Bodensee

09. September 2015 05:56; Akt: 09.09.2015 11:52 Print

Notruf landet im falschen Land – Frau fast ertrunken

Handy-Notrufe vom Bodensee landen oft nicht dort, wo sie sollten. Einer jungen Frau wurde das beinahe zum Verhängnis.

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Rettungsboote auf dem Bodensee suchen nach einem Vermissten. (Keystone/Ennio Leanza)

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«Es kommt immer wieder vor, dass Notrufe im falschen Land landen», sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Das bestätigt auch die Kantonspolizei Thurgau. Grund dafür sind die konkurrierenden Mobilfunknetze von Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Bodenseeregion.

Welch weitreichende Folgen das in einem Notfall haben kann, zeigt ein Fall aus Deutschland. Vor wenigen Wochen scheiterte ein Handy-Notruf nämlich genau daran, wie schwaebische.de schreibt.

Frau über Bord

Eine junge Frau fiel bei rauem Seegang vor Kressbronn (D) aus einem Segelschiff. Ihre Freunde warfen ihr eine Rettungsweste zu, an der sie sich verzweifelt festklammerte. Doch alle Versuche, die Frau zurück ins Boot zu holen, scheiterten. Schliesslich trieb das Boot ab. Glücklicherweise kam genau in diesem Moment ein Boot der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Ravensburg vorbei. Sie entdeckten die Frau im Wasser und verständigten via Handy die internationale Notrufnummer 112.

Weil ihr Handy im Schweizer Mobilfunknetz eingewählt war, landete der Anruf in der Schweiz. «Die wollten uns dann eigentlich zur Leitstelle in Oberschwaben verbinden», sagt Jürgen Bolz, Bootsführer-Ausbilder bei der DLRG Ravensburg, zu Schwaebisch.de. Doch ohne Erfolg: Stattdessen landete Bolz mit seinem Anruf in Österreich. «Von dort aus wurden wir dann anstatt nach Oberschwaben ins Allgäu verbunden, dann ist die Verbindung ganz abgebrochen.»

Die Frau konnte dennoch gerettet werden. Völlig unterkühlt brachten Bolz und seine Mannschaft sie an Land. Am Ufer setzten die Lebensretter einen Notruf per Funk vom DLRG-Einsatzfahrzeug aus ab.

Geplante Funkpflicht als Lösung?

Dass es sich dabei um keinen Einzelfall handelt, zeigt ein weiteres Beispiel aus 2011. Laut Bolz kenterte damals ein Motorboot mit elf Personen an Bord. Segler entdeckten die im Wasser treibenden Personen zufällig. Der abgesetzte Notruf landete in der Schweiz, wieder viel zu weit weg vom Unfallort.

Um dieses Problem zu umgehen, sind Alternativen gefragt. Ab 2016 müssen alle Fahrgastschiffe auf dem Bodensee mit einer Funkausrüstung ausgestattet sein, mit der sie über den Kanal 16 miteinander kommunizieren können. Der Haken an der Sache:
Boote der Wasserwacht und Privatboote fallen nicht in diese Kategorie und müssen deshalb auch nicht mit Funk ausgerüstet sein. Eine Anschaffung wäre auch nicht ganz billig, denn nebst dem Gerät bräuchte es auch eine Lizenz, die über 500 Franken kostet. Zudem funktioniert der Seefunk nur dann gut, wenn viele Bootsführer mit Funk ausgerüstet sind. Nur dann werden unadressierte Notrufe schnell gehört und man kann entsprechend einschreiten.

Jürgen Bolz hat noch einen anderen Vorschlag: «Wenn man auf dem Bodensee kein Funkgerät dabeihat, sollte man die alte Notfallnummer 19222 inklusive Länder- und am besten Ortsvorwahl nutzen.» So komme der Notruf auf der richtigen Seeseite an.

Bei der Kantonspolizei St. Gallen und auch im Thurgau hält man die 112 nach wie vor für die beste Wahl. «In der Not muss es schnell gehen, da erinnert man sich kaum an eine so komplizierte Nummer», sagt Rezzoli. Und Daniel Metzler, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, doppelt nach: «Wenn man mit der 112 nicht gleich am richtigen Ort ankommt, wird man innert Sekunden weitergeleitet.» Laut Metzler werde sogar überprüft, ob die Weiterleitung klappt.

«Wenn man im Schweizer Netz eingewählt ist, kann man auch die 117 oder 118 wählen», sagt Kurt Reich, Abteilungsleiter beim Schiffahrtsamt in Rorschach. Egal welche Nummer man wählt, das Wichtigste ist laut Reich, dass der Melder eine möglichst genaue Angabe seines Standorts macht. «Dann kann die nächstgelegene Rettung losgeschickt werden», so Reich.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Boden See am 09.09.2015 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Segler

    Sie hat Glück gehabt. Wann lernen es die Leute dass man speziell bei rauher See IMMER eine Schwimmweste trägt? Bei Kindern gibt's gar keine Ausnahme. Vor 2 Wochen in Immenstaad (D): Familie mit zwei Kleinkindern im Boot, ohne Westen. Schlicht verantwortungslos.

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  • Anna am 09.09.2015 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nervig...

    Auch im AR kommt man regelmässig aufs O2 Germany Netz... Und man wohnt nicht an der Grenze. Nervt richtig.

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  • Zyn Iker am 09.09.2015 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei der Kapo St. Gallen:

    "hält man die 112 nach wie vor für die beste Wahl. «In der Not muss es schnell gehen" ...und dann wird man gaaaaaanz schnell stundenlang mit der zuständigen Stelle verbunden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • D.F. am 10.09.2015 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guten Tag

    Wir begrüßen die Polizeikorps aus Österreich, Deutschlands und der Schweiz im Jahr 2015. Aussagen mit den technischen Möglichkeiten die wir heute haben wie im grauen Mittelalter! Wo fließen nur unsere Steuergelder hin, wenn die erreich Nachbarstaaten es nicht schaffen Telefone untereinander zu verbinden. Große Leistung !

  • Paul.R am 09.09.2015 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unlogisch

    Diese Meldung ist absolut unlogisch. Wieso soll die DLRG einen Notruf absetzten wenn sie selber für solche Aufgaben ausgebildet wurden?

  • Kusi_CH am 09.09.2015 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Wann wird bei solchen Unfällen auf dem Bodensee endlich Funk eingesetzt von den Rettungsdiensten?

  • Jessy am 09.09.2015 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwacher CH-Empfang

    nicht nur vom Bodensee sondern auch um den Bodensee! Habe im Thurgauischen nähe des Sees oft deutschen Empfang. Verstehe nicht, warum der Deutsche Funk stärker ist als der Schweizer?? Dann ist es eh klar dass man auf dem Bodensee keinen schweizer Empfang hat..egal mit welchen Anbieter..

    • Sara am 09.09.2015 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jessy

      Genau. Im Thurgauer Kantonsspital Münsterlingen das am Bodensee liegt, hat man auch Deutsches Netz.

    • yvonne am 10.09.2015 06:20 Report Diesen Beitrag melden

      minimale Netzverbindung

      oder keine - sperrt man die automatische Netzwahl haben wir in Altnau oft kein Netz. Manchmal hilft nur ein Neustart um nicht stundenlang "abgehängt" zu bleiben.

    • hans Schmidt am 10.09.2015 08:35 Report Diesen Beitrag melden

      Funk

      Umgekehrt loggt sich in der Therme Konstanz immer das schweizer Netz ein-das man darauf blocken muß wegrn der Gebühren....

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  • verkehrter Empfang am 09.09.2015 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    lieber "Uslender"

    offenbar hat "Uslender" absolut keine Ahnung, wie's am Bodensee wirklich läuft. Ich wohne direkt am Seeufer und habe sowohl ein CH- wieauch ein D-Telefon. Fazit: mit meinem CH-Telefon kriege ich keinen Empfang im CH-Netz, dafür wählt sich dieses im D-Netz ein ... mein D-Telefon verhält sich genau andersrum: kein Empfang im D-Netz, dafür wählt es sich dann aber ins CH-Netz ein.

    • verkehrter Empfang am 09.09.2015 12:38 Report Diesen Beitrag melden

      Daumen runter

      ich gehe davon aus, dass "Daumen runter" nicht die Beschreibung des Sachverhalt des Empfangs betrifft, sondern aus Neid über die Wohnlage gegeben wurde. PS: bin ein normaler Büezer, hatte einfach Glück bei der Wohnungssuche

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