Ebnat-Kappel SG

18. April 2016 05:40; Akt: 18.04.2016 05:40 Print

«Die Kirche tut alles dafür, dass die Leute gehen»

Die reformierte Kirche Ebnat-Kappel ist keine Kirche mehr, sondern ein Kulturzentrum. In der Bevölkerung sind die Meinungen geteilt.

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«Die Kirchen tun seit Jahren alles dafür, dass die Leute gehen», sagt Heier Lämmler, PR-Berater des Dömli-Initianten André Keller. «Dem wollten wir mit unserem Projekt entgegenwirken und einen neuen Ort der Begegnung schaffen.»

Das Dömli ist eine umgebaute und neu interpretierte reformierte Kirche in der Gemeinde Ebnat-Kappel. Als der Zürcher Unternehmer André Keller vor etwas mehr als einem Jahr hörte, dass in der Nachbarschaft seiner Firma Frike Cosmetic AG die Dorfkirche zum Verkauf stand, zögerte er nicht lange: Er kaufte die Kirche mit dem Wunsch, etwas Besonderes entstehen zu lassen.

«Die Kirche ist jetzt ein Kulturzentrum»

Nach aufwändigen Umbauarbeiten war am Sonntag Tag der offenen Tür: «Die reformierte Kirche ist keine Kirche mehr, sondern ein Kulturzentrum», erklärt Keller. «Hier sollen unterschiedliche Anlässe wie Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Theater- und Musicalvorstellungen und Kinovorführungen stattfinden.» Er sei auf die Idee gekommen, weil er ein Theaterfan ist und sein Hobby ausleben wollte: «Dieser Ort soll mit Freude, Musik, Lachen und Applaus gefüllt werden.»

Doch es war ein langer Weg, bis die Kirche zum Dömli wurde. Bühne, Licht- und Tontechnik, eine Bar und Theaterbestuhlung wurden in die Räumlichkeiten eingebaut. «Alles in allem habe ich rund eine halbe Million investiert», so Keller.

Gemischte Gefühle

«Ich finde die Umsetzung und die Idee sehr gelungen», sagt ein 80-jähriger Dorfbewohner. Ausserdem seien die Stühle viel bequemer als die alten Bänke. Auch eine Anwohnerin ist begeistert: «Ich bin überzeugt, dass das Dömli Leben nach Ebnat-Kappel bringt.» Es sei eine super Sache und sie freue sich auf tolle Events.

Als sich André Keller im vergangenen März für den Kauf meldete, sorgte das in der Gemeinde für Empörung. Man wollte zwar eine der beiden reformierten Kirchen verkaufen – aber doch nicht an einen Unternehmer. Gegner gingen auf die Barrikaden und wollten den Kauf stoppen. Schlussendlich stimmten aber zwei Drittel der Kirchbürger dem Verkauf zu.

Ganz ausgeräumt sind die Zweifel nach wie vor nicht: «Ich bin mir nicht sicher, was ich vom Dömli halten soll», sagt eine 56-jährige Dorfbewohnerin. «Ich finde es nicht gut, dass ein Gotteshaus entweiht wurde.» Ausserdem finde sie es etwas pietätlos, dass der Friedhof neben der Kirche weiter bestehen bleibt.

(afa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul Saxer am 18.04.2016 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht neu

    in England werden viele Kirchen seit langem bereits so genutzt. Insofern nichts Neues - aber durchaus sinnvoll.

  • Schäfer am 18.04.2016 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kirchensteuer abschaffen!

    Darum braucht es auch die Kirchensteuer nicht mehr.

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  • Miss Janet am 18.04.2016 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kirche

    Schade, denn wir haben vor 30 Jahren dort geheiratet. Meine Eltern aber auch, vor 68 Jahren....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Strubeli014 am 18.04.2016 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo wurde auch Zeit

    Ja gute sache,wer geht den heute noch in eine Kirche,die sind ja sozusagen Sonntags fast nicht mehr besetzt,so kann sie doch noch positiv genutzt werden...Nun dass verhalten zur Religion veråndert sich halt mit der Zeit,den die Kirchen mssten sich halt auch mal an unserer Zeit anpassen,das nicht noch mehr Leute sie meiden...

  • Miss M. am 18.04.2016 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesangshaus

    Warum nicht?? Bei uns wurde aus der 2. Kirche im Dorf ein Gesangshaus mit Konzerten und verschiedene Ausstellungen. Sie war alt und am verfallen. Jetzt ist sie ein Schmuckstück und bringt viele Besucher ins Dorf.

  • Christin am 18.04.2016 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wundert mich nicht...

    ...dass bei einer solchen Einstellung vieler Kommentarschreiber eine andere Religion systematisch ihre Ziele in unserem Land verfolgen kann. Steht doch zu euren christlichen Wurzeln. Es wird eine Zeit kommen und Ihr werdet das Beten auch wieder lernen.

    • Gerry am 18.04.2016 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Christin

      Alle Religionen weltweit verbieten und abschaffen. Es gäbe weniger Krieg und Elend und das gesparte Geld könnte sinnvoller eingesetzt werden.

    • Winnie Pu am 18.04.2016 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gerry

      Diese Antwort ist sehr wenig durchdacht. An den Kriegen dieser Welt sind nicht die Religionen schuld, es sind bloss Ausreden. Gäbe es keine Religion, würden Fanatiker und Kriegsführer andere Gründe für ihre Taten finden. Es ist immer leicht den Fehler wo anders zu suchen als bei uns selber...

    • MeinSenf am 18.04.2016 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gerry

      Religion verbieten? Sie illusionieren aber auch. Das wäre kein Verbot das sich durchsetzen liess. Denn ich vermute es fände keine Akzeptanz. Und wie wollten sie einen Verstoss dagegen bestrafen?

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  • Antrol am 18.04.2016 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sollte man überall machen

    Richtig so. Sektentempel sollten alle umgenutzt werden. Das gilt auch für Moscheen, Synagogen, und wie die sonst noch alle heissen.

    • MeinSenf am 18.04.2016 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Antrol

      Bevor man etwas als "Sektentempel" bezeichnet sollte man zuerst mal wissen was eine Sekte ist.

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  • Nostradamus am 18.04.2016 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umnutzung

    In nicht allzu ferner Zukunft werden die Kirchen sowieso zu Moscheen.

    • John Livers am 18.04.2016 07:47 Report Diesen Beitrag melden

      @ Nostradamus

      Diese Befürchtung teile ich voll und ganz mit ihnen.

    • giorgio m am 18.04.2016 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nostradamus

      Der Boden ist bald geebnet durch die Toleranten

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