und zu welchem Zeitpunkt diese Asservate vernichtet wurden... Es scheint nur logisch, dass hier jemand etwas zu verbergen hat. Fragt doch mal bei dem in Pension gegangenen Ermittler nach...

  • Frau Meier am 15.09.2017 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Das ist kaum zu ertragen, wie muss es erst den Angehörigen gehen? Diese Verjährung von Mord sollte dringend aufgehoben werden! Ich hoffe, dass der/die Täter/in irgendwann seine/ihre gerechte Strafe bekommt.... Karma!