Nachts in den Bergen

04. Juli 2017 15:24; Akt: 04.07.2017 17:20 Print

Fotograf löst mit Lampe Rega-Einsatz aus

Naturfotograf Tobias Ryser aus Rapperswil hat in den Urner Bergen spektakuläre Bilder geschossen. Noch während er in Ruhe fotografierte, brachen Polizei und Rega auf, um ihn zu retten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Es sind unglaubliche Erlebnisse, die man jeweils hat», sagt Fotograf Tobias Ryser (36) aus Rapperswil SG über seine Erfahrungen beim Fotografieren. Oft ist der Natur- und Landschaftsfotograf in den Alpen unterwegs: «Ich habe mich auf die Schweizer Berglandschaft spezialisiert.»

Als er vor kurzem für Aufnahmen auf den Klausenpass im Kanton Uri fuhr, ahnte er nicht, dass ihn neben einer spektakulären Atmosphäre und traumhaften Bildern auch ein Rettungseinsatz beschäftigen sollte – nämlich sein eigener. Um Berge zu fotografieren, biete sich «ein so schöner Kanton wie Uri» geradezu an, wie er zur «Luzerner Zeitung» sagt.

Erste Bilder sorgten für Glücksgefühle

Knapp 450 Höhenmeter oberhalb des Hotels Klausenpass lag sein Ziel in dieser Nacht: das Balmer Grätli. Schon beim Aufstieg hatte Ryser ein einmaliges Erlebnis: «Auf einmal hörte ich einen Wachtelkönig. Mir ging das Herz auf.» Die Vögel sind selten in der Schweiz. «Um diese Zeit sind sie eher im Flachland anzutreffen. Der Vogel war wohl auf der Durchreise.»

Doch das eigentliche Highlight kam nach dem Aufstieg: «Der Bogen der Milchstrasse umspannte perfekt den in den Himmel ragenden Felszahn.» Ryser begann, Bilder zu schiessen. Damit auch er darauf zu sehen war, kletterte er auf den Felszahn und drückte auf den Selbstauslöser. «Als die ersten Bilder am Kameradisplay aufleuchteten, durchströmten mich Glücksgefühle, die wohl nur diejenigen ganz verstehen können, die selber diesen Wahnsinn betreiben und mitten in der Nacht mit schwerem Gepäck Orte anwandern, um den perfekten Moment einfangen zu können.» Zufrieden setzte Ryser Kaffee auf.

Stirnlampe provozierte Rettungseinsatz

Wenig später bemerkte der 36-Jährige während des Fotografierens, dass auf der Passstrasse ein Auto mit Blaulicht unterwegs war. Knapp 400 Meter unterhalb blieb das Fahrzeug stehen. «Die suchen wohl jemanden», dachte er sich. Dann traf ihn das Scheinwerferlicht. Ryser wich dem Licht aus, weil er nicht gestört werden wollte: «Ich wollte endlich wieder in Ruhe weiterfotografieren.» Kurz danach hörte er ein Megafon. «Ich hörte aber nicht, was gesagt wurde.» Dann verschwand das Auto wieder.

Gegen 5 Uhr hörte der Fotograf, der auch Kurse in der Natur durchführt, einen Helikopter nahen. «Als ich sah, dass es ein Rega-Heli war, war mir sofort alles klar: Die suchen mich!» Er signalisierte den Rega-Rettern, dass es ihm gut gehe. Der Heli zog ab. Sofort informierte Ryser die Rega per Telefon, dass es ihm gut gehe. Grund für den Rettungseinsatz: Jemand hatte den Lichtstrahl von Rysers Stirnlampe zwischen den Felswänden gesehen und als Hilferuf gedeutet.

Im Nachhinein bedankte er sich bei Polizei und Rega für den Einsatz: «Es ist genial, wie gut umsorgt wir hier in der Schweiz sind. Es ist doch besser, wenn der Helikopter einmal zu viel fliegt als zu wenig.» Für den Einsatz will sich Ryser bedanken: Er lässt der Rega und der Kantonspolizei Uri deshalb ein Wandprint seines Bildes zukommen.

Mit dem Smartphone filmte Ryser die Ankunft des Rega-Helis (Video: Facebook/Tobias Ryser Fotografie)

(gwa)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 04.07.2017 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemacht

    Ich bin selber Teil der Rettungskette. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass diese hierzulande mehr oder weniger funktioniert. Allerdings wäre es wünschenswert, dass sich Leute, welche durch ihr Verhalten (Licht, Lärm etc.) einen Einsatz auslösen könnten kurz bei der zuständigen kantonalen ELZ melden würden. So mancher Fehlalarm könnte verhindert werden.

    einklappen einklappen
  • F Müller am 04.07.2017 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Sichere und wunderschöne Schweiz

    Sowas macht mich Glücklich, dieser Mann macht Weltklasse Bilder. Jedes Einzelne dieser Fotostrecke ist faszinierend. Bravo! Und der aufmerksame Mitbürger und die Polizei /Rega machten einen super Job, auch wenns diesmal nicht nötig war (was sie ja nicht wussten) ist das Engagement und der Einsatz überaus Lobenswert. Danke!

  • Florian am 04.07.2017 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt auch noch das

    Immer diese Künstler. Allen liegen sie auf der Tasche. (achtung Ironie)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hene70 am 05.07.2017 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbare Bilder

    Ein Mann mit dem Auge für's Schöne in unserer Welt, Gratulation!!

  • Enrique am 05.07.2017 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Weltklasse

    Mir war nie bewusst, dass man in der Schweiz die Milchstrasse so genial einfangen kann Hut-Ap

  • Meana am 05.07.2017 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Wow!

    Wunderschöne Bilder. Auch wenn nur ein kleiner Augenblick im ach so stressigen Alltag, aber diese friedliche Ruhe auf den einzelnen Fotos ist magisch.

  • Hobby-Fotograf am 05.07.2017 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinnig schöne Bilder

    Den Beitrag intressiert mich nicht... Ich bin abgelenkt von den schönen Bilder!

  • Walt am 05.07.2017 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Schön anzusehen

    Trotz etwas zu viel Photoshop sind das sehr gelungene Bilder.