Ebnat-Kappel

30. Juli 2015 05:59; Akt: 30.07.2015 05:59 Print

Kirche wird neue Heimat für Metal-Bands und DJs

In Ebnat-Kappel wurde die evangelische Kirche an einen Unternehmer verkauft. Dieser plant künftig Konzerte, Theater oder Musicals im ehemaligen Gotteshaus.

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Seit März 2014 ist der 58-jährige André Keller Besitzer der evangelischen Kirche in Kappel. Diese wurde verkauft, nachdem sich die Kirchgemeinde Ebnat-Kappel nicht länger zwei Gotteshäuser leisten wollte. Der Verkauf der Kirche war im Dorf äussert umstritten und erhitzte die Gemüter. Jedoch entschied sich das Volk für den Verkauf und gab die Kirche frei zur Umnutzung. Zurzeit laufen die letzten Renovationsarbeiten, in Bälde soll die neue Kultur-Kirche wiedereröffnet werden.

Der erfolgreiche Zürcher Unternehmer (u.a. Biokosma) und Kulturfreund hat schon in der Vergangenheit grössere Projekte gestemmt. So hat er mehrere Theater- und Musical-Produktionen auf die Bühne gebracht, darunter «Bibi Balu» oder «Z wie Züri». Ursprünglich kommt Keller aus der Laientheater-Szene und er wünschte sich schon immer ein eigenes kleines Theater. Sein Umfeld sei sich an seine verrückten Ideen gewohnt und unterstütze Keller mit seiner Vision.

«Von Metal über DJs bis Klassik ist alles möglich»

Seine Kirche sieht der Unternehmer als Chance, der lokalen Kulturszene mehr Abwechslung bieten zu können: «Eine Kirche ist doch der ideale Ort für Kultur», früher sei ja in der Kirche auch unterhalten worden, so Keller. «Wenn eine Metalband spielt und zwei Wochen danach ein Orchester, zeigt das doch, dass wir das ganze Spektrum der Kultur abbilden können», sagt Keller.

Daniel Blatter, Geschäftsführer von Kultur Toggenburg, findet die Idee der Neugestaltung gut: «Wir sind froh über das zusätzliche Angebot.» In der Region Toggenburg sei eine Vielzahl an kulturell Schaffenden zu Hause, die Platz bräuchten. «Kirchenräume sind doch bestens geschaffen für Theater, Lesungen, Konzerte und Ausstellungen», so Blatter. Er hofft, dass aus der Idee des Unternehmers etwas wird. Laut Blatter werden im Toggenburg Kirchen oft für kulturelle Veanstaltungen genutzt.

Kleine Bar soll Gäste bei Laune halten

Die Kirche wurde seit ihrem Besitzerwechsel nach und nach renoviert. Es wurde gemalt, die Bänke demontiert, die Böden entfernt und Zuleitungen für Wasser und Strom gelegt. Die Kanzel und die Orgel will Keller auf jeden Fall behalten: «So eine Kanzel wäre doch für einen DJ oder einen Redner ideal.» Neben einer Bühne und Veranstaltungstechnik soll im hinteren Teil der Kirche eine kleine Bar entstehen, die während Anlässen betrieben werden soll. «Das Konzept hat sich bewährt, so können Zuschauer während den Vorstellungen etwas trinken gehen», erklärt Keller. Die Kirche soll je nach Bestuhlung Platz für bis zu 300 Gäste bieten und sonst als Bistro genutzt werden können.

«Die Kirche bleibt im Dorf»

Wann Keller seine Kirche genau eröffnet lässt er noch offen, fest steht aber, dass er diesen Herbst seine Kirche einweihen will: «Es ist noch so viel zu machen an der Kirche und ich suche derzeit noch nach optimalen Lösungen.» So sei die Schallisolation gegen aussen und die ganze Technik noch nicht geplant. Keller rechnet noch mit Investitionen von circa 150'000 Franken, bis zur Eröffnung, die er diesen Herbst über die Bühne bringen möchte. Dann sollen diverse Veranstaltungen folgen über die der Unternehmen noch nichts sagen möchte: «Die Kirche bleibt auf jeden Fall im Dorf.»

(rar)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bart Geier am 30.07.2015 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute idee

    super sache anstatt das Gebäude,das ja zuwenig von den sogenannten Gläubigen genutzt wird, zerfallen zu lassen. dann wäre das gleiche gehäule.

  • Ebnat-Kapplerin am 30.07.2015 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache

    Ich als Ebnat-Kapplerin finde den Verkauf eine super Sache, wir haben ja noch die zweite, ebenfalls wunderschöne evangelische Kirche im Dorf. Die zwei Kirchen für so ein kleines Dörfchen waren schon lange unnötig, ein Überrest aus der Zeit, als es noch Ebnat und Kappel gab...

  • Peter am 30.07.2015 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kirchenbesuch

    Endlich wieder einmal ein Kirchenbesuch. Was soll daran übrigens respektlos sein? Die Kirchgemeinde hat den Erlös aus dem Verkauf gerne genommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Monika am 31.07.2015 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur zur Info

    Alle die negativ über die Umnutzung schreiben, waren wohl noch nie in Ebnat-Kappel. Sonst wüssten sie, dass da 2 evangelische Kirchen stehen. Eine im Ortsteil Ebnat, eine im Ortsteil Kappel. 2 halbleere Kirchen verschlingen Unsummen! Also ich finde diesen Schritt richtig

  • Fabian am 31.07.2015 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mich freuts

    Dann wird so ein altes Gebäude wenigstens genutzt. Bei uns steht die Kirche nur leer. Aber Hauptsache es steht leer und keienn interessierts.

  • Ameisenpriester am 30.07.2015 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Glockengeläute

    Alles nicht so schlimm . Das passt doch gut Glockengeläute zu Metallmusik. Wir sind frei. Früher hat man eine alleistehende Frau mit Kinder als eine Hexe betitelt. Das in einem sogenannten Gotteshaus. Man muss ja nicht immer auf den Bänken knien um zu glauben.

  • Caroline am 30.07.2015 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Freu!

    Als Ebnaterin bin ich begeistert von der Umnutzung und kann's kaum erwarten, sie zu besuchen. Mit Gotteslästerung hat dies nichts zu tun. Die Kirchgemeinde hat darüber abgestimmt. Lieber eine schöne Kirche umnutzen und eine schöne Kirche für Gottesdienste weiternutzen, als sich zwei Kirchen nicht leisten können! Danke, André Keller!

  • Auch Christ am 30.07.2015 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehrheit findet es gut

    Vor mehr als einem Jahr wurde darüber abgestimmt. Von ~2300 Kirchgemeindemitgliedern waren nur deren ~240 zur Abstimmung erschienen - das Abstimmungsresultat mit 170 Stimmen für den Verkauf gegen 73 gegen den Verkauf war mehr als deutlich. Liebe Verkaufsgegner und alle anderen Prediger - es war ein demokratischer Entscheid, bitte respektiert den Willen der Kirchgänger. Persönlich finde ich es eine Bereicherung für Ebnat-Kappel und bin gespannt auf die ersten Anlässe die hoffentlich bald kommen werden.