77 Tiere betroffen

17. September 2017 12:33; Akt: 18.09.2017 07:43 Print

Neuer Streit um Pferde von Thurgauer Quälhof

Auf Alpweiden befinden sich noch beschlagnahmte Tiere des verurteilten Pferdequälers Ulrich K. Nun sollen sie neue Besitzer finden. Ulrich K. hat Anwälte eingeschaltet.

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Von April bis Juli 2017 hat eine ehemalige Mitarbeiterin von Ulrich K. die miserablen Zustände auf dem Hof mit Fotos dokumentiert. (Archiv) Die Tiere seien oft zu schwach gewesen, um zu fressen, so die Ex-Mitarbeiterin – rund ein Dutzend Pferde sollen verendet sein. Die Bilder vom Hof in Hefenhofen haben zu grosser Empörung in der Öffentlichkeit geführt. (Archiv) Es kam zu zahlreichen Demonstrationen von Tierschützern, wie hier vor dem Ratsgebäude in Frauenfeld. Auch vor dem Hof von Ulrich K. in Hefenhofen positionieren sich die Aktivisten. Dann greifen die Behörden durch: Mithilfe einer Verfügung werden alle Tiere auf dem Hof beschlagnahmt. Hier stellt die Polizei am Montag 7. August 2017 Gitter auf und montiert darauf Sichtschutz-Blachen. Hinter verschlossenen Türen wird die Situation auf dem Hof analysiert. Einige wenige Tiere mussten wegen ihres schlechten Zustands sofort eingeschläfert werden. Die restlichen werden am Montag und Dienstag abtransportiert. Während die Rinder, Schweine, Geissen, Schafe, Lamas und Hühner von Betrieben übernommen werden, fährt für die Pferde die Armee vor. Die zum Teil stark verwahrlosten Tiere werden hier auf dem Hof von Ulrich K. von Armeeangehörigen in grosse Lastwagen geladen. Die insgesamt 93 Pferde werden verladen und ..... ... kommen ins Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere nach Schönbühl bei Bern. Viele der Pferde sind sich nicht gewöhnt, am Halfter geführt zu werden. Vor allem Stuten mit Fohlen sind in einem sehr verwahrlosten Zustand. Gerade von den Jungtieren sollen auch einige in den letzten Monaten verendet sein. Die Kleinen sind stark verdreckt. Aber auch ausgewachsenen Pferde sind in einem stark verwahrlosten Zustand. Angehörgie der Armee kürzen die Hufe eines der Pferde. Andere waschen das Fell und den Schweif der Tiere. Die Pferde werden schön gemacht. Dies dient alles der Vorbereitung auf die Versteigerung am Donnerstag, 17. August 2017. Die Versteigerung der Tiere findet bei bestem Wetter auf der Anlage der Armee in Schönbühl statt. Hunderte Interessierte sind angereist. Die einen wollen das Geschehen nur verfolgen. Sehr viele sind aber schon mit dem Transporter angereist und wollen ein Pferd ersteigern.

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Insgesamt 77 Tiere, die dem Thurgauer Bauern Ulrich K. gehörten, befinden sich noch in der Alpsömmerung. Fünf Betriebe in den Kantonen St. Gallen und Graubünden sollen die überwiegende Mehrheit dieser Pferde und Rinder beherbergen, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. Nun neigt sich die Alpsaison dem Ende zu.

Darum werden auch die beschlagnahmten 55 Pferde und 22 Rinder von Ulrich K. dieser Tage ins Tal gebracht oder sind bereits unten. Der Kanton Thurgau, der schon die 300 Tiere von Hefenhofen neu platziert hat, sucht nun gemeinsam mit den Kantonen St. Gallen und Graubünden für die Alp-Tiere neue Plätze. Während dies bei den Rindern kein Problem ist, gestaltet sich die Suche nach Pferdeplätzen offenbar schwieriger.

Polizeieinsatz auf der Alp

«Für rund ein Dutzend Pferde aus dem Bestand von K. haben wir nach dem Alpabzug noch keine Lösung», sagt der Bündner Kantonstierarzt Rolf Hanimann zur «Sonntagszeitung». Mit den Behörden im Thurgau sei vereinbart worden, dass die Tiere bis maximal Ende Monat im Bündnerland bleiben. Eine erneute Versteigerung der Tiere sei nicht ausgeschlossen.

Für Aufregung sorgte im Bündnerland offenbar auch das Auftauchen von Barbla A. Die Lebenspartnerin von Ulrich K. soll gemäss «Sonntagsblick» mit mehreren Pferdetransportern auf eine Alp in Davos gefahren sein. Sie soll von der Polizei aufgehalten worden sein. «Wir erhielten Meldung, dass Pferde ohne unsere Kenntnis weggebracht würden», sagt Kantonstierarzt Hanimann zum «Sonntagsblick». Ob tatsächlich Tiere wegkamen, ist offenbar noch nicht ganz geklärt.

Ulrich K. rekurriert gegen Verfügungen

Kein Verständnis für das Vorgehen der Thurgauer Behörden hat der Schweizer Tierschutz. Deren Tierärztin Julika Fitzi sagt, man habe diesen eine Liste mit möglichen Pferde-Abnehmern zugestellt. Damit hätten sie bisher aber keinen Erfolg gehabt. «Ausser unfreundlichen Mails vom Veterinäramt haben wir keine Rückmeldung erhalten», sagt Fitzi gegenüber der «Sonntagszeitung».

Auch Ulrich K. selbst hat die Thurgauer Behörden ins Visier genommen. Seine Anwälte klagen gegen die Verfügung zur Beschlagnahmung und zum vorläufigen Tierhalteverbot. Aber auch die Versteigerung passt Ulrich K. gar nicht. Weil die Behörden die Preise nach oben begrenzten, sei Artikel 26 verletzt worden, wonach Enteignungen «voll entschädigt» werden müssen, schreiben seine Anwälte im Rekurs.

Thurgauer Behörden wollen sich an Regeln gehalten haben

Die Thurgauer Behörden halten dem entgegen, dass es keine gesetzlichen Grundlagen gebe, wie der Preis der Tiere bei einer Versteigerung zu bestimmen sei. Es sei aber gängige Praxis, sich am Marktpreis zu orientieren. «Zu dessen Bestimmung wurden externe Fachleute beigezogen», so die Antwort.

Die 120'000 Franken aus der Versteigerung der Pferde sollen nicht einmal die Kosten für Polizeieinsatz, Transport und Unterbringung der Pferde decken. Ulrich K. erhält darum vermutlich keinen Rappen. War die Versteigerung aber widerrechtlich, muss er nachträglich doch noch entschädigt werden.

(ann)