Tote Tiere

05. August 2017 07:05; Akt: 08.08.2017 11:14 Print

Demonstration gegen Thurgauer Pferdequäler

In Frauenfeld versammelten sich am Samstag rund 300 Personen. Sie protestieren gegen Bauer Ulrich K.

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«Tierquäler» steht auf einem Transparent. Andere halten Schilder mit den Fotos der toten Pferde in die Höhe. Die Bilder haben sich in den letzten Tagen in der ganzen Schweiz verbreitet.

Rund 300 Personen demonstrieren am Samstag beim Bahnhof Frauenfeld gegen den Pferdequäler, der für den Tod von mindestens 13 Pferde verantwortlich sein soll. Die Kundgebung verlief bisher friedlich.

«Ich bin erschüttert»

Die Tierfreunde- und Tierschützer schäumen vor Wut. Der Grund: Ulrich K. soll zahlreiche Pferde vernachlässigt haben: «In den letzten Monaten starben mindestens 13 Pferde, die der Bauer tagelang tot in der Herde liess», sagte eine ehemalige Mitarbeiterin am Donnerstag laut «Blick».

«Ich bin erschüttert über das Gelesene. Wie kann so etwas passieren?!», fragt sich eine Leserin. Eine andere wundert sich, dass der Mann immer noch Tiere halten kann: «Dass diesem Mann nicht schon längst das Handwerk gelegt wurde, kann ich nicht verstehen. Hier hat meiner Ansicht nach das Veterinäramt versagt.» Viele werfen den Behörden übermässige Zurückhaltung vor: «Unglaublich, dass die zuständige Behörde seit Jahren dem betreffenden Pferdehalter auf die Finger schaut, aber nichts bemerkt. Der zuständige Kantonstierarzt scheint eine Schlaftablette zu sein.»

Hunde werden beschlagnahmt, Pferde nicht

Auch Tierschützerin Edith Zellweger ist entsetzt: «Hunde von unbescholtenen Hundehaltern werden von den Behörden ohne amtliche Verfahren beschlagnahmt und zügig eingeschläfert.» Das passiere regelmässig. «Dass laufend tierquälerische Tierhaltungen nicht aufgehoben werden, kann nur unfähigen Vollzugsbehörden und der Korruption zugeschrieben werden. Anders kann ich mir die Untätigkeit der Beamten nicht erklären.»

Auch dass den Pferden die Notschlachtung droht, kann Zellweger nicht nachvollziehen. Plätze für die Tiere würde es genügend geben. «Bei mir haben sich in kurzer Zeit mehrere Personen gemeldet, die Pferde aufnehmen würden. Sogar aus Frankreich und Deutschland.» Für Zellweger ist klar: «Veterinärämter gehören gesamtschweizerisch geschlossen und Amtstierärzte wegen Gehilfenschaft zur Tierquälerei und unterlassener Hilfeleistung auf die Anklagebank.»

Petition sammelt tausende Unterschriften

Im Internet wurde unter dem Titel «Rettet die Pferde von Ulrich K.» eine Online-Petition lanciert. Die Petitionäre verlangen, dass das Veterinäramt unverzüglich alle notwendigen Massnahmen ergreifen solle, «um dem Treiben dieses Tierquälers Einhalt zu gebieten und die noch lebenden Pferde zu retten und in Sicherheit zu bringen». Dem zuständigen Regierungsrat Walter Schönholzer werfen die Petitionäre vor, er bedrohe die leidenden Tiere indirekt mit dem Tod beziehungsweise der Notschlachtung. Dies, «bevor er überhaupt und nachweislich Anstrengungen unternommen hat, die Frage der Unterbringung abzuklären». Innert kurzer Zeit wurden die Petition mehrere Tausend Mal unterzeichnet.

Kanton gründet Task Force

Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass am 24. Juli Anzeige gegen den Pferdehalter eingegangen sei und dass darauf das Veterinäramt informiert wurde. Der Ball liegt nun beim Amt.

Der Kanton Thurgau reagiert mit der Gründung einer Task Force, wie er am Freitagabend mitteilte. Diese soll am Montag erstmals tagen. Da der Kantonstierarzt in den Ferien weilt, ist Regierungsrat Walter Schönholzer (FDP) für die Kommunikation des Veterinäramtes zuständig. Dieser beantwortet am Freitag jedoch mit Verweis auf das Task Force-Treffen vom Montag keine Fragen.

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Katja Lauener am 05.08.2017 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich...

    Und bei uns auf dem kleinen Landwirtschaftsbetrieb bekommen wir eine Busse weil ein Platz einer Kuh 2cm zu klein sei! Unsere Tiere sind jeden Tag draussen, wohlgenährt und zufrieden! Und an anderen Orten kann so etwas passieren?!? Unverständlich für mich!

  • Sommerflor am 05.08.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wütend

    Das Veterinäramt hat einen schlechten Ruf,frage mich schon lange für was die da sind. Das Amt sollte sich für das Wohl der Tiere einsetzen aber denen sind die Tiere schnurz egal.

  • Andreas Müller am 05.08.2017 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Bauer

    Ich als Bauer finde das ein totale Katastrophe .jetzt gibt es so viele Kontrollen und beim kleinsten unbeabsichtigten Fehler gibt es grosse Strafen und so etwas geht?? Eine Schande für die ganze Landwirtschaft. Ach nein für den Kanton, denn so etwas ist kein Bauer!!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tino am 08.08.2017 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Landwirt Subventionen?

    Ich habe gelesen das ein Bauer für eine Kuh die unter besten Bedingungen gehalten wird mit über 1500.-/Monat vom Staat subventioniert wird. Auf diesem Hof waren 250 Tiere gemäss Zeitung. Das ergibt ein Vermögen welcher der Steuerzahler bezahlt. Frechheit!

  • Meli am 08.08.2017 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Danke an die Tierschützer, welche sich gegen diese Zustände gewehrt haben. Solche Zivilcourage sollte es mehr geben.

  • Nick Witzig am 08.08.2017 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Warum die Bilder an die Presse...?

    Unglaublich da geht jemand aus eigenen, egoistischen Gründen mit Bildern zur Presse und löst eine solche Hexenjagd aus. Ich bin für Tierschutz, aber sollte hier auch gefragt werden, warum die gute Melderin nicht sofort etwas unternommen hat, sondern so lang wartete... hatte sie vielleicht Kontakt zu U.K. und konnte ihren Kopf bei ihm nicht durchsetzen...? Nachfragen sollte erlaubt sein.

  • toni am 05.08.2017 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Härters Tierschutzgesetz muss her

    Ja, das ist die saubere Schweiz, aussen hui und innen pfui. Da werden alles mögliche an Gesetzen erlassen, aber wenn es um Tiere geht, versagt dieser Staat. Tierquälerei muss mit harten Strafen gebüsst werden, nicht nur mut Geldstrafen, Gefängnis unbedingt dazu verurteilen. Der Thurgau ist doch bekannt für solche Missstände.

  • sepp am 05.08.2017 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pferde

    Toll, wieviele sich hier fur die Tiere einsetzen. Doch wieso seit ihr nicht vor Ort? Nur etwa 300 Personen sind vor Ort, alle die Tiere lieben, sollten solche Demos unterstützen und dabei sein. Ich kann leider nicht, muss arbeiten.