Frauenfeld

17. November 2014 15:57; Akt: 17.11.2014 16:45 Print

«Es geht darum, auf dem WC Gutes zu tun»

Mobile Toiletten ohne den üblichen Chemie-Mief? Das soll am kommenden Openair Frauenfeld möglich sein. Die Verantwortlichen planen den Einsatz von Kompost-WCs.

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«Die Kompost-Toiletten sind zwar teurer, bieten aber viele Vorteile», sagt Joachim Bodmer, Mediensprecher beim Openair Frauenfeld. Deshalb habe man die Öko-Toiletten fürs Openair 2015 bereits eingeplant. «Vor allem in Bezug auf den Geruch wird der Toilettengang so für die Festival-Besucher viel angenehmer», sagt Bodmer.

Heimeliges Holz-Klo

Hinter den Kompost-Klos steht der fünfköpfige Verein Kompotoi aus Meilen ZH. Der typisch chemische Geruch der blauen Plastik-WCs nervte den Zürcher Jojo Linder (30) und seine Freunde. Deshalb entwickelten sie vor rund zwei Jahren die mobile Kompost-Toilette Kompotoi.

«In unseren Holzklos ist es heimelig und es riecht nach frischem Einstreu», so Linder gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Laut Linder will man damit auch die Leute motivieren, sich Gedanken über ihren «Scheiss» zu machen und beim «Geschäft» Gutes zu tun. «Bewusst leben ist kein Verzicht, ökologische Produkte bieten sogar einen Mehrwert», sagt Linder.

Human Output als Dünger

Und wie funktioniert die Kompost-Toilette? Eigentlich nicht viel anders als bei einer normalen Toilette. Nur wird der «Human Output», wie Linder die menschlichen Ausscheidungen nennt, statt mit etwa zehn Litern sauberem Wasser runtergespült, mit einer Portion Holzstreu verdeckt. Dabei verfügt die Kompost-Toilette über ein Pissoir für den Männerurin sowie ein normales WC für Kot und Frauenurin. Der Vorteil dabei: «So kommt der wegen der Pille hormonreiche Frauenurin nicht ins Wasser», sagt Linder.

Die anfallenden Fäkalien werden dann auf professionelle Weise kompostiert. So entsteht aus dem Kot schliesslich Dünger. Geplant ist, diesen in Zukunft an Bauern und Gärtner weiterzugeben. «Noch können wir den Dünger nicht verkaufen, denn dafür braucht es eine Zertifizierung», so Linder.

Für OASG keine Alternative

Inzwischen vermietet Kompotoi rund ein Dutzend Holzhäuschen mit eingefrästen Herzchen auf Baustellen, Festivals und Hochzeiten, die meisten davon in Zürich. Die Miete kostet pro Anlass pro Tag etwa 400 Franken inklusive Reinigung und Leerung pro Tag. «Die Kosten sind abhängig von der Dauer der Vermietung und wie viele Klos auf einmal geliefert werden», sagt Linder. Werden mehrere Klos geliefert, wird die Anfahrt ja nur einmal berechnet.

Ob die Macher einen Grossevent wie das Openair Frauenfeld beliefern können, wird sich zeigen. Immerhin sind hier WCs im dreistelligen Bereich vorhanden. «Wir sind momentan im Gespräch mit einem Partner, um auch grössere Mengen an Klos liefern zu können», sagt Linder. Beim Openair Frauenfeld könnte man sich auch eine Mischvariante, also normale ToiTois und Kompotios, vorstellen.

Beim Openair St. Gallen hingegen sind die Kompotois keine Alternative. «Wir haben praktisch keine ToiTois, sondern WC-Wagen, bei denen die Toiletten direkt an die Kanalisation angeschlossen sind», so Sabine Bianchi, Mediensprecherin beim Openair St. Gallen. Es sei deshalb aus logistischen Gründen nicht sinnvoll auf Kompotois umzusteigen.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • daniela h. am 17.11.2014 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aber öpis nimmt mi wunder..

    ... Wenn so die Hormone nicht im Wasser landen wo dann? Der Dünger wird doch irgendwann zum düngen benutzt und wenn es regnet sickert Wasser doch durch?

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  • Heidi Odermatt am 17.11.2014 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvolles Recycling

    ......Und jeder Benutzer kriegt gratis ein Säckli voll Kompost mit nach Hause. Zum Problem mit den hormonhaltigen Ausscheidungen der Frauen wegen der Pille: Auch dieser Kompost kann als Dünger verwendet werden; der damit gedüngte Kopfsalat dient dann als Verhütungsmittel. ;-)

  • Tina Mueller am 17.11.2014 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ganz so oeko??

    Hmmm, also ich hoffe das wird nie duenger. Mal abgesehen von den hormonen, was wird noch alles an droggenrueckstaenden ausgeschieden??? Insbesondere an einem openair...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mikko Santtu am 18.11.2014 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nothing new under the sun...

    Gibts in finnischen Naturparks schon seit Jahrzehnten - und funktioniert...

  • SueR am 18.11.2014 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    gute Idee

    Scheint eine echte Win-Win-Situation zu werden ;)

  • Cleo am 17.11.2014 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hormone ?

    Die Hormone der Pille werden soweit ich weiss aufgenommen und nicht wieder ausgeschieden, da sie ja sonst keinen Nutzen hätte oder ist diese Annahme falsch ?

  • vreni am 17.11.2014 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wc

    Wau, super. Wenn es nicht mehr so riecht auf dem Wc.

  • Anna am 17.11.2014 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umweltfreundlich?

    Also erstens muss dafür holz gefällt werden (falls es mal in grossen stücken produziert wird) dann ist es auch nicht mehr umweltfreundlich und zweitens, wenn da mal was daneben geht saugt das holz das auf und es stinkt noch mehr als in den toitois sieht zwar schön aus aber im endeffekt seh ich da keine logik..

    • Maha am 17.11.2014 18:58 Report Diesen Beitrag melden

      Umwelt

      Ich stimme der Anna voll bei. Mann könnte natürlich das Holz verwenden das sowieso im Wald liegen bleiben soll.

    • Mike am 18.11.2014 01:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Holz haben wir genug

      Im Moment wächst in der Schweiz mehr Holz, wie wir hier roden! Zudem Holz wandelt das CO2 um von euren Fürzen etc in Sauerstoff.

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