Freilaufender Hund

20. Juli 2016 20:07; Akt: 22.07.2016 10:48 Print

Einfangen dauerte zu lange – Vanille erschossen

Obwohl eine professionelle Hundefängerin eingeschaltet worden war, wurde eine ausgebüxte Hündin erschossen. Die Behörden wollten nicht länger zuwarten.

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Vanille und Blanche sind Strassenhunde aus La Réunion, die am 24. Juni – einen Tag nachdem sie in die Schweiz gekommen waren – von ihrem Pflegeplatz in Wattwil SG ausbüxten. Drei Wochen später, am 15. Juli, wurde Vanille von einem Jäger erschossen – obwohl es keinen Hinweis gegeben hatte, dass die Hunde wilderten oder aggressiv waren. Die Behörden interessierte nicht, dass sich die Besitzerin Sabrina S.* bemüht hatte, die Hunde einzufangen, und dafür sogar eine professionelle Hundefängerin engagiert hatte.

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Ist der Abschuss von Vanille in Ordnung?
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Insgesamt 13193 Teilnehmer

Bereits zwölf Tage nach dem Ausreissen von Blanche und Vanille wurde Besitzerin S. in Anwesenheit von zwei Polizisten unter Druck gesetzt. «Sie sagten mir, ich müsse eine Verzichtserklärung unterschreiben.» Man versicherte ihr, dies sei kein Todesurteil über die Hunde. Diese würden sowieso abgeschossen, ob sie unterschreibe oder nicht. Heinz Brecht, der Tierschutzbeauftragte der Gemeinde Wattwil, musste ebenfalls unterschreiben: «Uns wurde versichert, die Unterschrift sei reine Formsache.»

«Behörden haben sonst Verständnis»

Dank dieser Verzichtserklärung war aber offenbar der Weg zum Abschuss frei. Besonders bitter ist dabei für die Besitzerin, dass Vanille an dem Tag von einem Jäger erschossen wurde, an dem es gelang, Blanche einzufangen. S. versuchte noch vergeblich, den Wildhüter zu erreichen, um ihm vom erfolgreichen Einfang von Blanche zu berichten.

Hundefängerin Nadja Rodel von «Hund entlaufen, wir suchen» sagt dazu: «So etwas habe ich noch nie erlebt. Normalerweise haben die Behörden Verständnis, dass das Einfangen eines verängstigten Hundes Zeit braucht. Das ist nicht in Ordnung.»

Das Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen, das für den Abschuss zuständig ist, will sich zum Fall nicht äussern. «Wir müssen zuerst den Sachverhalt abklären.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wakka am 20.07.2016 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hunde im Ausland

    Im ausland leben sooo viele Hunden auf der Strasse, hier sind 2 schon zuviele. Und wisoooooooo in aller Welt hat man es nicht einfach Betäubt? Echt traurig..

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  • xTuri am 20.07.2016 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heckenschütze

    Der Wildhüter hätte doch ruhig statt scharfer Munition auch Betäubungsmittel nehmen können, wenn er schon schiesst, dann kommt es doch nicht auf die Munition an.

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  • Zoelein am 20.07.2016 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Worte

    Mir fehlen wieder die Worte :-(...wenn ich das lese.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Betty 0711 am 21.07.2016 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strassenhunde

    Strassenhunde, Hunde aus Tötungsstationen ect. gehören nicht in unerfahre Hände... Die Tiere haben Angst, Panik und überhaupt kein Vertrauen... Entweder werden sie dadurch agressiv, oder wie hier, sie flüchten. Schade, der Hund könnte noch Leben, wenn man es richtig angegangen hätte... :(

  • Chrigu S. am 21.07.2016 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach soo

    Jetzt weiss ich auch was mit all den Katzen geschehen ist, die auf Streifzug gingen und nie wieder zurück kehrten...

  • Otto Normalverbraucher am 21.07.2016 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Warum so Tiere importieren?

    Solche Hunde brauchen wir hier nicht. Der wäre in Gefangenschaft in der Schweiz nie glücklich geworden, darum ist er ja schon am ersten Tag abgehauen. Wie kommen Leute überhaupt auf die Idee Strassenhunde zu importieren. Wir haben in Tierheimen genug Hunde, die ein Zuhause suchen. Wie will man wissen, dass die Hunde weder wilderten noch agressiv waren, wenn sie bloss einen Tag da waren. Solchen Personen sollte verboten werden einen Hund zu halten.

    • Betty 0711 am 21.07.2016 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Otto Normalverbraucher

      Ängstliche Hunde reagieren durch ihre Unsicherheit entweder agressiv oder mit Flucht/Vermeidung. Da sie geflüchtet sind, sind sie keine agressive Tiere. Ängstlich agressive Hunde sind schwerer zu sozialisieren als Tiere die flüchten.

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  • Basler am 21.07.2016 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    jaja...

    Man kennt das ja: Keine Angst, der will nur spielen!!! Aber das ich nicht spielen will, verstehen die Hundehalter offenbar nicht... Oder es ist ihnen einfach egal!!!

  • Realist am 21.07.2016 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Prioritäten

    Es ertrinken fast täglich Menschen auf der Flucht im Mittelmeer und Kinder werden mit aus der Schweiz verkauften Waffen getötet. Da gibt es nie so einen Aufschrei.