Erfolg für Nischenpartei

23. September 2012 18:17; Akt: 23.11.2012 13:38 Print

«Ich wurde nicht als Pirat gewählt»

von J.Büchi - Alex Arnold hat in Eichberg SG als erster Pirat schweizweit das Gemeindepräsidium geentert. Im Interview mit 20 Minuten Online lässt er aber nicht die Säbel rasseln, sondern stimmt erstaunlich gemässigte Töne an.

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Alex Arnold ist am Sonntag zum Gemeindepräsidenten des idyllischen Eichberg SG gewählt worden. (Bild: eichberg.ch/ sg.piratenpartei.ch)

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Herr Arnold, herzliche Gratulation zur Wahl zum neuen Gemeindepräsidenten von Eichberg. Wie feiert ein Pirat einen solchen Triumph?
Alex Arnold: Nicht anders, als dies Mitglieder anderer Parteien tun würden. Ich stosse mit ein paar Mitgliedern der FDP an, lasse den turbulenten Tag ausklingen und lasse die Eindrücke auf mich wirken.

Keine wilde Feier nach Piraten-Manier mit einer Flasche Rum?
Nein (lacht). Hier geht es sehr ruhig zu und her. Vielleicht auch, weil die Themen der Piraten für Eichberg gar nicht so relevant sind.

Wenn die Eichberger sich nicht für Ihr Parteiprogramm interessieren, warum haben Sie sie dann gewählt?
Die Wahl in Eichberg ist eine Personenwahl. Ich habe auf der Gemeinde die Lehre gemacht und kenne die Verwaltung. Die Leute haben also in erster Linie einen Eichberger – und nicht einen Piraten – gewählt.

Spätestens seit den letzten eidgenössischen Wahlen erleben neue Parteien wie die GLP und die BDP ja einen Boom – konnten Sie heute auf dieser Welle mitreiten?
Das kann gut sein. Ich könnte mir vorstellen, dass meine Unabhängigkeit von den traditionellen Parteien ein Pluspunkt war. Es ist auch möglich, dass viele Leute im Dorf genug von der SVP haben. Sie hat im Vorfeld der Wahl eine Flugblattkampagne gegen mich lanciert, in der sie vor einem «linken Gemeindepräsidenten» warnte. Dieser Schuss ging wohl nach hinten los.

War die Flugblattkampagne der einzige Angriff auf Sie oder wurden Sie aufgrund Ihrer Zugehörigkeit zur Piratenpartei auch belächelt?
Vielleicht teilweise. Da die Leute mich kannten, wussten sie aber, dass es sich um eine ernsthafte Kandidatur handelt. Sie glaubten, dass ich seriöse Sachpolitik betreiben werde.

Dann wird sich in ihrer Amtszeit nicht alles um Datenschutz und Transparenz drehen?
Nein. Ich werde zwar überprüfen, wie es in unserer Gemeinde um diese Themen steht. Ich glaube aber, dass bisher in diesen Bereichen schon recht gut gearbeitet wurde und kein grosses Aufräumen nötig ist. Grundsätzlich will ich mich der Sachpolitik widmen.

Sie geben den wilden Piraten also ein seriöses Gesicht. Glauben Sie, dass ihre Partei damit bald auch noch weitere Sitze erobern kann?
Ich hoffe es. Wir sind eine junge Partei, die wächst und ihr Themenspektrum stetig erweitert. Wir müssen jetzt raus auf die Strasse und uns den Leuten zeigen.

Und womit überzeugen Sie die potentiellen Wähler auf der Strasse?
Wir zeigen Ihnen, dass wir bereit für die Zukunft sind. In Themenfeldern wie Internet oder Medien, die in unserer Gesellschaft immer brennender werden, hinken die anderen Parteien hinterher. Wir sind hier auf Draht und bieten Lösungen an.