RhB-Unglück

17. März 2017 11:55; Akt: 17.03.2017 11:55 Print

Bahnverantwortliche trifft keine Schuld

Das RhB-Zugunglück vom August 2014 bei Tiefencastel sei nicht vorhersehbar gewesen. Die Unfalluntersuchung bringt aber zutage, dass die Alarmierung zu kompliziert war.

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Die Bergungs- und Räumungsarbeiten auf der Unfallstelle konnten am Abend des 15. August planmässig abgeschlossen werden. Die Bergung des letzten Wagens stellte eine grosse Herausforderung dar, verlief jedoch ohne Zwischenfälle. Alle Wagen der Rhätischen Bahn, bis auf den vordersten, der vom Gleis in den Hang stürzte, konnten geborgen werden. Der 17 Tonnen schwere abgestürzte Wagen 1 konnte den Hang heraufgezogen und parallel zum Gleis aufgestellt werden. Als nächsten und letzten Schritt konnte er auf die Schienen gehievt werden. Für die Bergung stand ein Schienenkran zur Verfügung. An dieser Stelle kam es zum Erdrutsch. Einen Tag nachdem bei Tiefencastel GR am Mittwoch, 13. August, ein Zug entgleist war, gab die Bündner Staatsanwaltschaft bekannt, dass eine Untersuchung zur Klärung der Unfallursache eingeleitet worden sei. Die Regierung lobte die Einsatzkräfte für ihren «effizienten Einsatz». Die Bergung und Versorgung der Verletzten und die Evakuierung und Betreuung der weiteren Bahnreisenden seien vorbildlich gewesen. Bei Tiefencastel GR entgleiste am Mittwoch, 13. August, ein Zug. Die Bahn wurde von einem Erdrutsch erfasst. «Der Zug machte eine Notbremsung aus dem Nichts», sagte ein Leser-Reporter zu 20 Minuten. Wie am seidenen Faden: Ein Waggon wurde nur von einigen Bäumen gehalten. Den Rettern bot sich an der Unglücksstelle ein schreckliches Bild. Insgesamt gab es elf Verletzte, fünf davon schwer. Wie die Polizei mitteilte, waren unter den Schwerverletzten vier Schweizer und ein Japaner. Am 15. August befanden sich noch immer sechs Personen im Spital. Zum Glück wurde keine von ihnen lebensgefährlich verletzt. Verletzte mussten zum Teil von der Rega geborgen werden. Daneben flogen die Helikopter auch Rettungskräfte und Bergungsmaterial vom Unglücksort zum Umladeplatz. Im Einsatz standen Rettungskräfte der Feuerwehr, der Alpinen Rettung, das Careteam Grischun und die Kantonspolizei Graubünden. Die Rettungskräfte im Einsatz. Die Rega stand insgesamt mit vier Helikoptern im Einsatz. Die Unglücksstelle war nur schwer zugänglich.

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Am 13. August 2014 wurde zwischen Tiefencastel und Thusis ein Personenzug der Rhätischen Bahn von einem Erdrutsch getroffen und entgleiste. Einer der sieben Wagen stürzte 20 Meter den Steilhang hinunter, wurde aber von Bäumen gestoppt. Von 150 Reisenden verletzten sich acht schwer und ebenso viele leicht. Eine Person erlag den Verletzungen neun Tage nach dem Unglück.

Die Bahnverantwortlichen trifft keine Schuld: Das Ereignis war auf «einen unvorhersehbaren Erdrutsch zurückzuführen, der während der Durchfahrt des Zuges erfolgte», wie es in dem am Donnerstag publizierten Schlussbericht der Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST heisst. Eine halbe Stunde vorher hatte ein anderer Zug die Unglücksstelle passiert, ohne dass jemand Auffälligkeiten bemerkt hätte.

Telefonverbindung nach Fussmarsch

Unmittelbar nach dem Unfall gab es Schwierigkeiten mit der Alarmierung. Der Lokführer versuchte es zuerst erfolglos per Funk, danach per Mobiltelefon, was auch nicht klappte. Eine telefonische Verbindung herstellen konnte er erst, nachdem er 150 Meter Richtung Thusis marschiert war.

Die SUST empfiehlt dem Bündner Bahnunternehmen deshalb sicherzustellen, dass die Möglichkeit einer Alarmierung in Notfällen von allen Stellen des knapp 400 Kilometer langen Streckennetzes möglich ist – und das zu jeder Zeit.

Sicherheitsdefizit im Wagen

Weiter wurde infolge des Unfalls ein Sicherheitsdefizit am Material aufgedeckt. Im entgleisten Wagen, der im Steilhang von Bäumen gestoppt worden war, lagen Teile der Deckenverschalung am Boden. Diese Teile aus Aluminium wiegen sechs Kilogramm, weisen scharfe Kanten auf und können Passagiere verletzen.

Die SUST schreibt, das Bundesamt für Verkehr solle die Vorgaben für solche Verschalungen überprüfen. Das Material solle sich auch bei grösseren Erschütterungen nicht mehr lösen können.

Belastung im Jubiläumsjahr

Das Unglück bei Tiefencastel ist eines der grössten der letzten Jahrzehnte für das Bahnunternehmen. Es überschattete die Feiern des 125-jährigen Bestehens. Der Unfall belastete die RhB-Rechnung mit 1,1 Millionen Franken. Im Betrag enthalten sind Aufwendungen für Rettungskosten sowie für die Instandsetzungen von Infrastruktur und Rollmaterial.

20 Minuten sprach nach dem Unglück mit dem Leiter der RhB-Infrastruktur:

(sda)