Urmein GR

16. Mai 2017 20:22; Akt: 16.05.2017 20:22 Print

Angehörige sammeln für toten Downhill-Skater

Ein Downhill-Skater aus Ecuador starb bei einem Frontalcrash mit einem Auto in Urmein GR. Die Überführung seiner Leiche soll nun mithilfe von Crowdfunding finanziert werden.

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José D.* war erst 23 Jahre alt, als er am Samstag sein Leben verlor.
Der ecuadorianisch-italienische Doppelbürger fuhr in einer Gruppe mit einem Skateboard auf der Nebenstrasse von Tschappina nach Urmein. In einer Rechtskurve oberhalb von Urmein krachte er auf der Gegenfahrbahn frontal in ein entgegenkommendes Auto. José D. verstarb noch an der Unfallstelle.

Wie der «Blick» schreibt, wohnte der 23-Jährige in Ecuador und war in der Schweiz, um seine Mutter zu besuchen.

«Du bleibst mit deinem Lächeln in Erinnerung»

In den sozialen Medien bekunden hunderte Freunde der Familie von José D. ihr Beileid und trauern um den in der Downhill-Skater-Szene bekannten 23-Jährigen. «Du bleibst mit deinem Lächeln in Erinnerung. Mein Beileid an die Familie», schreibt eine.

Viel Unterstützung erfährt die Familie nun auch beim Auftreiben von Geld für die Überführung der Leiche von José D. nach Ecuador. Mithilfe der Crowfunding-Website Gofundme versuchen sie, das Geld aufzutreiben.

M. S.*, offenbar eine Freundin der Mutter des Verstorbenen, schreibt dort: «Durch einen tragischen Unfall hat eine Freundin von mir ihren Sohn verloren. Den Transport seines Körpers von der Schweiz nach Ecuador ist sehr teuer und wir sind deswegen auf Ihre Hilfe angewiesen. Die Mutter von José ist Ihnen in diesem Moment des Schmerzes für eine Spende sicher dankbar.»

10'000 Dollar benötigt

Bereits jetzt sind so 4605 Dollar, umgerechnet also rund 4500 Franken, zusammengekommen. Benötigt werden laut der Freundin der Mutter 10'000 Dollar.

Hunderte Personen spenden nicht nur für die Überführung der Leiche von José D., sondern hinterlassen auf der Crowdfunding-Seite auch einen Kommentar. «Ich habe dich nie kennen gelernt. Aber wir alle treffen hie und da schlechte Entscheidungen. Leider musstest du dafür bezahlen. Ruhe in Frieden», schreibt jemand, der 50 Dollar gespendet hat. Eine andere Spenderin bekundet der Familie ihr Beileid: «Gott gebe euch Kraft, diesen grossen Verlust zu überwinden.»

«Wahrheitsgehalt ist hoch»

Auf Anfrage von 20 Minuten sagt ein Bestatter aus Aarau, der Überführung von Leichen ins Ausland tätigt, dass ein solcher Transport durchaus 10'000 kosten kann: «Es kommt aber sehr darauf an, wie die Umstände sind. Beispielsweise ob das Land, in das der Leichnam transportiert, eine Einbalsamierung fordert oder welche Papiere vom zuständigen Konsulat ausgestellt und beglaubigt werden müssen.»

Ob es sich bei der Geldsammlerin tatsächlich um die Freundin der Mutter des Verstorbenen handelt, ist unklar. Denn laut den Geschäftsbedingungen von Gofundme kann jeder eine Kampagne starten und muss selber die Verantwortung dafür tragen, wenn jemand getäuscht wird. Das Unternehmen war für 20 Minuten nicht erreichbar.

Corinne Wissing, Geschäftsführerin der Stiftung I Care for You, sagt aber: «Da die Frau schon fast 50 Prozent des benötigten Geldes gesammelt hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Geschichte wahr ist, sehr hoch – denn sonst würden keine oder nur wenige Spenden erfolgen.» Trotzdem findet sie, dass Crowdfunding-Seiten ihre Pflicht wahrnehmen müssen und solche Projekte vorher prüfen sollten. «Bei uns wird in solchen Fällen immer Rücksprache mit dem Projektstartenden gehalten und im Zweifelsfall auch ein Schriftdokument verlangt, das beweist, dass wirklich eine Notlage hinter dem Crowdfunding-Projekt steckt.»


*Name der Redaktion bekannt.

(jen)